Sportler unter Kontrolle

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Wer Zugang zu den Sporthallen in Werdohl hat, soll stärker kontrolliert werden. ▪

WERDOHL ▪ Wenn es nach dem Willen der Stadt und des Stadtsportverbandes geht, sollen die herkömmlichen Schlüssel für die Turnhallen in der Stadt bald ausgedient haben. Ein Code-Schließsystem soll künftig dafür sorgen, dass Sportler und Vereine die Räume nur zu den zuvor angegebenen Zeiten nutzen können.

Verwaltungsmitarbeiter Thomas Schröder von der Abteilung Bauen und Immobilienmanagement erklärt, wie das System funktioniert: In die Türen der jeweiligen Hallen werden die Schlösser aus- und stattdessen das elektronische Schließsystem eingebaut. Auf den dazugehörigen Schlüsseln können die Hallenzeiten des jeweiligen Vereins gespeichert werden. Dazu werden die Schlüssel vorher bei der Stadt entsprechend programmiert. Bei Kontakt mit dem Schloss wird dann erkannt, ob die Sportler zugangsberechtigt sind. Da der eingebaute Zylinder batteriebetrieben wird, müssen keine zusätzlichen Stromleitungen verlegt werden, was das System laut Schröder relativ günstig macht.

Nach den Sommerferien sollen die ersten Schlösser ausgetauscht und das neue System eingeführt werden. Allerdings handelt es sich dabei um eine Probephase, die erst einmal zeigen soll, ob es sich bewährt. Schröder ist zuversichtlich: „Ich erwarte keine großen Probleme.“

Der Stadtsportverband unterstützt das Vorhaben. Sportwart Wolfgang Tigges berichtet von Vorfällen in der Vergangenheit, bei denen sich Sportler außerhalb ihrer Trainingszeiten mit den Schlüsseln Zugang zu den Hallen verschafft hätten. „Die Leute kamen zu jeder Tages- und Nachtzeit unkontrolliert in die Halle.“ In Einzelfällen sei es sogar vorgekommen, dass einige „schwarze Schafe“ die Gelegenheit nur zum Duschen vor Ort genutzt hätten. Damit spricht er einen weiteren Vorteil der codierten Schlüssel an: Da die Halle nur zu den vorgegebenen Zeiten betreten werden könne, würden die Strom- und Heizkosten, die durch unberechtigten Verbrauch entstünden, wegfallen.

Genau wie Schröder sieht Tigges ein zusätzliches Problem darin, dass im Laufe der Jahre so viele Schlüssel an Trainer und Übungsleiter ausgegeben worden seien, dass keiner mehr so recht einen Überblick habe. So mancher Schlüssel sei verloren gegangen oder vielleicht in die Hände Unbefugter gelangt. Das Code-Schließsystem soll auch hier Abhilfe schaffen: Wenn ein Schlüssel nicht mehr auffindbar ist, kann er bei der Stadt „aus der Programmierung rausgenommen“ werden und ist somit nutzlos, erklärt Thomas Schröder.

Bei den Sportlern, die in Zukunft am meisten mit der neuen Technik zu tun haben werden, herrscht noch Skepsis vor. Markus Volkmann, der sich in der Tischtennisabteilung der DJK TuS Westfalia engagiert, sieht zwar „prinzipiell kein Problem“ in der Einführung der neuen Schlösser, aber ihm ist „noch nicht so richtig klar, wie das Ganze laufen wird“. Noch stünden viele Fragen im Raum: Wie viele Schlüssel werden ausgegeben? Was ist, wenn derjenige, der einen hat, kurzfristig ausfällt? Was passiert generell bei kurzfristigen Änderungen, zum Beispiel Spielverlegungen?

Die Stadt verspricht zwar, dass die Schlüssel bei Bedarf auch zeitnah umprogrammiert werden können. Aber Volkmann gibt zu Bedenken, dass es als Berufstätiger schwierig sei, während der Öffnungszeiten des Rathauses dorthin zu kommen. Aber der Sportler will zunächst abwarten: „Ob Probleme entstehen, sieht man ja erst in der Probephase.“

Der DJK-Vorsitzene Josef Schütt bedauert vor allem, dass sich die Verantwortlichen nicht vor der Einführung des neuen Systems mit den Übungsleitern auseinandergesetzt hätten.

Matthias Wershoven, SPD-Fraktionsvorsitzender und gleichzeitig Aktiver beim TuS Jahn, hat als Politiker die Idee mit dem neuen Schließsystem unterstützt. Er sieht „große Vorteile“ darin, vor allem hinsichtlich der Kontrolle und der Energieeinsparung. Als Sportler weiß Wershoven ebenfalls aus eigener Erfahrung, dass es zu kurzfristigen Änderungen im Trainings- und Spielbetreib kommen kann. Aber auch er ist optimistisch und will den Praxistest erst einmal abwarten. „Das wird eine spannende Herausforderung“, meint er.

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