Werdohler Kindergarten öffnet bald von 6 bis 18 Uhr

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Vaia Nasta (rechts) – hier mit Erzieherin Silke Schuster – leitet das Familienzentrum Momo seit knapp einem Jahr. Sollte der Rat zustimmen, wird sie gemeinsam mit ihrem Team und drei zusätzlichen Halbtagskräften das neue Betreuungskonzept umsetzen.

Werdohl - Die Verwaltung der Stadt Werdohl und die Kommunalpolitiker wollen berufstätigen Eltern stärker unter die Arme greifen: Die Kita Momo Am Heideberg in Eveking soll demnächst in der Zeit von 6 bis 18 Uhr geöffnet sein.

Die CDU hatte im Oktober beantragt, die Verwaltung möge eine bedarfsorientierte Randzeitenbetreuung in einer Kita oder einem Familienzentrum anbieten. Mit dem Vorschlag beschäftigte sich der Jugendhilfeausschuss am Dienstag, wobei das Thema ausgiebig und kontrovers diskutiert wurde.

So sieht das Konzept aus: Die Kinder sollen ab 6 Uhr bis spätestens 9 Uhr in die Einrichtung gebracht und zwischen 12 und 12.30 Uhr, beziehungsweise zwischen 13 und 18 Uhr abgeholt werden können. Das bisherige Buchungs-Modell (25, 35 oder 45 Wochenstunden) bleibt bestehen, das Zeitkontingent darf nicht überschritten werden.

Um Planungssicherheit und einen strukturierten Ablauf für die Kinder zu gewährleisten, müssen die Eltern ihr Kind für eine bestimmte wöchentliche Betreuungszeit anmelden. Somit wäre es beispielsweise auch bei einer 25-Stunden-Buchung möglich, das Kind an bestimmten Tagen nachmittags statt vormittags in die Kita zu bringen, die auch als Familienzentrum zertifiziert ist.

Angebot nur in der Kita Momo

Wahrscheinlich sei, dass im Zuge dieser Änderungen in der Kita auch eine Vollverpflegung – Frühstück, Mittagessen und Nachmittagssnack – angeboten werden müsse. Die Kosten sollen mit den Eltern abgerechnet werden.

Wer die flexible Betreuung in Anspruch nehmen möchte, muss sein Kind Am Heideberg anmelden. Ein Wechsel aus der bisherigen Einrichtung soll ermöglicht werden.

Die Ausweitung der Öffnungszeiten geschehe auf freiwilliger Basis, unterstrich Fachbereichsleiter Bodo Schmidt. Die Randzeitenbetreung werde die Stadt circa 63.000 Euro jährlich kosten, da drei zusätzliche Halbtagskräfte eingestellt werden müssten. Angesichts dieser Summe meldete der WBG-Fraktionsvorsitzende Volker Oßenberg Bedenken an: „Wir finden den Vorschlag auch gut – aber 63.000 Euro zusätzlich sind eine enorme Belastung für unseren Haushalt.“

"Der Bedarf ist nicht vorhanden"

Das merkte auch SPD-Ratsherr Volkmar Güldner-Rademacher an und fragte nach einer entsprechenden Bedarfsanalyse. „Der Bedarf ist nicht vorhanden“, antwortete Fachbereichsleiter Bodo Schmidt unumwunden. Alle Eltern würden bei der Anmeldung ihrer Kinder nach dem individuellen Betreuungsbedarf gefragt, eine Randzeitenbetreuung werde momentan nicht gewünscht.

Das bestätigte auch Vaia Nasta, die Leiterin des Familienzentrums Momo. Dennoch bat Schmidt die Ausschussmitglieder, von einer erneuten Elternbefragung Abstand zu nehmen: „Die kostet nur zusätzliches Geld. Lassen Sie uns einfach ausprobieren, wie das Angebot angenommen wird.“

Während die Skepsis des WBG-Politikers nach diesem Statement des Fachbereichsleiter wuchs („Wir starten mit einem zusätzlichen Angebot, obwohl es keinen Bedarf gibt“) ging dem CDU-Politiker Christoph Plaßmann der Verwaltungsvorschlag nicht weit genug. Er plädierte für eine Öffnungszeit ab 5.30 oder gar 5.15 Uhr: „Schichtarbeit beginnt in der Regel ab 6 Uhr. Die Kinder müssen vorher zur Kita gebracht werden können.“

Wie steht es um das Kindeswohl?

Bodo Schmidt riet von einer weiteren Ausweitung der Öffnungszeiten ab. „Unsere knappe Rechnung verträgt das nicht mehr.“ Zudem äußerte er Bedenken, ob es dem Wohl kleiner Kinder zuträglich sei, sie vor 6 Uhr in eine Einrichtung zu bringen.

Ähnlich äußerten sich unter anderem auch Jugendamtsleiter Marco Malcherek-Schwiderowski, Volkmar Güldner-Rademacher, Vaia Nasta und Pfarrer Dirk Grzegorek. Der Ausschuss-Vorsitzende Frank Jardzejewski hielt dagegen: Den Kindern schade es sicher mehr, wenn sie hin- und hergeschoben würden, und beispielsweise vor dem Besuch der Kita noch bei den Großeltern geparkt würden.

Bezüglich des Bedarfs erinnerten er und Plaßmann an die Offene Ganztagsgrundschule: Auch für dieses Angebot, das jetzt ein Erfolgsmodell sei, habe es auf dem Papier zunächst keinen Bedarf gegeben. Mehrheitlich stimmte der Ausschuss dafür, die Randzeitenbetreuung zunächst für den Zeitraum von zwei Jahren anzubieten. Volker Oßenberg, Pfarrer Dirk Grzegorek und der Vertreter des CVJM stimmten dagegen.

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