Auf den Wert der Immobilie kommt es an

+
Für bebaute Grundstücke wird auch in Werdohl eine unterschiedlich hohe Steuer erhoben. Wieviel die Eigentümer zahlen müssen, hängt unter anderem von der Lage ab.

Werdohl - Vor wenigen Tagen hat die Stadt Werdohl die Grundsteuerbescheide für das Jahr 2017 verschickt. Einnahmen in Höhe von rund 4,05 Millionen Euro erwartet Stadtkämmerer Karl-Wilhelm Schlüter aus dieser Einnahmequelle, die von den Immobilienbesitzern ganz unterschiedlich gespeist wird. Für ähnlich große Häuser und Grundstücke wird nämlich längst nicht immer eine Steuer in vergleichbarer Größenordnung fällig.

Genau 254,64 Euro muss der Besitzer eines rund 270 Quadratmeter großen Grundstücks mit Einfamilienhaus in der direkten Werdohler Innenstadt in diesem Jahr an Grundsteuern bezahlen. Damit kommt er vergleichsweise günstig davon. Denn von einem anderen Immobilienbesitzer, dessen Haus auf einem 700-Quadratmeter-Grundstück an der Borgheller Straße, also am Rande der Innenstadt, steht, kassiert die Stadt jährliche Abgaben in Höhe von 877,75 Euro. Und dann ist da noch ein Hausbesitzer, der mit seiner Familie im Neubaugebiet Düsternsiepen wohnt. Ihn bittet die Stadt für seinen Neubau auf einem 480-Quadratmeter-Grundstück mit 527,45 Euro zur Kasse.

Diese unterschiedlich hohen Steuerbescheide sind damit zu erklären, dass die Werte der drei Immobilien erheblich voneinander abweichen. Die Faustregel ist ganz einfach: Je besser die Faktoren Baujahr, Wohnfläche, Lage und Ausstattung eingestuft werden, desto höher fällt die Steuerforderung aus.

Finanzamt legt Einheitswert fest

Die Stadt Werdohl erhält zwar die Grundsteuern, aber den dafür maßgebenden Einheitswert legt das Finanzamt fest. Dieser Einheitswert hat nichts mit dem Verkaufswert einer Immobilie zu tun, sondern ist eine bundesweit einheitliche fiskalische Berechnungsgröße. Die stammt noch aus den 1960er-Jahren, was kurioserweise zur Folge hat, dass der Einheitswert noch in D-Mark bestimmt und am Ende in Euro umgerechnet wird. Bei der Veräußerung eines Grundstücks oder größeren Baumaßnahmen, die zu einer Wertsteigerung führen, nimmt das Finanzamt eine neue Bestandsaufnahme vor und aktualisiert den Einheitswert.

Hebesatz seit 2013 unverändert

Aus dem Einheitswert wiederum leitet das Finanzamt den sogenannten Messbetrag ab, der sich nach der jeweiligen Nutzung des Hauses oder auch des unbebauten Grundstücks richtet. Er ist letztlich die entscheidende Berechnungseinheit für die Festsetzung der Grundsteuern durch die Stadtverwaltung. Die Stadt Werdohl hat also keinen Einfluss auf den Messbetrag, kann aber über ihre Haushaltssatzung trotzdem die Höhe der zu zahlenden Grundsteuer mitbestimmen.

Grundsteuer

Mit diesem Hebesatz, der sich in Werdohl seit 2013 auf 668 Prozent beläuft, wird der vom Finanzamt festgelegte Messbetrag multipliziert. Daraus ergibt sich dann die Steuerforderung an die Grundstückseigentümer. Für die Innenstadt-Immobilie liegt der Steuermessbetrag bei 38,12 Euro, der mit dem Hebesatz multipliziert eine Grundsteuerlast von 254,64 Euro ergibt. Entsprechend höher fallen die Grundsteuerbeträge für das Grundstück an der Borgheller Straße (Messbetrag: 131,40 Euro) und im Düsternsiepen (Messbetrag: 78,96 Euro) aus.

Steuererhöhung steht im Raum

6300 Bescheide über die Grundsteuer hat die Stadt kürzlich verschickt. Sie betreffen sowohl bebaute oder für eine Bebauung vorgesehene Grundstücke (Grundsteuer B), als auch agrarisch genutzte Grundstücke (Grundsteuer A). Der weitaus größte Teil der Steuer entfällt auf die Grundsteuer B. Die Abgabe für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke, die mit einem Hebesatz von nur 369 Prozent errechnet wird, spielt im Stadthaushalt nur eine untergeordnete Rolle. 2017 erhält Werdohl daraus nur rund 17 000 Euro.

Nach wie vor steht in Werdohl eine Erhöhung des Hebesatzes der Grundsteuer B um bis zu 100 Prozent im Raum, um den Haushalt ausgleichen zu können. Derzeit sucht die Politik aber nach Wegen, diese Anhebung irgendwie zu vermeiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare