Stadt will Kita „Gernegroß“

WERDOHL ▪ Die Verwaltung empfiehlt dem Rat, trotz der Kostensteigerung von rund 250 000 Euro am Umbau der Roten Schule in eine Kindertagesstätte festzuhalten. Die Kita wird von der Verwaltung unter dem Arbeitstitel „Gernegroß“ geführt. Von Volker Heyn

Angesichts der Tatsache, dass sich die Bauexperten in der Verwaltung um rund 500 Quadratmeter Grundfläche verrechneten, hat dieser Arbeitstitel eine gewisse Doppeldeutigkeit. Aber nicht nur darüber wird zu reden sein bei der Jugendhilfeausschusssitzung kommende Woche Dienstag. Zunächst waren Umbaukosten in Höhe von 1,27 Millionen Euro bei 1085 Quadratmetern Grundfläche berechnet worden. Die Neuberechnung auf Basis der tatsächlichen 1522 Quadratmeter liegt aktuell bei 1,52 Millionen Euro.

In der Vorlage stellt die Verwaltung erstmals dar, wie sie die zu erwartende Fördersituation sieht. Die Stadt kann nicht die kompletten Umbaukosten allein tragen, zumal es sich bei der Schaffung von U3-Plätzen um eine gesetzliche Forderung handelt.

Die Förderung aus Landes- und Bundesmitteln ruht auf drei Säulen. 136 000 Euro gibt es auf jeden Fall entsprechend des U3-Ausbau-Sonderprogramms des Landes. Diese Summe setzt sich aus 5100 Euro pro Platz plus 1700 Euro Ausstattungskosten zusammen.

Aus einem früheren, nicht realisierten Projekt stammen 158 626 Euro Bundesmittel, die bislang trotz mehrfacher Anmahnung nicht der Stadt zu Verfügung gestellt wurden. „Überraschend erneut“ seien diese Mittel aber jetzt doch am 26. März zugeteilt worden.

Jetzt wird es kompliziert: Diese insgesamt 291 554 Euro Fördermittel können eigentlich nicht komplett von der Stadt abgerufen werden, weil Fördermittel von Land und Bund nicht miteinander kombinierbar sind. Generell gilt auch, dass es für einen Neubau mehr Förderung gibt als für einen Umbau. Die Stadtverwaltung versucht jetzt eine Ausnahmeregelung zu begründen, dass der geplante Umbau der Roten Schule quasi einem Neubau gleichkommt. Diese Einordnung hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zu bewerten. Die Verwaltung rechnet damit, dass noch in diesem Monat eine solche Ausnahmegenehmigung erteilt wird. Unterm Strich rechnet die Verwaltung deshalb mit der maximalen Förderung von 291 554 Euro. Festzustellen sei auch, so heißt es in der Verwaltung, dass für die 45 Plätze für Kinder über drei Jahre keine Förderung in Aussicht sei.

Notwendig sei die Kita „Gernegroß“, weil der Geburtenrückgang im Rahmen des demografischen Wandels in Werdohl deutlich langsamer verlaufe als in vergleichbaren Städten. Das 1. Halbjahr 2011 weist für Werdohl 78 Geburten, für das gleich große Altena 41 und für das wesentlich größere Plettenberg nur 73 Geburten aus. In der Kita „Gernegroß“ können als einzige Einrichtung in Werdohl auch Kinder unter zwei Jahre aufgenommen werden.

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