Stadtwerke contra Mark-E: Streit um Gaseinkauf

Die Stadtwerke mit Geschäftsführer Joseph Beier (links) lassen sich schon seit neun Jahren vom Kölner Consulting-Büro LN-Systems begleiten. Der Berater Dirk Nierle (rechts) hat die Werdohler Stadtwerke seit 2008 von Grund auf neu strukturiert. ▪

WERDOHL ▪ Zwischen den Werdohler Stadtwerken und der Mark-E ist eine Auseinandersetzung über den zukünftigen Gaseinkauf entbrannt.

Der Aufsichtsrat hatte am Dienstag eine fällige Entscheidung vertagt. Zudem scheint eine trennende Linie zwischen den politischen Lagern im Aufsichtsrat zu verlaufen. In diese Interessenlagen hinein spielt offensichtlich auch die Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Beier (60).

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hatte am Dienstag lediglich beschlossen, die Gaspreiserhöhung durch den Voreinkauf an die Kunden weiterzugeben. Wie bereits vorab berichtet, gilt der um 0,2 Cent angehobene Preis ab dem 1. April bis zum 30. September. Danach können alle Stadtwerke selbst Gas an der Börse in Leipzig für ihre Kunden einkaufen.

Bislang hatten die Werdohler Stadtwerke in der EHG Energie-Handelsgesellschaft Märkischer Stadtwerke GmbH ihr Gas gekauft. Das operative Geschäft hatte die Mark-E mit ihrer eigenen Einkaufsabteilung für die EHG geleistet. Die Mark-E ist mit nur 24,9 Prozent Anteilseigner der Werdohler Stadtwerke.

In der Aufsichtsratssitzung am Dienstag habe die Mark-E angeboten, dass die Stadtwerke nach der Liberalisierung des Gasmarktes bei der Mark-E einkaufen sollen. Ein Vertrag sei unterschriftsreif vorgelegt worden.

Stadtwerke-Geschäftsführer Joseph Beier hatte daraufhin ein eigenes, günstigeres Gas-Angebot präsentiert. Der Aufsichtsrat, bestehend aus Vertretern des Werdohler Rates mit Bürgermeister Griebsch, der Mark-E und Mitarbeitervertretern, setzte nach intensiv geführter Debatte die Entscheidung über den zukünftigen Einkauf aus.

Die Werdohler Stadtwerke benötigen im Jahr zwischen 150 und 162 Millionen Kilowattstunden Gas. Bei einem mittleren Einkaufspreis sind das in der Summe zwischen vier und fünf Millionen Euro Jahresbedarf. Das von Beier vorgelegte alternative Einkaufsangebot ist nur um 60 000 Euro günstiger als das der Mark-E. Beier räumt selbst ein, dass die beiden Angebote nicht auf die Schnelle miteinander verglichen werden könnten. Die von ihm benannte Differenz von 60 000 Euro sei tatsächlich so gering, dass sie die Gaskunden kaum erreichen würde.

Vielmehr gehe es den Werdohler Stadtwerken darum, die Eigenständigkeit zu stärken. Seit neun Jahren lassen sich die Stadtwerke von der Conusltingfirma LN-Systems beraten. Seit 2008 bauen LN-Systems die Stadtwerke systematisch um. Berater Dirk Nierle ist sich mit Beier einig: „Es läuft super bei uns, warum sollten wir das aus der Hand geben?“

Die Kernkompetenz der Werdohler liegt laut Nierle bei der extrem genauen Prognose des Jahresgasverbrauchs – die sei entscheidend für den Einkaufspreis und natürlich für den Endpreis der Kunden. Das habe zu einem vergleichsweise günstigen Preis für die Verbraucher geführt. Außerdem sei ein Jahresergebnis von 1,7 Millionen Euro erzielt worden. Nierle vergleicht die hiesigen Stadtwerke mit den seiner Meinung nach vergleichbaren Stadtwerken Kierspe. Dort würden seit Jahren sinkende Ergebnisse von zuletzt nur 300 000 Euro erzielt. Nierle: „Bei uns geht die Kurve immer nach oben.“

Die Stadtwerke seien in den vergangenen zwei Jahren komplett neu strukturiert worden. Nierle sieht seitdem bei der Mark-E Begehrlichkeiten gegenüber den Werdohler Stadtwerken. Der Mark-E-Vorstand Wolfgang Struwe wolle die Prognosefähigkeit der Stadtwerke als Dienstleistung übernehmen.

Der Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzende Bettelhäuser (CDU) sagte auf Nachfrage, dass die verschiedenen Angebote vergleichbar gemacht werden müssten. Deshalb habe sich der Aufsichtsrat um drei Wochen vertagt. Bettelhäuser gab keinen Kommentar zur Frage nach Differenzen und der Weiterbestellung von Beier ab.

Auch Bürgermeister Siegfried Griebsch wollte auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben.

Von Volker Heyn

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