Stadtklinik Werdohl: Ende der Parolen

Krankenhaus-Aufsichtsrat Uli Duffe (2.v.r.) sprach Klartext: „Es muss ein Ende mit den Parolen in Werdohl haben!“ Ihm pflichteten die Parteifreunde Angelika Machelett (l.) und Cornelius Böttcher (2.v.l.) ebenso bei wie FDP-Mann Friedhelm Hermes (r.)

WERDOHL - Das selbst gesteckte Ziel ist erreicht: Am Ende der knapp zweistündigen Infoveranstaltung von SPD und FDP zum Werdohler Krankenhaus am Mittwochabend im Vier Jahreszeiten war zumindest im Saal wohl niemand, der aktuell den Bestand der Stadtklinik in Zweifel ziehen würde. Von Volker Heyn

Die Aufsichtsratsmitglieder Angelika Machelett aus Wiblingwerde und Uli Duffe aus Kierspe gaben ebenso wie Landtagskandidat Michael Scheffler bedingungslose Treueschwüre für die Stadtklinik und die kommunale Trägerschaft der Märkischen Kliniken ab.

Es kam überhaupt keine Diskussion zustande – was daran lag, dass sich offensichtlich niemand mit anderer Auffassung getraut hatte, diese Demonstration von Geschlossenheit auch nur anzukratzen. Vielmehr wurde von Genossen und Liberalen in Richtung derjenigen geschossen, die sich in aller Öffentlichkeit Sorgen um den Erhalt des Krankenhauses machen. „Irgend so ein elendiger Populist macht haue haue“, griff Angelika Machelett, Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, einen von ihr namentlich nicht genannten Werdohler WBG-Politiker an. Eine öffentliche Debatte über den Bestand des Krankenhauses sei „überhaupt nicht zu verantworten“, eine Schließung sei „nie diskutiert worden“. Machelett: „Da wird mit den Ängsten der Menschen Politik gemacht.“

Fundierte Informationen lieferte am Mittwochabend Uli Duffe, Aufsichtsratsmitglied der Märkischen Kliniken und gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion. Die Märkischen Kliniken hätten sich damals Dr. Schwilk als Sanierer ins Haus geholt, um drohende zweistellige Millionen-Defizite zu verhindern und ein umfassendes Reorganisationsprogramm zu fahren. Bis zum Jahre 2009 seien auf diese Weise 16,4 Millionen Euro eingespart worden. „Dicke rote Zahlen“ seien erfolgreich vermieden worden, so Duffe, trotzdem ginge die Herausforderung weiter. Wirtschaftlich gesehen sei der Standort Werdohl ein „Sorgenkind“, so Duffe wörtlich. Die Verlegung der Gynäkologie habe deshalb Sinn gemacht. Weiterhin stünden Aufsichtsrat und Geschäftsführung voll hinter der Stadtklinik. Es gebe keine Salami-Taktik, im Haus eine Abteilung nach der anderen zu schließen. Im Gegenteil: Die Spezialisierung auf Knie-Endoprothesen habe kreisweit einen guten Ruf. Duffe appellierte an die Werdohler Ärzte, ihre Patienten auch in die Stadtklinik einzuweisen. Der SPD-Politiker forderte dazu auf, nicht weiter öffentlich über den Erhalt der Stadtklinik zu spekulieren: „Es muss ein Ende mit den Parolen in Werdohl haben!“

Angelika Machelett deutete an, dass die Geschäftsführung der Kliniken in Arbeitsgruppen mit Werdohler Ärzten zusammensitzt. Machelett: „Die Ärzte sind offensichtlich willig, im Sinne des Krankenhauses mitzuarbeiten.“ Und angesprochen auf ein Plakat, das in einer Werdohler Arztpraxis unverhohlen für andere Krankenhäuser werbe: „Der Prozess zwischen Werdohler Ärzten und der Stadtklinik braucht viel Zeit und vertrauensbildende Maßnahmen.“

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