Spontanität und Instinkt

Klaus Gröne im Gespräch mit einer Vernissage-Besucherin über einige seiner Arbeiten.

WERDOHL ▪ Unter dem Thema „Landkunst“ hatte der im Januar 1961 in Detmold geborene und längst in Werdohl heimisch gewordene Künstler Klaus Gröne am Sonntag zu einer Vernissage in sein ehemaliges Bauernhaus in der Deitenbecke eingeladen und die im Laufe des Nachmittages doch recht zahlreichen Besucher dazu aufgefordert, die Welt der Formen und Farben zu entdecken, um daraus auch die Erkenntnis zu gewinnen, dass man ein gutes Bild nicht unbedingt verstehen muss, sondern durchaus auch spüren kann.

Sowohl im Garten der Familie Gröne, als auch im Inneren des 1620 errichteten und geschmackvoll umgebauten Bauernhauses präsentierte der Maler und Grafiker einen Teil seiner Arbeiten, die einerseits noch aus einer Schaffensperiode der neunziger Jahre stammten (seit Klaus Gröne sich verstärkt der freien Malerei widmete), bei denen andererseits aber die gewählten Farben noch frisch und nicht abgetrocknet waren.

Deutlich war und ist: Der Wahl-Werdohler ist seiner Linie treu geblieben und nach wie vor darum bemüht, die Synthese zweier Stilelemente zu erreichen – die Konturlinie als eher flüchtiges, freies Gestaltungselement, kombiniert mit plakativen Farbflächen. Spontanität und Instinkt bei der Motivwahl, so sagt er selbst bei den beinahe zahllosen Rundgängen am Sonntag durch Haus und Garten, bestimmen den kreativen Prozess bei der Entstehung jedes einzelnen Bildes. Mal wirken Darstellung und Farben düster, mal wird Fröhlichkeit vermittelt, mal kratzt ein Motiv an gesellschaftlichen Grundnormen, mal ist es einfach nur bunt und strahlt Naturnähe aus.

Der weibliche Akt – das wird sehr schnell erkennbar – beschäftigt ihn in unzähligen Varianten; ausgeführt nicht im klassischen Stil, nicht als Idealfigur, sondern verfremdet, farblich mit schrillen Tönen verarbeitet oder als Federzeichnung auf einem kleinen weißen Blatt – und doch so dargestellt, dass der – auch erotische – Reiz immer erhalten bleibt.

Wichtig für Klaus Gröne ist, dass die Exponate beim Betrachter zu einer eigenen, individuellen Ansprache finden. Zugleich bleiben sie in irgendeiner Form auch ein Geheimnis, denn nicht alles, was er auf die Leinwand oder als Druck aufs Papier bringt, ist letztlich interpretier- oder entschlüsselbar; zumindest nicht in einheitlicher Linie. Der Betrachter soll die Gröne-Arbeiten als Faszination empfinden – und die wird bekanntermaßen gerade in der Kunst auf unterschiedlichste Weise interpretiert.

Klaus Gröne, so durfte am Sonntag festgestellt werden, hat – neudeutsch formuliert – eine recht große Fan-Gemeinde; nicht nur in Werdohl, sondern auch im Ruhrgebiet. Erklärbar ist das, wenn man seinen Werdegang betrachtet, der immer auch Spuren hinterlassen hat – beispielsweise durch seine Ausbildung an der Fachhochschule für Kunst und Gestaltung in Dortmund oder durch seine Zeit in Düsseldorf. Bei Ausstellungen hat er durch seinen markanten Stil wohl beachtete Ausrufezeichen gesetzt – auch in Werdohl, zuletzt im November 2001.

Rainer Kanbach

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