Stadt Werdohl sucht neuen Schiedsmann

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Rolf Neuhäuser schlichtet Streitigkeiten. ▪

WERDOHL ▪ Zum nächstmöglichen Zeitpunkt sucht die Stadt Werdohl einen neuen Schiedsmann. Was macht eine Schiedsperson? Was sind seine Aufgaben? Dies erklärte kürzlich Rolf Neuhäuser, Schiedsmann für die Stadtteile Stadtmitte, Kettling, Rodt, Ütterlingsen und Elverlingsen.

„An sich ist das ein ruhiges Ehrenamt“, betonte Rolf Neuhäuser. Im Durchschnitt hat der SPD-Ratsherr fünf Fälle im Jahr. Fälle sind meistens kleinere Streitereien „hinterm Gartenzaun“. Zwei Drittel der Menschen kommen direkt zu Neuhäuser oder melden sich per Telefon bei ihm. Das fehlende Drittel übergeben ihm Anwälte, wenn der Streit auch ohne gleich vor Gericht zu gehen, lösbar erscheint.

Dann geht es um eine Einfahrt, die von zwei Anwohnern genutzt wird, Bäume die in den Garten des Nachbarn ragen oder nicht klein genug gestutzte Hecken. In diesen Fällen lädt Neuhäuser die Beteiligten zu sich nach Hause ein. „Da ist die Atmosphäre entspannter“, sagt der mit neun Jahren in diesem Amt schon erfahrene Streitschlichter. Möglich ist aber auch ein Treffen im Rathaus. Für eine vernünftige Gesprächsatmosphäre muss der 58-Jährige dann sorgen, denn es ist ein richtiges Verfahren. Ein lautes Anschreien gibt es bei ihm nicht.

Die Erfolgsquote des Verfahrens durch einen Schiedsmann liegt etwa bei 50 Prozent. Können sich die Beteiligten auch in einem ruhigen Gespräch nicht einigen, stellt die Schiedsperson eine Erfolglosigkeitsbescheinigung aus.

Das muss allerdings nicht sein, denn, so betont Neuhäuser: „Ich vertrete grundsätzlich beide Parteien.“ In diesem Zusammenhang legt der Beamte viel Wert auf die Feststellung, dass er nicht wie ein Richter handelt. „Ich fälle keine Urteile“, erklärte Neuhäuser, „also gibt es nach dem Verfahren keinen Sieger und Verlierer.“ Auch die Kosten des Verfahrens sind mit 50 Euro weitaus niedriger als vor Gericht. Am Ende haben alle Beteiligten eine rechtskräftige Entscheidung, die beide Parteien in einem Protokoll unterschreiben müssen.

In Werdohl wird jetzt ein neuer Schiedsmann für den Bezirk Versetal, Versevörde und Königsburg gesucht. Melden können sich Interessierte, wenn sie älter als 30 Jahre sind und in einem der Stadtteile wohnen. „Eine juristische Vorbildung ist dabei gar nicht hilfreich, aber einen gesunden Menschenverstand sollte man haben“, betont Neuhäuser. Für das Amt wird man vorher ausreichend geschult und auch während der Amtszeit gibt es Weiterbildungen. Als Schiedsperson unterliegt man dann aber der Schweigepflicht und soll absolut unparteiisch tätig sein.

Interessierte werden gebeten ihre Bewerbung bis zum 15. Dezember an die Stadt Werdohl, Abteilung Ordnung und Einwohnerwesen, zu Händen Herrn Müller, Goethestraße 51 zu schicken. Rückfragen sind unter 0 23 92 / 91 72 66 möglich. ▪

David Schröder

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