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Stadt muss sich einen neuen Stromversorger suchen

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Von: Volker Griese

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Die Stadt Werdohl deckt ihren Strombedarf schon seit einigen Jahren aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne. Jetzt hat sie einen neuen Liefervertrag ausgeschrieben.
Die Stadt Werdohl deckt ihren Strombedarf schon seit einigen Jahren aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne. Jetzt hat sie einen neuen Liefervertrag ausgeschrieben. © Karl-Josef Hildenbrand

Die Stadt Werdohl muss sich nach einem neuen Stromlieferanten umschauen. Der Vertrag mit dem Unternehmen, das die städtischen Liegenschaften derzeit mit dieser Energie versorgt, läuft am Jahresende aus.

Werdohl ‒ Energiekosten machen laut Deutschem Städtetag mit etwa 30 Prozent einen ganz wesentlichen Anteil an den Bewirtschaftungskosten kommunaler Liegenschaften aus. Langfristig sei sogar mit tendenziell steigenden Energiepreisen zu rechnen, sodass der Bedarf nach einem kostengünstigen Einkauf wachse, prognostizierte der kommunale Spitzenverband bereits 2017. Im Einkauf liegt damit ein hohes Kosteneinsparpotenzial.

Doch auch Stromlieferanten ist die derzeit unsichere Marktlage bewusst. Die Stadt Werdohl hat das im vergangenen Jahr zu spüren bekommen, als sie erst im zweiten Anlauf einen Lieferanten gefunden hat. „Die erste Ausschreibung für 2022 ist den Bach runter gegangen, weil niemand einen Vertrag über zwei Jahre anbieten wollte“, berichtete Jutta Wüllner aus der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement im Rathaus. Bei einer zweiten Ausschreibung habe sich die Stadt dann wenigstens für ein Jahr, für 2022, mit Strom eindecken können.

Jetzt versucht die Stadt erneut, einen Stromliefervertrag über zwei Jahre abzuschließen. Eine noch längere Laufzeit sei zwar unter Umständen wünschenswert, unter den derzeitigen Marktbedingungen aber kaum realisierbar, meinte Wüllner. Die Strommenge, die die Stadt Werdohl benötigt, ist mit jährlich 1,64 Gigawattstunden nämlich durchaus beträchtlich. Das ist so viel Strom wie etwa 400 Vier-Personen-Haushalte im Einfamilienhaus benötigen – ohne elektrische Erwärmung des Wassers.

Mit dieser Strommenge muss die Stadt knapp 170 Abnahmestellen versorgen: von der Straßenbeleuchtung über die Schulen und Kitas, Turnhallen und Sportplätzen bis zum Rathaus.

Dafür möchte Werdohl Ökostrom einsetzen – wie übrigens schon seit einigen Jahren. „Bei kommunalen Abnehmern läuft das praktisch nur noch so, die legen Wert auf Strom aus umweltfreundlichen erneuerbaren Energiequellen“, sagte Bürgermeister Andreas Späinghaus. Dahinter steckt wohl die Überlegung, dass Verwaltungen auf allen Ebenen bis 2030 klimaneutral sein sollen.

Auch im vor gut einem Jahr beschlossenen Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit der Bundesregierung ist vorgesehen, den Ökostrombezug so weit wie möglich weiter auszubauen. Mit dem Bezug von Ökostrom kann die öffentliche Hand ihre Treibhausgas-Emissionen senken und gleichzeitig die Nachfrage nach Ökostrom erhöhen. Das Umweltbundesamt liefert Kommunen sogar einen Leitfaden zur Beschaffung von Ökostrom.

Und was passiert, wenn die Stadt wieder keinen Anbieter findet, der bereit ist, einen Liefervertrag über zwei Jahre abzuschließen? Zeit für eine erneute Ausschreibung bleibt nicht, denn die Angebotsfrist läuft bis zum 28. Oktober, die Vergabe des Auftrags ist aber erst für den 15. Dezember vorgesehen. Normalerweise sei der verbleibende Zeitraum ausreichend, um den Stromversorger zum Jahresbeginn 2023 zu wechseln, sagt Jutta Wüllner. Doch auch wenn sich kein Vertragspartner für zwei Jahre finden sollte, würden in Werdohl die Lichter nicht ausgehen. „Dann fallen wir an den Grundversorger zurück“, erklärte Wüllner, dass in diesem Fall zunächst die Mark-E die Stromversorgung der städtischen Liegenschaften sicherstellen müsste.

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