Stadt wirft Zirnsak raus: Mietverhältnis nach mehr als 30 Jahren gekündigt

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Familie Zirnsak mit Vater Rudolf, Mutter Beatrix und Tochter Wanda kann nicht verstehen, warum die Stadt nach 30 Jahren das Mietverhältnis im Gewerbehof aufgekündigt hat. Gründe seien ihnen nicht genannt worden.

Werdohl - Die Sportschule von Rudolf und Beatrix Zirnsak ist eine Institution in Werdohl. Seit mehr als 30 Jahren bietet die Familie im städtischen Gewerbehof an der Neustadtstraße Kraft- und Fitnesssport sowie Taekwondo an. Jetzt hat die Stadt der Familie den Mietvertrag gekündigt.

Die Zirnsaks und ihre Kunden sind entsetzt: „Wir haben keine Ahnung, warum die Stadt uns rauswirft.“ 

Die Sportschule mit den sicherlich schon aus der Mode gekommenen Sportgeräten soll Ende Juli das Gebäude verlassen. Die Stadt gibt keine Gründe an. Fachbereichsleiter Thomas Schroeder sagt: „Die Kündigung betrifft ausschließlich das private Mietverhältnis mit Herrn Zirnsak.“ 

Die Stadt kündige nicht aus Eigenbedarf, es sei aktuell auch kein Nachmieter im Gespräch. Der Stadt gehört das als Gewerbehof bezeichnete Gebäude an der Neustadtstraße. Mieter darin sind im Erdgeschoss das Unternehmen Vossloh, im ersten Obergeschoss hat die Flüchtlingshilfe ein Möbellager und die Kreishandwerkerschaft betreibt ein Berufsbildungszentrum mit unterschiedlichen Maßnahmenträgern. Im zweiten Obergeschoss ist auf etwa 450 Quadratmetern die Sportschule Zirnsak untergebracht. 

Ehepaar Zirnsak ist sich keiner Schuld bewusst

Rudolf Zirnsak ist 69 Jahre alt, seine Frau Beatrix 68. Beide sind sich keiner Schuld bewusst, warum sie jetzt nach der langen Zeit gekündigt werden. Tochter Wanda bietet im Studio der Eltern Kurse an und ist – im Gegensatz zu ihrem schweigsamen Vater ist sie etwas auskunftsfreudiger. Die Eltern hätten immer pünktlich und regelmäßig die Miete bezahlt, natürlich seien die Räume immer gepflegt worden und mit der Lautstärke habe es auch nie Probleme gegeben. 

Vor einiger Zeit habe es einen Wasserschaden gegeben, durch einen Rohrbruch sei Wasser in die Sportschule eingedrungen. Die Wasserflecken sind noch im Bodenbelag zu sehen. Zwei Wochen danach habe ein Mitarbeiter der Stadt einen Brief abgegeben, darin die Kündigung. Zirnsaks vermuten einen Zusammenhang mit dem Wasserschaden. „Wir hätten doch miteinander reden können, wenn es Differenzen gegeben hätte“, meint auch Schwiegersohn Juan Arjona. 

Kündigung wird als respektlos empfunden

Die Familie habe durch Kraftsport und Taekwondo bei vielen Jugendlichen Erziehungsarbeit geleistet. Eine gewisse Anerkennung habe sich die Familie dadurch verdient, die Kündigung wird deshalb als besonders respektlos empfunden. Alle vier lebten oder leben von Berufen, die nichts mit der Sportschule zu tun haben. Auch für Inhaber Rudi Zirnsak ist die Sportschule immer nur Hobby gewesen. Er hat bis zur Rente in der Industrie gearbeitet. Tochter und Schwiegersohn arbeiten ebenfalls in anderen Berufen. 

Wanda Zirnsak spricht für die Familie, Vater Rudi schweigt lieber. Ob die Kündigungsfrist nach 30 Jahren Mietzeit eingehalten wurde, wisse sie nicht. Klar sei nur, dass Rudi und Bea Zirnsak endgültig in Ruhestand gehen. Sie wollen nicht noch einmal woanders starten.

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