„Hundehaltung ist bald Luxus“

+
Sabine Paul wäre dafür, ein einheitliches Bußgeld für nicht entfernte Hundehaufen einzuführen. Damit würde auch Werdohl ein Stück schöner. ▪

WERDOHL ▪ Um das große Loch im Haushalt stopfen zu können, plant die Stadt Werdohl umfangreiche Sparmaßnahmen, die viele Teile des öffentlichen Lebens betreffen. Auch die Hundehalter sollen zum Wohle der Stadt stärker zur Kasse gebeten werden.

Die Hundesteuer wird ab dem kommenden Jahr von 66 Euro pro Jahr auf 100 Euro erhöht. Die Steuer für gefährliche Hunde steigt auf 500 Euro. Außerdem fällt die Steuerbefreiung beziehungsweise die Ermäßigung weg. Die Stadt erhofft sich durch diese Steuererhöhung Mehreinnahmen in Höhe von rund 40 000 Euro.

Für die Tierhalter sind die Mehrkosten allerdings ein Schlag ins Gesicht. Pietro Briolo, der gerade erst 57 Euro für die Impfungen und die Wurmkur seines Cocker Spaniels Kelly bezahlen musste, findet die bereits bestehende Steuer schon zu hoch. „Was tut die Stadt mit diesem Geld denn wiederum für die Hundehalter?“, fragt der 60-Jährige. Selbst die Kotbeutel-Spender, die in der Innenstadt aufgestellt wurden, würden von einer privaten Initiative befüllt und nicht von der Stadt. Er fände es auch richtig, wenn die Verwaltung mit den Einnahmen die Tierschutzvereine stärker unterstützen würde. „Trotz allem ist die Erhöhung eine Zumutung“, schimpft Briolo. Es würde eh alles immer teurer werden und wenn das so weiter ginge, falle selbst die Hundehaltung in den Bereich des Luxus.

Auch Sabine Paul findet die erhöhte Steuer unverhältnismäßig hoch. „Das ist ganz schön happig“, sagt die 35-Jährige. Auch sie fragt sich, was die Stadt denn im Umkehrschluss für die Hundehalter täte. „Die Kotbeutel kaufen wir schon selbst, um die Landschaft sauber zu halten, vielleicht könnte man uns da ja mal entgegen kommen“, meint Paul. Trotz der Erhöhung könne sie sich die Haltung ihrer beiden Hunde Jeanny und Kröte weiterhin leisten, doch es ärgert sie schon, dass sie bald mehr zahlen muss. „Man könnte ja auch denjenigen ein einheitliches Bußgeld verpassen, die eben nicht die Haufen ihrer Vierbeiner entfernen“, schlägt die Hundebesitzerin vor. Damit könne man sicher auch einiges einnehmen und gleichzeitig würde Werdohl ein Stück schöner werden.

Susanne Kaufmann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Werdohl Neuenrade, findet die Hundesteuer an sich in Ordnung. Doch dass mit der Änderung nun auch Menschen belastet werden sollen, die herrenlosen Hunden ein neues Zuhause geben wollen, findet sie schlimm. Auch dass von Seiten der Stadt zu wenig für Hundebesitzer getan würde, sei nicht okay. „Es wird doch immer unattraktiver einen Hunde zu halten“, meint Kaufmann. Leinenpflicht, Hundeführerschein oder Eignungstests seien ja nur die Spitze des Eisbergs. Auch biete die Stadt keine öffentlichen Freiflächen an, auf denen die Hunde ohne Leine laufen können. „Mit der Erhöhung der Steuer provoziert die Stadt doch nur, dass immer weniger Hunde angemeldet werden oder dass ganz einfach weniger Tiere gehalten werden können“, sagt Kaufmann. Schließlich besäßen nicht nur wohlhabende Familien einen Hund, sondern auch Menschen, die mit ihrem Geld stark haushalten müssten. Susanne Kaufmann befürchtet jedoch nicht, dass nun weniger Hunde aus dem Tierheim geholt würden. „Wer wirklich einem Tier helfen möchte, der zahlt auch die Steuer“, ist sich Kaufmann sicher.

Tierärztin Dr. Susanne Trilling befürchtet ebenfalls, dass das Ergebnis der Steuererhöhung weniger angemeldete Hunde sein werden. Auch sie ist Hundehalterin und findet den Anstieg „ziemlich drastisch“. Von vielen ihrer Patienten beziehungsweise deren Haltern habe sie bereits die Rückmeldung erhalten, dass sie erbost über die Erhöhung seien. Viele Menschen würden ja auch mehrere Hunde halten, dann würde es richtig teuer. „Bleibt zu hoffen, dass die Besitzer ab 2013 nicht am falschen Ende sparen und ihre Tiere nicht mehr regelmäßig zum Tierarzt bringen“, sagt Trilling.

Von Alisa Kannapin

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare