Dr. Fay macht Schluss

Stadtapotheke in Werdohl verkauft: So geht es weiter

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Das komplette Team der Stadt-Apotheke wird auch nach dem Verkauf zum 1. April für die Kunden und Patienten zur Verfügung stehen. Inhaber Dr. Gunter Fay hat sein Werdohler Geschäft an einen Kollegen aus Halver verkauft.

Werdohl – Dr. Gunther Fay hat die Stadt-Apotheke zum 1. April an den Halveraner Kollegen Horst Jakobi verkauft. Für die größte Werdohler Apotheke fand sich auch nach längerer Suche kein angestellter Apotheker, der für Fay hätte arbeiten wollen.

Fay: „Wenn wir nicht an Jakobi verkauft hätten, hätten wir die Apotheke schließen müssen.“ 

Nahezu unbemerkt von Kunden und Patienten hatte Fays Frau Ursula die Apotheke schon vor zwei Jahren an ihren Mann abgegeben. Fay besitzt neben der Stadt-Apotheke auch die Staberg-Apotheke in Lüdenscheid und die Bären-Apotheke in Brügge. 

Angestellte Apothekerin wechselt nach München

Seine Frau habe sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, begründete Dr. Fay den Schritt. Seit der Zeit wurde das Werdohler Geschäft von der angestellten Apothekerin Iosana Bodea als Filialleiterin geführt. Die hatte allerdings zum 1. April bei Fay gekündigt, der Liebe wegen zieht sie nach München. 

Weil das nicht erst seit gestern bekannt ist, hat Fay lange nach einer neuen angestellten Apothekerin gesucht. Niemanden habe man gewinnen können, die hohe Präsenzpflicht und das klein-städtische Umfeld hätten viele abgeschreckt. Der Beruf werde immer weiblicher, so Fay. Das habe zur Folge, dass die häufig in guten Berufen arbeitenden Partner von Apothekerinnen sich nicht aufs Land locken ließen. Eine Kandidatin aus Hagen war der tägliche Weg über die Autobahn zu weit, eine Interessentin aus Finnentrop habe keine Kinderbetreuung organisiert bekommen. 

Ein Apotheker muss ständig anwesend sein

In jeder Apotheke muss ständig ein Apotheker anwesend sein, sonst muss geschlossen werden. Für sich selbst sagt Fay, dass er schon seit Jahren keinen längeren Urlaub am Stück machen konnte, weil seine Präsenz immer wieder in einer seiner drei Apotheken gebraucht werde. Beschweren will er sich darüber nicht, er und seine Frau seinen „Unternehmer mit Herzblut“. Steuerlast und gesetzliche Vorschriften seien hoch, aber das seien eben die Voraussetzungen, hier Geschäfte zu machen. Fay blickt gerne in Richtung Schweiz, wo mit Unternehmern anders umgegangen werde. 

Horst Jakobi, Betreiber der Rats-Apotheke, verabschiedet sich aus Halver und übernimmt zum 1. April die Stadt-Apotheke in Werdohl.

Aber auch innerhalb Deutschlands gebe es Unterschiede. Die Unternehmensberatung von Fay sitzt in Baden-Württemberg. Dort sei die Steuerbelastung nicht so hoch wie in NRW. Die Unternehmensberatung vertritt auch den Halveraner Apotheker Horst Jakobi, und an dieser Stelle spricht Gunther Fay von einem glücklichen Zufall. Die Berater wussten von Fays Problemen, einen Apotheker zu finden. Und sie wussten, dass Jakobi in Halver der Umsatz weggebrochen war. Als glücklicher Umstand kam hinzu, dass in Halver der Mietvertrag für die Rats-Apotheke zum 1. April auslief. 

Begeistert von der Kundschaft

Fay: „Ich kannte den Kollegen vorher nicht. Horst Jakobi war total begeistert von unserer Apotheke und von der Werdohler Kundschaft.“ Der Halveraner war wirtschaftlich potent genug, die Stadt-Apotheke zu kaufen. Er bringt seine drei Angestellten aus Halver mit nach Werdohl und suche hier schon nach einer Wohnung. Alle 15 Kräfte aus der Stadt-Apotheke werden von ihm übernommen, auch die Post-Filiale nebenan bleibt unverändert bestehen. 

Horst Jakobi berichtet ähnliches über seinen beruflichen Alltag: Seit Jahren keinen Urlaub und eine 60-Stunden-Woche. Das sei die Realität in der Rats-Apotheke gewesen, erzählt er. Es mache für ihn keinen Sinn mehr, die Apotheke in der Frankfurterstraße in Halver aufrecht zu erhalten. Als die Arztpraxis im Hause vor vier Jahren auszog, sei es mit der Apotheke bergab gegangen. „Die wirtschaftliche Situation hat sich einfach verändert,“ so Jakobi. 

Für Patienten in Halver weiterhin verfügbar

Der 59-Jährige will auch von Werdohl aus für seine Halveraner Patienten verfügbar sein. „Da sind wir zu sehr Pharmazeuten, als dass wir uns einfach aus dem Staub machen würden.“ 

Da alle drei Mitarbeiterinnen in Halver wohnen, bleibe die Möglichkeit, Patienten Medikamente nach Hause zu liefern bestehen. Dass seine Kunden für Medikament nicht nach Werdohl kommen, sei ihm bewusst – doch einfach sei die Entscheidung nicht gewesen. „Wir tun uns alle schwer damit“, sagte er. „Wir sind immer gerne hier gewesen.“

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