Große Nachfrage

Spuckschutz statt Fahrzeugplanen: So disponiert eine Firma aus dem MK in der Coronakrise um  

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Rushit Feka hat gerade einen der Spuckschutzvorhänge aufgehängt, die in der Firma Optimal Planen derzeit in größeren Stückzahlen produziert werden. Kiosk-Besitzer Nader Tavanapour (rechts) fühlt sich jetzt besser vor einer Tröpfcheninfektion geschützt.

Balve/Menden – Der Job der Kassiererinnen und Kassierer an den Supermarktkassen, aber auch in allen anderen Einzelhandelsgeschäften, die derzeit noch öffnen dürfen, ist gefährlich geworden.

Sie stehen im direkten Kontakt mit den Kunden, von denen sie nicht wissen, ob sie vielleicht den Covid-19-Erreger in sich tragen. Ein Husten, vielleicht auch nur eine etwas „feuchte Aussprache“ könnte die Krankheit übertragen. Deshalb wappnen sich viele Einzelhändler mittlerweile mit Spuckschutzwänden oder -vorhängen. Die Mendener Firma Optimal Planen ist auf diesem Gebiet – aber nicht nur dort – weit vorne dabei. 

„Unsere Branche hat die Möglichkeiten, in der aktuellen Krise zu helfen“, sagt Sebastian Bertsch. Der 37-Jährige Balver ist Geschäftsführer des Mendener Betriebes, der seit 20 Jahren normalerweise Planen für die Industrie und für Fahrzeuge, aber auch Beschattungssysteme wie Sonnensegel und -schirme für Gärten herstellt. Doch in der Corona-Krise tut sich für das Unternehmen und seine 20 Mitarbeiter unversehens ein neues Betätigungsfeld auf. „Wir haben in den vergangenen Tagen schon rund 150 Spuckschutzvorhänge ausgeliefert“, berichtet Bertsch. Das sind dicke, durchsichtige Folien, die Optimal Planen so konfektioniert, dass Einzelhändler sie mit wenig Aufwand im Kassenbereich aufhängen können, um ihr Personal vor einer Tröpfcheninfektion mit dem neuartigen Virus zu schützen. „Wir halten die ganze Sache ziemlich einfach und nehmen zum Beispiel nicht noch einen Metallbauer mit ins Boot, der noch einen Rahmen dafür bauen könnte. Dadurch ist das System auch für kleine Einzelhändler erschwinglich“, erklärt Bertsch. 

Vor allem kleine Läden fragen nach

Die kleinen Läden sind es auch bisher, die die Spuckschutzvorhänge aus Menden nachfragen. Gerade erst hat Mit-Geschäftsführer Rushit Feka im Ladenlokal von Nader Tavanapour einen weiteren Vorhang angebracht. Der iranische Kioskbesitzer ist zufrieden: „Der gibt mir wenigstens ein bisschen mehr Schutz. Und die Kunden halten jetzt auch zuverlässiger Abstand.“ 

Geschäftsführer Bertsch freut sich über eine gute Nachfrage, auch ohne dass die großen Discounterketten angefragt haben. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir so etwas anfertigen können, es ist ein Selbstläufer.“ 

Coronavirus schon seit zwei Wochen ein Thema

Doch Technische Konfektionäre können seiner Auffassung nach noch mehr leisten in der aktuellen Corona-Krise. Das Netzwerk, in dem Unternehmen und Spezialisten für die Konfektion und Verarbeitung von technischen Textilien miteinander verbunden sind und dem auch das Mendener Unternehmen angehört, sei das schon seit etwa zwei Wochen ein Thema, berichtet Bertsch. 

Oxana Pauls näht eine Randverstärkung an eine transparente Plane, die in der Firma Optimal Planen zum Spuckschutzvorhang wird. Im Hintergrund schaut Geschäftsführer Sebastian Bertsch zu.

„Gerade erst haben wir über das Netzwerk Schnittmuster für Mundschutzmasken bekommen. Davon könnten wir in unserem Betrieb in kürzester Zeit bestimmt 15 000 Stück herstellen“, nennt der 37-Jährige ein Beispiel. Währenddessen kommt seine Mitarbeiterin Oxana Pauls mit einem Überzieher für Schuhe ins Büro, den sie kurzerhand aus einem Reststück Folie genäht hat. „Unsere Mitarbeiter sind kreativ und denken mit“, schmunzelt Bertsch zufrieden über solchen Erfindungsgeist. 

Coronavirus: Bertsch denkt in größeren Dimensionen

Zurück zu den Spuckschutzwänden. Die könnte sich Sebastian Bertsch auch in größeren Dimensionen und für andere Zwecke vorstellen. „Aus demselben Material könnten wir auch große Trennwände anfertigen, die man beispielsweise zwischen Krankenbetten hängen könnte. Dann könnten in einem Raum beispielsweise anstatt zehn auch vielleicht 20 Betten aufgestellt werden“, erklärt er und hat dabei wohl die Bilder aus italienischen Kliniken vor Augen. Zusammen mit der Firma Paul Müller GmbH aus Garbeck, die normalerweise Transport- und Verpackungslösungen für die Automobilindustrie entwickelt, hat Optimal Planen mittlerweile den Prototyp einer mobilen Trennwand entwickelt, die zwischen Krankenbetten positioniert werden könnte. Das Ergebnis: Ein etwa 1,80 Meter hoher und 1,60 Meter breiter, transportabler Rahmen, der mit Folien bespannt werden kann. „Da noch Rollen drunter zu bauen, wäre natürlich optimal, aber das ist nicht wirklich nötig, weil die Wand sehr leicht und deshalb gut zu transportieren ist“, sagte Optimal-Geschäftsführer Bertsch. 

Material, um Geschäfte und Krankenhäuser mit der benötigten Ausstattung zu beliefern, hätte Optimal Planen nach Angaben des Geschäftsführers übrigens genug, obwohl die Lieferanten, Planenwerke in Frankreich und der Schweiz, die Produktion mittlerweile eingestellt haben. 

Weitsichtige Geschäftspolitik

„Wir haben uns aber vorher noch große Planenvorräte angelegt“, berichtet Bertsch von weitsichtiger Geschäftspolitik. Deshalb betonte er: „Wir haben das Material, die Hardware und das Knowhow – wir könnten helfen.“ Dabei, und das betonte der Balver, spreche er nicht nur für sein Unternehmen, sondern für die ganze Branche. „Wer Planen konfektionieren kann, der kann auch so etwas machen wie wir.“

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