Sprachkursus holt Mütter aus der Isolation

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Migrantinnen mit kleinen Kindern lernen seit Oktober in einem Kursus von Stadt und VHS Deutsch.

Werdohl - „Die Frauen kommen wirklich gerne“, sagte Hannelore Thill. Die Werdohlerin unterrichtet Migrantinnen, , die aufgrund ihrer persönlichen Situation keinen öffentlich geförderten Integrationskursus besuchen können, zweimal wöchentlich in Deutsch.

Einige der Teilnehmerinnen bestätigen die Einschätzung der Dozentin, zum Beispiel Anna Galystan. Sie lebt seit November 2016 in Werdohl, spricht aber schon verhältnismäßig gut Deutsch. Die gelernte Hebamme aus Armenien hat nach eigenen Angaben „viel verstanden, aber kaum gesprochen“.

Das hat sich geändert, seit sie morgens den Kursus für Mütter und nachmittags auch oft noch einen weiteren Sprachkursus bei der VHS besucht.

So viel Zeit können nur die wenigsten der regelmäßig acht bis zehn Frauen investieren, denen Hannelore Thill einen deutschen Grundwortschatz, aber auch ganz viel praktische Lebenshilfe vermittelt. Die einen erhalten aufgrund ihres Aufenthaltsstatus keinen Zugang zu einem Integrationskursus, die anderen müssen sich um die Kindererziehung kümmern.

Betreuung für Kinder

Zu diesem Kursus, den VHS und Stadt seit Oktober anbieten, können sie den Nachwuchs mitbringen. Während Mama deutsche Vokabeln und Redewendungen übt, werden die Kleinen in einem Nebenraum von Silvia Hauswirth betreut. Klar, dass die Kinder dabei die deutsche Sprache sozusagen spielerisch lernen.

Es ist eine multikulturelle Gruppe, die sich im Jugend- und Bürgerzentrum bemüht, die Sprache der neuen Heimat zu lernen. Die Frauen kommen aus Afghanistan und Pakistan, aus Eritrea, Tschetschenien oder dem Iran. Oder aus dem Irak, wie Bnar Souleyman. Sie hat in ihrer alten Heimat das Abitur gemacht und möchte jetzt Deutsch lernen, um in Deutschland irgendwann arbeiten zu können.

Für Fortsetzung fehlt das Geld

Das möchte auch Elvira Alija aus Montenegro, die seit drei Jahren in Deutschland lebt. „Ich möchte gerne noch mehr lernen“, sagt sie. Zweimal anderthalb Stunden Deutschunterricht pro Woche seien ihr zu wenig.

Doch ob das möglich ist, steht derzeit in den Sternen. Den Kursus, der Mitte Juli ausläuft, hat ein Sponsor finanziert, für eine Fortsetzung ist derzeit kein Geld da. „Natürlich haben wir uns um Fördermittel bemüht – bisher leider nicht erfolgreich“, sagt Michael Tauscher, Flüchtlingskoordinator der Stadt Werdohl.

Freundschaften entstehen

VHS-Leiterin Barbara Funke hält die Investition in solche Sprachkurse für sinnvoll: „Das ist gut angelegtes Geld“, ist sie fest überzeugt. Gerade Frauen seien wichtig für die Integration, weil ihnen in den Migrantenfamilien der Großteil der Erziehungsaufgaben zufalle. Allerdings seien sie deshalb nicht selten gesellschaftlich isoliert, was den Zugang zur deutschen Sprache erschwere.

Auch das ändere dieser Mütter-Sprachkursus: Unter den Teilnehmerinnen seien Freundschaften entstanden, durchaus auch nationenübergreifend, ergänzt Fatiha Ezitouni von der Flüchtlingsberatung der stadt. Die gebürtige Marrokkanerin hatte den Anstoß zu diesem Angebot gegeben und es zusammen mit Victoria Löwen von der VHS organisiert. Die Freundschaft gehe sogar so weit, dass nun eine Teilnehmerin auf die Kinder einer schwangeren anderen aufpasse, wenn deren Entbindung ansteht.

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