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Stadt denkt um: Bald Kitaplätze in der auslaufenden Realschule?

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Von: Volker Heyn

In den zahlreichen Gebäuden der Realschule – hier der sogenannte Bangel-Bau – gibt es auch durch das Auslaufen der Schule bedingt, genügend Platz, um zusätzliche Kindergartenplätze im Bereich der Innenstadt einzurichten.
In den zahlreichen Gebäuden der Realschule – hier der sogenannte Bangel-Bau – gibt es auch durch das Auslaufen der Schule bedingt, genügend Platz, um zusätzliche Kindergartenplätze im Bereich der Innenstadt einzurichten. © Heyn, Volker

Beim Jugendamt der Stadt Werdohl hat ein Sinneswandel eingesetzt, was die Kindergartenbedarfsplanung angeht.

Vor gut einem Jahr hatte die damalige Amtsleiterin Kirsten von der Crone den Vorschlag gemacht, die städtische Kita Momo in Eveking um bis zu 20 Plätze zu erweitern. Davon ist das Jugendamt mittlerweile abgerückt. Aufgrund der dynamischen Entwicklung bei den Geburten und den Deckungsquoten in den Stadtteilen ist die Verwaltung jetzt der Ansicht, dass die fehlenden Plätze dringender im Bereich der Innenstadt gebraucht werden.

Sabine Bleckmann als administrative Leiterin des Werdohler Jugendamtes wird dem Jugendhilfeausschuss am Dienstag, 22. Juni, einen interessanten Vorschlag machen. Dringend benötigte Kindergartenplätze könnten in den Räumen der auslaufenden Realschule entstehen. Außerdem ist die Rede von einem Träger, der eine Großtagespflegestelle in Werdohl einrichten möchte. Genaueres sei aber noch nicht abgesprochen beziehungsweise noch nicht soweit gediehen, dass es Einzelheiten zu berichten gäbe.

Auftrag soll zurückgenommen werden

Der Antrag an den Jugendhilfeausschuss lautet deshalb zunächst nur, den politisch bereits erteilten Planungsauftrag für einen Anbau an die Kita Momo zurückzunehmen. In der Vorlage für den Jugendhilfeausschuss macht Bleckmann deutlich, dass bislang noch keine Kosten entstanden seien: „Seitens der Verwaltung haben hinsichtlich eines Erweiterungsbaus Gespräche mit dem Landschaftsverband stattgefunden, weitere Planungen haben bislang nicht stattgefunden.“

In der Ausschusssitzung im November 2020 hatte Kirsten von der Crone der Politik überzeugend darlegen können, warum ausgerechnet bei der Kita Momo in Eveking ein Anbau Sinn mache. Schon damals machte sie einen steigenden Bedarf an Kindergartenplätzen in Werdohl aus: „Aus unserer Bedarfsplanung ist ersichtlich, dass bei dem weiter anhaltenden Trend und dem gesellschaftlichen Wandel mittelfristig mehr Plätze in Werdohl in Anspruch genommen werden.“ Familien würden öfter umziehen, immer häufiger würden sehr kleine Kinder in den Einrichtungen angemeldet.

Absicherung des Rechtsanspruchs

Zuwanderung, leicht steigende Geburtenrate und sich mehrende Betreuungsbedürfnisse von Eltern führten zu einer steigenden Nachfrage. Hinzu komme die Absicherung des Rechtsanspruchs von Eltern auf einen Betreuungsplatz.

Von der Crone war vor mehr als einem Jahr auf eine Erweiterung der städtischen Kindertageseinrichtung Momo gekommen, weil das dortige Grundstück ausreichend Platz bietet und bereits eine Randzeitenbetreuung angeboten werde. Gefördert worden wäre der Bau auch: Im Rahmen des Investitionsprogramms „Kita NRW 2025“ gebe es bis zu 30 000 Euro pro neu geschaffenem Platz bei einer Förderquote von 90 Prozent.

Örtliche Nachfrage hat sich verändert

Mehr als ein Jahr war von der damals vom Jugendhilfeausschuss in Auftrag gegebenen Planung von der Verwaltung nichts zu hören. In der Vorlage für den Ausschuss am Dienstag bleibt die Verwaltung bei der damaligen Feststellung, dass es einen dringenden Bedarf an Kindergartenplätzen gibt. Allerdings hat sich die örtliche Nachfrage verändert. Die Bedarfsdeckungsquote in den Stadtteilen liege zwischen 78 Prozent auf der Königsburg und 100 Prozent im Bezirk Pungelscheid. In der Innenstadt liege die Quote „nur“ bei 73 Prozent. Also mache es doch am meisten Sinn, in der Innenstadt weitere Kindergartenplätze anzubieten.

Auf der Suche nach Möglichkeiten stieß man beim Jugendamt auf die Gebäude der Realschule. Hierzu heißt es: „Hier sei eine, noch nicht abschließend geprüfte Variante genannt, da das Gebäude der Realschule durch das Auslaufen der Schule immer leerer wird und hier eventuell Räumlichkeiten für eine Kindertagesbetreuung eingerichtet werden könnten.“

Zusammenschluss von Erzieherinnen und Pflegerinnen

In der Vorlage ist auch interessanter Weise die Rede von einer Großtagespflegestelle. Dabei handele es sich laut Nachfrage bei Sabine Bleckmann um einen Zusammenschluss von Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, die bis zu neun Kinder in der Tagespflege betreuen können.

Damit könne die Stadt einen kleineren Bedarf schnell abdecken. Auf Dauer werde so eine Tagespflegestelle aber nicht für die steigenden Bedarfe der Eltern ausreichen. Deshalb gebe es weitere Überlegungen bei der Stadt.

TRäger ist noch nicht belannt

Üblicherweise betreuen Tagespflegepersonen in privaten Räumen zwei oder drei Kinder. Den möglichen Träger dieser Einrichtung wollte Sabine Bleckmann nicht nennen, die Planungen seien einfach noch nicht weit genug gediehen.

Der Jugendhilfeausschuss tagt am Dienstag, 22. Juni, um 17 Uhr im Festsaal Riesei. Nicht auf der Tagesordnung steht die Abberufung der bisherigen Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone. Bürgermeister Späinghaus hatte allerdings angekündigt, dem Ausschuss öffentlich seine Entscheidung mitzuteilen. Bis auf Weiteres hat Späinghaus formell die Amtsleitung übernommen.

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