Gründe bleiben unklar

Stadt braucht sechs Jahre, um Rathaus barrierefrei zu machen

Insgesamt drei solcher Treppenlifte sind vor kurzer Zeit ins Rathaus eingebaut worden, damit können an zwei Stellen neun und an einer Stelle drei Treppenstufen überwunden werden. Die Bedienung sei rasch zu erlernen, so Andreas Kisker.
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Insgesamt drei solcher Treppenlifte sind vor kurzer Zeit ins Rathaus eingebaut worden, damit können an zwei Stellen neun und an einer Stelle drei Treppenstufen überwunden werden. Die Bedienung sei rasch zu erlernen, so Andreas Kisker.

So ganz frei heraus mit der Sprache will Thomas Schroeder nicht, wenn es um die Frage geht, warum die Herstellung der Barrierefreiheit im Rathaus so dermaßen lange gedauert hat.

„Eins nach dem anderen“, bleibt Schroeder lieber im Ungefähren. Auch aus anderen Abteilungen im Rathaus ist nichts Genaueres herauszubekommen. Bürgermeister Späinghaus verweist auf Schroeder, schließlich ist das kein Projekt in seiner Verantwortung gewesen. Und auch Andreas Kisker, der die Planungen für den Rathausumbau von anderen übernommen hatte, nennt keine Gründe.

Fakt ist, dass jetzt bis auf die Anschaffung von drei Klapprollstühlen sämtliche Publikumsbereiche des Rathauses barrierefrei eingerichtet worden sind. Die dazugehörige Brandmeldeanlage wurde erst vor kurzer Zeit scharf gestellt, drei Treppenlifte kamen auch erst vor wenigen Wochen ins Rathaus.

Planungen für Aufzug wurden bereits 2017 vorgestellt

Der Stadtrat hatte sein Einverständnis zum Bau eines Aufzuges bereits im Jahr 2014 gegeben. Im Oktober 2017 hatte der mittlerweile pensionierte Peter Erwig dem Rat die Planungen für den Aufzug als Kernstück des barrierefreien Umbaus vorgestellt. Der bewilligte Förderantrag der Stadt Werdohl bei der Bezirksregierung belief sich auf eine förderfähige Summe in Höhe von 485 000 Euro.

Erst ein Jahr später – im November 2018 – wurden die Planungen in die Tat umgesetzt. Der Vergabeausschuss der Stadt erteilte die ersten Aufträge. Fünf von zwölf sogenannten Abschnitten des Bauprojekts wurden vergeben. Erwig zeigte sich zu der Zeit guten Mutes: „Wir gehen derzeit von einer Fertigstellung im April aus“, sagte er damals.

Keine klare Antwort auf die Frage nach dem Warum

Warum es letztlich drei Jahre von genehmigter Planung bis zur endgültigen Fertigstellung gedauert hat? Schroeder weicht aus. Die Personalknappheit in der Bauabteilung wird immer als Grund angeführt, wenn etwas länger als gewöhnlich dauert. Und bei einer Behörde fehlt auch nie der Hinweis auf die Beteiligung von Fremdunternehmen, auf die die Kommune wenig Einfluss habe. Hätte man das Projekt mit mehr Engagement schneller bewältigen können? Dazu möchte niemand etwas sagen.

Der Fahrstuhl im Werdohler Rathaus funktioniert endlich.

Schuldzuweisungen sind von Schroeder jedenfalls nicht zu hören, er spricht lieber von Freude: „Die Stadt ist froh und glücklich, dass das Projekt ‘barrierefreie Herstellung’ endlich abgeschlossen ist.“

Fahrt mit dem Aufzug ist mittlerweile möglich

Und das ist es tatsächlich, davon kann sich jeder Besucher des Rathauses überzeugen. Wegen Corona ist ein Besuch seit März zwar nur mit Voranmeldung möglich, aber eine flotte Fahrt mit dem Aufzug ist möglich. Intern werde der Fahrstuhl schon seit „längerer Zeit“ benutzt, so Schroeder, wann die technische Freigabe erfolgte, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Zudem wanderte das Projekt von Hand zu Hand. Mitte Juni 2019 war Andreas Kisker von der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement der Stadtverwaltung noch sehr zuversichtlich gewesen, was die Inbetriebnahme des Fahrstuhls anging. Seine Mitarbeiterin Petra Conredel wies damals auf die Probleme hin, die der Denkmalschutz mit sich gebracht habe: Der Lieferant der Zinkbleche, mit denen der Aufzugsschacht auf der Rückseite des Rathauses außen verkleidet wurde, habe „unglaubliche Lieferprobleme“ gehabt. Zudem waren falsche Wandanschlussprofile geliefert worden.

Probleme mit dem Zugang an der Vorderseite

Probleme gab es nach Conredels Aussage auch mit dem barrierefreien Zugang an der Vorderseite des Rathauses. Der sei zunächst als zweiläufige Rampe mit einem Zwischenpodest geplant gewesen. Nach Beginn der Arbeiten stellte sich heraus, dass der Zugang kostengünstiger über eine einläufige Rampe hergestellt werden konnte. Vor allem aber konnte damit das Efeu an der Rathausfassade erhalten werden, betonte Kisker im Nachgang. Die Umplanung, verbunden mit der Verlegung von Leerrohren und Stromkabeln, sorgte ebenfalls für Verzögerungen.

Der Fahrstuhl passt sich optisch an das denkmalgeschützte Rathaus an.

Nach Fahrstuhl und Rampe fehlten also noch die Treppenlifte, die an zwei Stellen neun und an einer Stelle drei Treppenstufen überwinden. Diese Lifte sind erst vor wenigen Tagen eingebaut worden. Geplant waren erst Plattformlifte, die Personen mitsamt Rollstuhl benutzen können. Aus Gründen der komplizierten Bedienung und der räumlichen Situation entschied man sich für Treppenlifte. Jetzt fehlt am Ende eines jeden der drei Lifte nur noch jeweils ein Klapprollstuhl, damit der Besucher mit seinem Anliegen tatsächlich auch ungehindert bis zum Rathaus-Mitarbeiter vorfahren kann.

Projekt ist auch noch deutlich teurer

Die wenigsten Probleme machte der barrierefreie Umbau der Besucher-Toiletten im Erdgeschoss. Die beiden Räume sind zeitlos und funktional gestaltet.

Natürlich kam man mit den zunächst veranschlagten knapp 485 000 Euro nicht hin. Gekostet hat es am Ende 570 000 Euro, wovon 80 Prozent vom Land übernommen worden sind.

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