Spielhallen-Räuber unbekannt

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WERDOHL - Mit drei Jahren und drei Monaten Gefängnis muss ein 30-jähriger Werdohler für seine Beteiligung an einem Spielhallenüberfall in der Nacht vom 1. zum 2. Februar büßen. Am dritten Verhandlungstag korrigierte der Angeklagte sein Geständnis dahingehend, dass er natürlich gewusst habe, dass er durch das Offenlassen der Tür zu dem Casino einen anschließenden Raubüberfall ermöglicht hatte.

Das Messer und der Schal, die der weiterhin unbekannte Mittäter bei sich führte, konnten wenig Zweifel an seinen Plänen lassen. Zu Beginn des Prozesses hatte der Angeklagte der 6. großen Strafkammer beim Landgericht Hagen noch weismachen wollen, dass er von einem geplanten Diebstahl der Kasse ausgegangen sei. Beim Strafmaß ging das Gericht von einem minderschweren Fall aus. Positiv fiel auch ins Gewicht, dass der 30-Jährige in keiner Weise vorbestraft war.

Auf der anderen Seite ermöglichte die Bewertung der Tat als Mittäterschaft zu einem besonders schweren Raub kaum weiteren Spielraum nach unten. Unter den professionellen Prozessteilnehmern gab es deshalb keine großen Differenzen mehr über das zu verhängende Strafmaß.

Die letzten Zeugen waren vor allem zur Frage der Spielsucht des Angeklagten befragt worden. Der erste „litt an Gedächtnisschwund aufgrund von Rückenproblemen“, wie es die Kammer formulierte. Ein Leidensgenosse des Angeklagten, der seine Besuche im Casino auf „zehn bis 20 im Monat“ schätzte, bestätigte nach einigen Anläufen, dass der Angeklagte Spielschulden hatte.

Gegen den 29-Jährigen war ermittelt worden, weil er im Verdacht gestanden hatte, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein. „Waren Sie der maskierte Täter in der Spielhalle?“, fragte der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt und verwies auf das eingestellte Ermittlungsverfahren. „Von mir aus könnte es weitergehen“, zeigte sich der Zeuge relativ entspannt. Gerüchte seien auch ihm viele zu Ohren gekommen, und es fiel erneut der in diesem Verfahren so beliebte Satz: „Werdohl ist eine kleine Stadt.“ Dazu gab es noch eine Ergänzung: „In Werdohl sind ja nur Casinos, wenn Sie rechts und links gucken.“

Zu diesem Thema hatte der vielbeschäftigte Raubsachbearbeiter der Polizeidienststelle Lüdenscheid noch einige Details zu berichten. Seine Ermittlungen und das Auslesen des Handys des Angeklagten hatten ergeben, dass dieser 700 Euro verspielt hatte, die ihm sein Bruder zur Aufbewahrung gegeben hatte. Es gab viele Hinweise darauf, dass der 30-Jährige kurz vor der Tat „verzweifelt und total aufgelöst“ gewesen war.

Einem Spielhallenbetreiber in Neuenrade soll er offensiv vorgeschlagen haben, nachts bei ihm einzubrechen und ein paar Automaten zu lehren.

Ein solches Vorgehen – möglicherweise verbunden mit einem Versicherungsbetrug – lehnte der Angesprochene aber entschieden ab. Der Ermittler wusste auch, dass die Spiele an Glücksspielautomaten nicht die einzige Möglichkeit sind, sich zu ruinieren: In Neuenrade und vermutlich auch an anderen Orten traf man sich zu Pokerturnieren.

Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass sich daran etwas geändert hat. Nur der Angeklagte wird einige Zeit nicht daran teilnehmen können. Immerhin setzte ihn die 6. große Strafkammer bis auf Weiteres auf freien Fuß.- Thomas Krumm

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