Trotz Corona umarmen und trösten

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„Wir vermissen Euch!“ – Diese Botschaft an der Tür der Kita Gernegroß gilt für alle Werdohler Einrichtungen und richtet sich an die Mädchen und Jungen, die während der Corona-Krise nicht in den Kindergarten gehen dürfen.

Werdohl – In ganz kleinen Schritten in Richtung Normalität: Was ab Montag in den Grundschulen zunächst für die Viertklässler ermöglicht werden soll, ist für die Werdohler Kindergartenkinder vorerst noch keine Option.

„Deshalb können wir auch noch nicht wirklich planen, wie wir vorgehen, wenn wieder mehr Kinder kommen dürfen“, stellt Birgit Nörthemann fest. Die Leiterin der Kindertagesstätte Gernegroß hat zwar, ebenso wie ihre Kollegin Karina Wionsek, Leiterin der Kita Budenzauber, „verschiedene Szenarien im Kopf“, aber letztlich sei man natürlich davon abhängig, was von den Ministern vorgeschlagen werde. 

Gespannt warten Nörthemann, Wionsek, sowie ihre Kolleginnen Sandra Koch (Wunderkiste) und Vaia Nasta (Momo) auf den Fahrplan für die schrittweise Öffnung der Kitas, der bis Donnerstag den Ministerpräsidenten der Bundesländer vorgelegt werden soll. Fest stehe aber schon jetzt, dass auch danach alle städtischen Einrichtungen in Werdohl eine gemeinsame Linie verfolgen würden. 

„Ich hoffe, dass zumindest die Vorschulkinder bis zum Wechsel nach den Sommerferien noch ein paar Wochen in die Kita gehen können“, sagt Vaia Nasta. Die „Großen“ müssten bedingt durch die Corona-Krise auf Selbstverständlichkeiten, wie etwa die Abschlussfahrt, verzichten, stellt Nasta fest. Das bedauert auch Karina Wionsek. „Diese Besonderheiten im letzten Jahr fallen für sie einfach ersatzlos aus.“ Vaia Nasta befürchtet zudem, dass einigen Kindern der Wechsel zur Grundschule besonders schwer fallen könnte, wenn sie keine Gelegenheit mehr haben, die Kita zu besuchen. 

Die Vorschulkinder der Kita Gernegroß sollen deshalb nach Möglichkeit mit Unterstützung ihrer Eltern die März- und April-Seiten im „Übergangsbuch von der Kita zur Grundschule“ gestalten. Kontakt zu „ihren“ Kindern halten die Mitarbeiterinnen der Kitas ohnehin – und zwar per E-Mail. Auf diesem Weg lassen die Erzieherinnen den Mädchen und Jungen, beziehungsweise deren Eltern, auch Beschäftigungsvorschläge zukommen. 

Karina Wionsek und ihr Team haben für die Kinder außerdem spezielle Taschen mit Beschäftigungsmaterialien gepackt. „Die können quasi am Gartenzaun abgeholt werden“, sagt Wionsek. Denn in allen Einrichtungen gilt ein Betretungsverbot: Lediglich die Kinder, die für die Notbetreuung angemeldet sind, dürfen hinein. Die Eltern bringen ihren Nachwuchs nur bis zur Tür – und holen die Kinder dort auch wieder ab. Auch Beschäftigungsvorschläge in Papierform – falls die Eltern nicht über einen Drucker verfügen – können jeweils vor den Eingängen der vier städtischen Kitas abgeholt werden.

Vor der Gernegroß-Einrichtung gibt es zudem eine Steine-Tauschbörse: „Jedes Kind soll einen Stein gestalten, ihn vor der Tür ablegen und sich dort einen anderen Stein aussuchen und mit nach Hause nehmen. Wenn wir uns dann wiedersehen, bringen alle ihre Steine mit und wir basteln daraus gemeinsam ein Kunstwerk“, erzählt Nörthemann von einer der Bemühungen, weiterhin den Kontakt zu den Kindern zu halten. 

Apropos Kontakt: Der Elternbeirat der Kita Budenzauber hat sich bei den Erzieherinnen für ihren Einsatz in diesen schweren Zeiten bedankt – sehr persönlich, aber ohne Ansteckungsgefahr – mit Fotos der Eltern, die selbst gestaltete Plakate in die Kamera halten. 

Denn schließlich ist den Eltern ebenso wie den Kita-Teams bewusst, dass sie sich während ihrer Arbeit vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus kaum schützen können. „Wir können nicht mit Masken arbeiten, davor hätten die Kinder einfach zu viel Angst“, sind sich die vier Kita-Leiterinnen einig. Zudem sei gerade in dieser besonderen Situation für einige Mädchen und Jungen der Körperkontakt extrem wichtig. „Wir müssen auch weiterhin umarmen und trösten“, sagt Vaia Nasta. 

Natürlich spiele das Thema „Hygiene“ ganz aktuell eine besondere Rolle, ergänzt Sandra Koch. „Es war schon immer Thema bei uns, aber gerade jetzt ist beispielsweise das richtige Händewaschen noch mehr in den Mittelpunkt gerückt.“ 

In diesem Zusammenhang loben die Kita-Leiterinnen die Eltern, die sich vernünftig und diszipliniert verhalten würden. „Obwohl diese Situation für einige wirklich sehr schwierig ist“, stellt Sandra Koch fest. Alle Kita-Leiterinen berichten von Gesprächen mit Eltern, deren Belastungsgrenze bald erreicht sei.

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