Springinsfeld mit Stimme

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Sängerin und Performerin Kara Fraser sowie Bassist Allan Rodger dominierten die Show des kanadischen Trios Mia Moth.

WERDOHL -  Mächtig scharf steht der Bass in den Vordergrund gemischt. Die Drums kommen stoisch von hinten dazu. Soundeffekte kommen aus einem kleinen Tablet-PC, der blau vor sich hinschimmert. Der Gesang überrascht mit sympathischen Kieksern. Der angekündigte Punk-Rock bleibt am Samstagabend beim Konzert in der Musikkneipe Alt Werdohl durch die fehlende Gitarre aus. Was übrig bleibt ist Pop. Der aber wirkt frisch und energiegeladen.

Sängerin Kara Fraser steht keinen Augenblick still und lässt öfter mal das Riot-Girl aus sich heraus. Bei den Danksagungen zwischen den Songs inszeniert sie eine niedliche Schüchternheit, die die Expressivität ihrer Performance karikiert.

Damit erinnert sie, auch ohne blonde Haare, an eine Mischung aus Debbie Harry (von der Band Blondie) und Courtney Love (Hole). Sie singt: „I ain’t no benchwarmer“ (zu deutsch: Ich bin kein Bankdrücker). Klar, ruhig sitzen kann sie sicher gar nicht – selbst, wenn sie es wollte.

Dass das stimmgewaltige Fliegengewicht bei den Verrenkungen auf der Bühne noch treffsicher bei den Tönen bleibt, ist beeindruckend. Zwar braucht sie folgerichtig nach einer halben Stunde eine ebenso lange Pause, aber das Publikum in der Musikkneipe verzeiht ihr das und bekommt einen 50-minütigen Nachschlag. Balladen: Fehlanzeige.

Bassist Allan Rodger springt gelegentlich mit Fraser ein paar Takte in die Luft, spielt weiter knochentrocken, aber funky. Dann zieht er sich lieber zu Drummer BJ Genten zurück, bleibt einfach breitbeinig stehen oder zieht seine Runden durchs Publikum. Mit der Power seiner Sängerin kann er nicht mithalten.

Die Musik, der quirlige Gesang, die Zumba-Stunde, die die Sängerin unaufhörlich absolviert – all das macht eine Menge Spaß. Bei dieser Band scheint das Funktionieren untrennbar mit der Optik gekoppelt zu sein. Zu Zeiten, als es noch TV-Sender gab, die rund um die Uhr Musikvideos zeigten, wäre dieses Trio im Nu ein Millionen Einheiten verkaufendes Projekt geworden. Vielleicht gelingt das heute nicht mehr. Aber wieso auch? Es gibt genügend Beispiele, die für ausverkaufte Konzertarenen sorgen, die sich aber kaum jemand zuhause auf den Plattenteller legen mag. Mia Moth könnten in dieser Liga mitspielen. Sie haben jedenfalls das Zeug dazu, jede müde Party auf Hochtouren zu bringen.

Von Michael Koll

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