Stadtklinik trotz Defizits „ökonomisch sinnvoll“

Erklärten gestern das Minus der Stadtklinik Werdohl im Verbund der Märkischen Kliniken (von links): Geschäftsführer Dr. Bernhard Schwilk, Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel und Geschäftsführer Robert Schüwer

WERDOHL ▪ Die Werdohler Stadtklinik hat im vergangenen Jahr ein Defizit von 1,68 Millionen Euro eingefahren. Dennoch gab Geschäftsführer Dr. Schwilk ein deutliches Statement für den Erhalt der Klinik in den kommenden fünf Jahren ab: „Die Stadtklinik ist versorgungstechnisch wie ökonomisch sinnvoll.“

Die Geschäftsführer Dr. Bernhard Schwilk und Robert Schüwer sowie Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel erklärten am Freitag in Lüdenscheid die negative Geschäftsentwicklung der Märkischen Kiniken GmbH, zu der die Stadtklinik Werdohl wesentlich beigetragen hat. Die Klinikgesellschaft wird das Jahr 2011 mit einem vorläufigen Ergebnis von minus 5,7 Millionen Euro abschließen, davon entfallen 1,68 Millionen Defizit auf Werdohl und 300 000 Euro Minus auf das Letmather Haus.

Erwähnenswert seien die besonders hohen Kosten für Freelancer in Werdohl. Die Stadtklinik sei für junge Assistenten und Fachärzte geographisch der „unattraktivste Standort“ (Dr. Schwilk). Dienste werden dort von sehr teuren Freiberuflern geleistet. Die Abweichung zwischen dem Wirtschaftsplan von November 2010 und der Prognose vom Dezember 2011 betrug allein in Werdohl 1,5 Millionen Euro. Dazu kommt ein Rückgang der Fallzahlen im vergangenen Jahr. 3732 Behandlungsfälle wurde 2011 abgerechnet, das waren 123 weniger als in 2010 – ein Rückgang um 3,2 Prozent. Das hat laut Dr. Schwilk „keine Dramatik, sondern ist Normalität“. Beide Werdohler Hauptabteilungen haben 2011 in hohem Umfang Honorarärzte gebraucht, nur die kleine HNO-Abteilung verdiene laut Dr. Schwilk „ein paar Euro“.

Angesichts der Krankenhaus-Schließung in Balve verstehe er zwar die Sorgen der Menschen, die jetzt wieder eine Schließung des Werdohler Krankenhauses fürchteten. Der Auftrag an die Geschäftsführung sei, das Krankenhaus zu halten. Vorzug und Merkmal des Werdohler Hauses sei die Einbettung in die Märkischen Kliniken. Er könne versprechen, dass das Haus die nächsten fünf Jahre nicht geschlossen werde. Dr. Schwilk: „Das ist kein Barmherzigkeitsunternehmen, es ist ökonomisch sinnvoll.“ Etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten aus dem früheren Balver Krankenhaus sei jetzt bei den Märkischen Kliniken, viele davon in Werdohl.

Die Zukunft sehe sehr viel besser aus. Das Geschäftsergebnis 2012 der Märkischen Kliniken wird mit 1,4 Millionen Euro Defizit prognostiziert, für Werdohl gebe es keine Differenzierung.

Von Volker Heyn

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