Leute werden langsam vernünftig: Ordnungsämter wachen über Auflagen und Verbote

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Maximilian Pondruff und Birgit Salewski vom Werdohler Ordnungsamt überprüfen, ob sich alle Gaststätten an die Corona-Auflagen halten. Hier an der Neustadtstraße haben sie keinen Verstoß feststellen müssen.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Bayern hat es schon getan, auch in einzelnen Städten anderer Bundesländer gelten jetzt Ausgangssperren. Dortmund und Leverkusen haben Freitag als erste Städte in NRW Versammlungsverbote verhängt. Davon sind auch Werdohl, Neuenrade und Balve möglicherweise nicht mehr weit entfernt. Noch setzen die Behörden aber auf die Einsicht der Menschen.

„Wir kontrollieren schon seit ein paar Tagen“, antwortete Werdohls Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel auf die Frage, ob die Stadt eigentlich die verhängten Verbote beziehungsweise angeordneten Schließungen überwache. Vor allem bei Gastwirten sei nach der Schließungsanordnung die Verunsicherung zunächst groß gewesen. „Da ging es vor allem darum, ob eine Gaststätte als Kneipe oder als Speiselokal zu betrachten ist“, erklärte Mentzel. 

Der Unterschied ist für die Gastronomen von essenzieller Bedeutung, denn Kneipen und Cafés müssen mittlerweile geschlossen sein, während Speisegaststätten und Restaurants immerhin noch täglich zwischen 6 und 15 Uhr öffnen dürfen. Die Angelegenheit hat sich in Werdohl mittlerweile sowieso erledigt, denn ganz gleich, ob Kneipe oder Restaurant: Die Gastronomie an Lenne und Verse ist praktisch zum Erliegen gekommen, kaum ein Lokal hat überhaupt noch geöffnet.

Das Ordnungsamt der Stadt kontrolliert dennoch, und zwar nicht nur Geschäfte und Gaststätten. Auch am Freitag waren Birgit Salewski und Maximilian Pondruff vom Werdohler Ordnungsamt wieder auf Kontrollgang unterwegs. In der Werdohler Innenstadt rüttelten sie an Kneipentüren und kontrollierten, ob auch wirklich alle Geschäfte, die geschlossen sein mussten, zugesperrt hatten.

„Wir sprechen aber auch Menschen an, die in Gruppen zusammenstehen und fordern sie auf, auseinanderzugehen“, berichtete Pondruff von der Arbeit in diesen Tagen. Und wie reagieren die Menschen darauf? „Unterschiedlich“, sagte Pondruff. „Die einen sind verständnisvoll und freundlich, andere murren auch schon einmal“, beschrieb der die Reaktionen. Letztlich lösten sich aber alle Gruppen auf.  Wie lange die Arbeit der beiden Kontrolleure wirkt – man weiß es nicht.

Auch in Neuenrade wird auf öffentlichen Wegen und Plätzen, in Parks, auf Spiel- und Bolzplätzen kontrolliert, ob die Menschen der Aufforderung nachkommen, auf Distanz zueinander zu gehen. Von der noch am Donnerstag angekündigten Maßnahme, die Kräfte des Ordnungsamtes durch Feuerwehrangehörige mit Beamtenstatus zu verstärken, sei man dann aber doch wieder abgerückt, sagte Bürgermeister Antonius Wiesemann am Freitag: „Das haben wir dann doch anders entschieden.“ 

Jetzt erhält das Ordnungsamt zwar auch Unterstützung von der Feuerwehr, allerdings nur durch einen Mannschaftswagen und ein Fahrzeug, mit dem die Kontrolleure des Ordnungsamtes zum Einsatz gefahren werden. „Es geht darum, dass wir jetzt schnell reagieren und tätig werden“, erklärte Bürgermeister Wiesemann das Vorgehen. Er hoffe, „dass die Menschen jetzt vernünftig sind“, sagte er im Hinblick auf eine mögliche Ausgangssperre, die sich noch verhindern ließe, wenn sich die Bevölkerung jetzt an die Verbote hielte. 

Allerdings merke er mittlerweile auch, dass sich die Situation etwas entspanne „und dass die Leute zunehmend zuhause bleiben“, schilderte Neuenrades Stadtoberhaupt seine Eindrücke. „Das Verständnis für die Situation wächst von Tag zu Tag mehr“, sagte er. 

Vom Verständnis für die Situation, vor allem aber vom Verhalten der Bevölkerung wird es wohl abhängen, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus noch einmal verschärft werden und eine allgemeine Ausgangssperre verhängt wird. Verboten wären dann das Verlassen der eigenen Wohnung und damit das Betreten von öffentlichen Straßen, Plätzen und Parks, die Teilnahme an Versammlungen jeglicher Art und Sportarten in Gruppen im Freien. Erlaubt wären noch die Fahrt zur Arbeit, Besuche beim Arzt, der Tankstelle oder der Bank. 

Die Einhaltung dieser Beschränkungen zu überwachen, wäre dann Aufgabe der Ordnungsämter, aber auch der Polizei, deren Aufgabe es ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu erhalten. Werdohls Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel: „Wir werden da gemeinsam tätig sein. Weil beispielsweise das Verlassen der Wohnung bei einer Ausgangssperre einen Straftatbestand darstellt, wäre dann auf jeden Fall die Polizei mit im Boot.“ 

Wie die Stadt Balve mit der Situation umgehen will, ist nicht bekannt. Die Stadtverwaltung dort beantwortet derzeit keine Anfragen der Presse, verweist stattdessen auf ergangene Allgemeinverfügungen und ihre Internetseite.

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