Stadtwerke Werdohl mit cleverem Gas

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Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Schlutow (re.) und Vertriebsleiter Maik Schulte haben ein modernes und dem Markt entsprechendes Tarifsystem für die Gaskunden entwickelt.

Werdohl - Mit zwei großen Neuigkeiten beenden die Werdohler Stadtwerke das Jahr 2014. Zum einen müssen sie wegen des überdurchschnittlich warmen Jahres eine Million Euro Abschlagszahlungen an ihre Gaskunden zurückzahlen, zum anderen haben die Stadtwerke mit „LenneGas Top“, „LenneGas Clever“ und LenneGas Fix“ ein modernes und verbraucherorientiertes Tarifsystem geschaffen.

Mit der Jahresabrechnung Anfang Februar werden sich die etwa 3500 Werdohler Gaskunden der Stadtwerke über nachträgliches Weihnachtsgeld freuen können. Das Jahr 2014 war im Durchschnitt so warm wie schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Da sich die Abschlagszahlungen am Verbrauch des Vorjahres orientieren, erhalten alle Kunden deutliche Rückzahlungen.

Schlutow rechnet mit einem etwa um 20 Prozent geringeren Verbrauch. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 15 000 Kilowattstunden im Jahr bedeute das eine Rückzahlung von etwa 200 Euro pro Haushalt. „Wir freuen uns, unseren Kunden an den Einsparungen teilhaben lassen zu können und brauchen deshalb auch keine Preiserhöhung vermelden“, so Frank Schlutow gestern im Rahmen eines Pressegespräches.

Mehr als 80 Prozent der Werdohler Gaskunden beziehen ihr Gas von den Stadtwerken. 3900 Gaskunden gibt es, 400 davon sind bei anderen Anbietern als den Stadtwerken. „Wir wollen mit unseren Tarifen unsere Kunden zufriedenstellen und freuen uns über jeden, der zu uns zurückkehrt“, so Schlutow. Aquiseangebote wolle man allerdings nicht machen. Die Werdohler Stadtwerke sehen sich als Grundversorger vor allem als zuverlässiger und kompetenter Energiedienstleister vor Ort.

Bezugspreise bleiben lange Zeit stabil

Früher wurde die Ölpreisbindung des Gases verteufelt und abgeschafft, bei den derzeit ins bodenlose fallenden Ölpreisen wünscht sich mancher Kunde, dass damit auch das Gas wieder billiger werden würde. Das ist allerdings nicht der Fall, da das Gas mittlerweile mit einer vom Öl losgelösten Dynamik an der Börse gehandelt wird. Dementsprechend haben die Werdohler Stadtwerke ihren Bedarf für das kommende Jahr jetzt schon komplett eingekauft. Das garantiert zumindest, dass die Stadtwerke ihren Kunden eine stabile Preisstruktur zusichern können.

Ab Januar 2015 stehen den Werdohlern drei neue Versorgungsverträge mit speziellen Tarifen zur Auswahl. Mit der eindeutigen Namensgebung „LenneGas Top“ als flexibler Grundversorgungstarif ohne lange Bindung, „LenneGas Clever“ mit einer eingeschränkten Preisbindung für ein Jahr und „LenneGas Fix“ mit einer Preisbindung auf volle 18 Monate gebe es jetzt klar strukturierte und leicht verständliche Tarifangebote.

Schlutow: „Wir machen hier ganz bewusst keine Lockangebote mit Wechselprämien.“ Die Stadtwerke seien kein ausschließlich gewinnorientiertes Unternehmen, sondern ein Energieversorger mit kommunaler Bindung und sozialer Verantwortung. „Deshalb sind wir auch nicht die günstigsten Anbieter am Markt“, nimmt Schlutow seine Aufgabe als Geschäftsführer eines stadtnahen Grundversorgers wahr. Die Hinweise, dass ein Anbieterwechsel hin zu den Stadtwerken absolut problemlos sei und die Stadtwerke alle Formalitäten übernähmen, sparen sich Schlutow und sein Vertriebsleiter Maik Schulte dennoch nicht.

Keine Probleme mit Netzentgelten

Probleme mit den Netzentgelten wie bei der Stromversorgung gibt es bei den Stadtwerken nicht. Das Werdohler Gasnetz gehört den Stadtwerken, Einleitungsengpässe gibt es nicht. Dennoch sieht Schlutow die Auseinandersetzung von Enervie mit der Bundesnetzagentur mit Sorge. Wenn tatsächlich die Kosten für den Ausbau der Stromübergabestation in Hagen auf die Kunden in der Wirtschaftsregion weitergegeben werden, könnte das auch Auswirkungen auf die Gasversorgung haben. Wenn hiesige Betriebe wegen der hohen Stromkosten ihre Produktion auf andere Werke auslagern, werde auch der industrielle Gasverbrauch in der Stadt sinken.

Von Volker Heyn

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