Staatssekretär Spahn hört Sorgen eines Werdohler Unternehmers

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Kehratec-Geschäftsführer Carsten Kehr zeigte der CDU-Delegation mit Staatsekretär Jens Spahn (2. von rechts), was in seinem Unternehmen entwickelt wird: beispielsweise ein Roboter, der Spannklemmen für Vosslohs Schienenbefestigungssysteme greifen kann.

Werdohl -  Der Fachkräftemangel und die schlechte digitale Infrastruktur – das sind die Themen, die vielen Unternehmen in der Region zu schaffen machen. Zu den Unternehmern, die ein Lied davon singen könnten, gehört auch Carsten Kehr von der Firma Kehratec. Am Mittwoch hat er sein Lied Staatssekretär Jens Spahn vorgetragen.

Fachkräfte für sein Unternehmen könne er in der Region kaum finden, berichtete Kehr, der in Kleinhammer ein High-Tech-Unternehmen führt, das Industrieroboter und Sondermaschinen entwickelt und herstellt. Er habe sogar schon Aufträge nicht annehmen können, weil die personelle Kapazität nicht ausgereicht habe. „Erst kürzlich haben wir einen Auftrag über 1,8 Millionen Euro ablehnen müssen“, sagte Kehr, der 30 Mitarbeiter beschäftigt und auch selbst ausbildet.

Die Bundesregierung unternehme derzeit viel, um „Reserven“ auf dem Arbeitsmarkt zu mobilisieren, sagte Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium. Und davon gebe es durchaus einige. Spahn stellte beispielsweise infrage, dass „so ziemlich jeder“ studieren müsse. Auch Arbeitnehmer ohne Hochschulausbildung würden in Deutschland gebraucht. Zudem gebe es Bestrebungen, Ältere ohne Berufsausbildung zu qualifizieren.

Computer laufen bis in die Nacht

Unternehmern wie Carsten Kehr bereitet auch die nach wie vor schlechte Anbindung an das Internet Sorgen. Bei Kehratec, Spezialist auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik mit Kunden in aller Welt, erreichen die Verbindungen eine Übertragungsgeschwindigkeit von 16 Mbit/s. Das ist in modernen Netzen gerade einmal Standard.

„Glasfaser wäre für uns natürlich eine schöne Sache“, träumt Kehr von einem Turbo-Zugang ins Internet. Dann müssten in seinen Büros die Computer nicht mehr bis in die Nacht laufen, um irgendwelche Daten zu übertragen.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser, die den Staatssekretär bei seinem Besuch begleitete, konnte Kehr zumindest Hoffnung machen. Das Geld für einen Ausbau des Breitbandnetzes im Märkischen Kreis – rund 25 Millionen Euro von Bund und Land – stehe mittlerweile zur Verfügung, derzeit liefen die Ausschreibungen. Bis Ende 2018 könne sich die Situation durch einen flächendeckenden Breitbandausbau deutlich verbessern.

Eine Lanze für die Telekom

Spahn brach eine Lanze für die Telekom, der oft vorgeworfen wird, den Ausbau des Glasfasernetzes nicht schnell genug voranzutreiben: Die Regulierung durch die Bundesnetzagentur zwinge den ehemals staatlichen Konzern dazu, seine Netzinfrastruktur auch Mitbewerbern zur Verfügung zu stellen. „Da ist es kein Wunder, dass die Telekom nicht sehr investitionsfreudig ist“, sagte der CDU-Politiker.

Deshalb müsse auch noch einmal über eine Lockerung der Regulierung gesprochen werden. Vorstellbar sei beispielsweise, dass die Telekom ihr Netz der Konkurrenz nur bis zu einer bestimmten Übertragungsrate zur Verfügung stellen müsse.

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