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„Squid Game“ als Vorbild: Schüler im MK „erschießen“ sich gegenseitig

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Von: Maximilian Birke

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„Squid Game“ heißt eine Serie, die Netflix vor wenigen Wochen veröffentlicht hat und die sich nun auf den Alltag an den Grundschulen in Werdohl auswirkt.

Werdohl - Es geht in der Serie „Squid Game“ auf Netflix um rund 500 Menschen, die an sechs Wettkämpfen teilnehmen. Diese sind an Kinderspiele angelehnt. Die Verlierer werden getötet und Gewaltszenen explizit gezeigt.

SerieSquid Game
PlattformNetflix
LandSüdkorea

„Squid Game“ als Vorbild: Schüler im MK „erschießen“ sich gegenseitig

Obwohl die Produktion ab 16 Jahren freigegeben ist, scheinen doch einige Kinder sie schon gesehen zu haben. Nina Manns, Leiterin der städtischen Gemeinschaftsgrundschule, berichtet, dass es erst in der vergangenen Woche ein Gespräch mit dem Lehrerkollegium zu diesem Thema gegeben habe. „Die Kinder im vierten Schuljahr kennen die Serie definitiv, das können wir sicher sagen.“ Es sei aber „nicht so, dass es in den Pausen zu mehr Gewalt kommt.“

„Squid Game“ auf dem Schulhof: Gespräch mit den Eltern wird gesucht

So lange es keine ernsthaften Probleme im Schulalltag gibt, wolle man das Thema nicht in großer Runde mit den Kindern besprechen – um Schüler, die die Serie noch nicht kennen, nicht erst darauf zu stoßen. „Wenn wir mitkriegen, dass Schüler selbst ,Squid Game’ gucken – gerade gibt es zum Beispiel so einen Fall –, suchen wir das Gespräch mit den Eltern. Die Verantwortung liegt ganz klar bei den Eltern, die den Medienkonsum ihrer Kinder kontrollieren müssen“, betont Manns.

„Squid Game“ auch zu Halloween: Kinder tragen anlässlich der Halloween-Feierlichkeiten Kostüme, die von der koreanischen Netflix-Serie inspiriert sind.
„Squid Game“ auch zu Halloween: Kinder tragen anlässlich der Halloween-Feierlichkeiten Kostüme, die von der koreanischen Netflix-Serie inspiriert sind. © Kin Cheung/dpa

Allerdings will sie die Eltern nicht unter Generalverdacht stellen, dieser Pflicht nicht nachzukommen. Sie selbst habe „Squid Game“ nicht gesehen. Man überlege derzeit, ob wenigstens ein Lehrer aus dem Kollegium „sich zu Studienzwecken die Serie anguckt“.

„Squid Game“ ist im Schulalltag angekommen: Nachahmung in der Grundschule

Britta Schwarze, Leiterin der Martin-Luther-Grundschule, kann bestätigen, dass „Squid Game“ seit etwa zwei Wochen im Schulalltag angekommen ist. „Schüler legen sich auf den Boden, andere zielen pantomimisch mit einer Waffe auf sie. Wenn man sie darauf anspricht und fragt, sagen sie: ,Wir schießen die ab’“, beschreibt Schwarze.

Sie ist fassungslos, dass sich die Kinder offenbar mit der Serie auskennen und sie nun in Teilen nachspielen. „Ich finde das ganz schrecklich. Ich verstehe nicht, wie so etwas verharmlost werden kann. Wenn ich als Erwachsene mir das anschaue, kriege selbst ich ein ungutes Gefühl.“ Kinder könnten das Gezeigte gar nicht verarbeiten, meint Schwarze. „Dann entstehen daraus Träume.“

Vor einigen Jahren habe es in einem anderen Zusammenhang schon einmal den Fall gegeben, dass „gestandene Jungs auf Klassenfahrt darum gebeten haben, dass wir bei ihnen nachts das Licht anlassen“. In der Martin-Luther-Grundschule soll es demnächst eine größere Elternversammlung zu „Squid Game“ geben. Besonders oft falle das Thema bei Kindern in der dritten Jahrgangsstufe auf. Auch mit den Schülern wird das Gespräch gesucht. „Wir versuchen, ihnen transparent zu machen, was sie da eigentlich toll finden.“

Schulleiterin mahnt Eltern zur Aufsicht: „Squid Game“ ist ab 16 Jahren freigegeben

Weniger stark betroffen scheint noch die Grundschule St. Michael zu sein. „Wir haben das aber auf dem Schirm und passen genau auf, ob Kinder die Spiele nachahmen“, sagt Schulleiterin Maria Apprecht. Bisher sei das nur in Ansätzen und in wenigen Fällen vorgekommen. Apprecht sieht die Verantwortung bei den Eltern und mahnt zur Aufsicht, welche Serien sich die Kinder ansehen: „,Squid Game’ ist ab 16 freigegeben. Man muss Kinder wirklich nicht vorher damit konfrontieren. Auch nicht mit den Eltern zusammen – es ist einfach zu früh!“

„Squid Game“ – der jüngste Netflix-Erfolg

Squid Game ist eine südkoreanische Dramaserie, die von der Produktionsfirma Siren Pictures für Netflix umgesetzt wurde. Die Serie wurde am 17. September 2021 weltweit auf Netflix veröffentlicht und ist ab 16 Jahren freigegeben. Vier Wochen nach Veröffentlichung war die Serie von etwa 142 Millionen Netflix-Konten aus abgerufen worden. Dies war der bis dato erfolgreichste Netflix-Serienstart. Der vorherige Rekordhalter war die erste Staffel von Bridgerton mit 82 Millionen Aufrufen nach vier Wochen gewesen.

„Squid Game“ handelt von knapp 500 Menschen, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen stammen, aber alle hoch verschuldet sind. Sie treten bei scheinbar harmlosen Kinderspielen gegeneinander an, um Preisgelder in Millionenhöhe zu gewinnen. Dadurch wollen sie ihrer finanziellen Not entkommen. Der makabere Wettbewerb duldet jedoch keine zweite Chance: Wer es nicht in die nächste Runde schafft, wird umgehend getötet. Schon im ersten der insgesamt sechs Spiele findet eine regelrechte Massentötung statt. Die Gewaltszenen werden sehr explizit gezeigt.

Szenen aus „Squid Game“ werden immer häufiger nachgespielt

Stadtjugendpflegerin Anna Reith ist über das Problem schon informiert. Auch sie hat in ihrem Berufsalltag erste Erfahrungen mit „Squid Game“ gemacht. „Wir sehen es in der täglichen Arbeit, dass Szenen nachgespielt werden. Manche haben die Serie selbst gesehen, viel wird aber auch über Mundpropaganda verbreitet. Solche Aufnahmen können die Kinder traumatisieren“, warnt sie deutlich, dass Kinder nur Filme und Serien sehen sollten, die auch für ihr Alter geeignet sind. „Kinder verarbeiten das in ihrer Realität.“

In den städtischen Jugendeinrichtungen werde über „Squid Game“ viel gesprochen, insbesondere dann, wenn Mitarbeiter mitbekommen, dass Kinder von der Serie erzählen. Das komme gar nicht so selten vor, besonders häufig in der Altersgruppe von sechs bis elf Jahren. Vermehrt sei das „Squid Game“-Problem bislang beim Kindernachmittag aufgefallen. Äußerungen wie „Wenn du verlierst, dann erschieße ich dich!“ kamen vor. Dazu wurde mit den Fingern eine Pistole dargestellt.

Szenen, die es in den städtischen Jugendeinrichtungen sonst eigentlich nie gegeben habe, selbst bei Verkleidungsevents nicht. Ernsthafte körperliche Gewalt, zum Beispiel in Form von Ohrfeigen, gebe es aber nicht, unterstreicht Anna Reith. In anderen Bundesländern war das an Schulen bereits ein Problem. Dort wurde der Verlierer zum Beispiel geschlagen oder bestraft.

„Squid Game“ auf dem Schulhof: Kaum Probleme bei älteren Schülern

Seltener scheint „Squid Game“ bei älteren Schülern und Jugendlichen Folgen zu haben. Sven Stocks, Leiter der Albert-Einstein-Gesamtschule am Riesei, hat von der Serie und ihren Auswirkungen an einigen Schulen aus den Medien erfahren. „Für die AEG kann ich das so nicht bestätigen“, sagt er. Bislang habe es in den Pausen keine besonderen Vorkommnisse gegeben, die sich auf „Squid Game“ zurückzuführen lassen.

Wenn das Verhalten von Schülern nicht angemessen sei, gehe man dem aber stets auf den Grund. In der Vergangenheit sei es schon öfter vorgekommen, dass Schüler Medien konsumieren, die für ihr Alter nicht angemessen sind. Das müssen nicht unbedingt Filme oder Serien sein: Auch bestimmte Spiele können problematisch werden. Sven Stocks appelliert daher ebenfalls an die Eltern, ein Auge darauf zu haben, was ihre Kinder in der Freizeit an ihrem Computer machen.

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