Stipendium für Künstlerin Annette Kögel

„Spiel der Könige“: Besondere Installation in einem Innenstadt-Schaufenster

Annette Kögel hat sich erneut erfolgreich um ein Stipendium beworben. Im Rahmen ihres Projektes soll eine Kunstinstallation entstehen, die dann in einem Schaufenster in der Innenstadt ausgestellt wird.
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Annette Kögel hat sich erneut erfolgreich um ein Stipendium beworben. Im Rahmen ihres Projektes soll eine Kunstinstallation entstehen, die dann in einem Schaufenster in der Innenstadt ausgestellt wird.

In der Wirtschaft, in der Politik, beim Militär – überall dort, wo Menschen einen Plan verfolgen, der ihnen zum Erfolg verhelfen soll, ist die richtige Strategie unerlässlich. So ist es auch beim Schach, dem Spiel der Könige. Mit diesen Zusammenhängen setzt sich die Werdohler Künstlerin Annette Kögel in ihrem neuen Projekt auseinander.

Dass dem Betrachter durchaus sozialkritische und gesellschaftskritische Gedanken durch den Kopf schießen könnten, ist durchaus erwünscht. Zudem lässt der erste Teil des Titels Raum für entsprechende Interpretationen. Kögel hat die Installation „Die Könige spielen“ oder „Kunst in der Kiste“ genannt.

Nachdem die Werdohlerin im vergangenen Jahr für ihre Wanderausstellung „Ruhe, jetzt ist Pandemie“ ein Stipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten hat, wird auch ihre neue Idee mit Landesmitteln gefördert. Im Zeitraum von insgesamt etwa sechs Monaten soll in einem Schaufenster in der Werdohler Innenstadt eine Installation entstehen. „Sie wird wachsen, sich aber auch ständig verändern“, deutet Annette Kögel an, dass es sich für Kunstinteressierte durchaus lohnt, regelmäßig einen Blick auf das Kunstwerk zu werfen. Wo genau es zu sehen sein wird, das möchte die Werdohlerin erst verraten, wenn sie mit dem Aufbau beginnt.

Installation besteht aus 64 Holzkisten

Die Installation besteht aus insgesamt 64 Holzkisten, die jeweils eine Größe von 20 mal 20 Zentimetern haben und so von der Künstlerin gestapelt werden, dass eine Art Schachbrettmuster entsteht. Die Kisten sind nicht baugleich, sie unterscheiden sich durch ihre Höhen: Es gibt drei, sechs und neun Zentimeter hohe Kisten.

Die Kästen aus Holz haben unterschiedliche Höhen – je nachdem, welche Spielfigur sie symbolisieren sollen.

Diese Rohlinge beklebt Kögel mit Zeitungspapier, das dann mittels einer besonderen Technik künstlerisch verändert und übermalt wird. Die Zeitungsseiten wählt sie nicht zufällig aus: Der Inhalt der jeweiligen Artikel entscheidet darüber, wo sich die Botschaft wiederfindet: auf einem „Bauern“, einer flachen Kiste mit drei Zentimetern Höhe, einem „Turm“, „Läufer“ oder „Springer“ mit sechs Zentimeter Höhe oder gar auf einer stattlichen Dame oder einem König, die mit neun Zentimeter auf dem Schachbrett dominieren.

Die Bauern bleiben die Opfer

„Die Bauern sind die Opfer, so wie es bei einem Schachspiel üblich ist“, stellt Annette Kögel fest. Artikel, die auf einer flachen Kiste landen, beschäftigen sich auch im übertragenen Sinne mit Menschen, die benachteiligt sind oder sich für andere aufreiben: In den verfremdeten Zeilen tauchen Berichte auf, die sich mit Kriegskindern, Flüchtlingen oder systemrelevanten Personen beschäftigen. Kögel: „Letztere setzten sich während der Pandemie meines Erachtens einer besonderen Gefahr aus und gehören deshalb in diese Kategorie.“ Inhalte verstehen, kann aber nur der Betrachter, der sich sehr bemüht. „Die Buchstaben fallen der Malerei zum Opfer.“ Allerdings: Im Inneren der Kiste ist jeweils eine Erklärung zu finden, sowie ein Symbol, das die jeweilige Spielfigur kennzeichnet.

Im Gegensatz zu der ersten Kategorie werden Damen- und Königs-Kisten von Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Klimaschutz beherrscht. Wie beim Schach, könne der Betrachter auch bei diesen wichtigsten Figuren Parallelen zur Realität ziehen. Kögel deutet am Beispiel der „Klimaschutz-Dame“ an: Die Dame ist eigentlich die stärkste Figur im Spiel – aber sie fällt auch für den König.“ Doch grundsätzlich möchte die Werdohlerin ihre Sichtweise den Kunstinteressierten nicht aufdrängen: „Ich lege mich da nicht so fest. Es muss Spielraum für eigene Interpretationen geben.“

Kisten sollen zum Kauf angeboten werden

Etwa die Hälfte der Holzkisten, die sich nach und nach gestaltet – auch mit Blick auf aktuelle Ereignisse – hat Annette Kögel inzwischen bestellt. Installiert werden die fertigen Kunstkisten auf Platten, die schwarz und weiß gestrichen werden sollen. Ist die Installation fertiggestellt, sollen die Kisten, auch einzeln, zum Kauf angeboten werden. Einen Festpreis werde es voraussichtlich aber nicht geben, die Werdohlerin setzt auf Gebote.

Der Erlös solle dann wiederum in Kunstförderung investiert werden: „Ich möchte mit dem Geld einen Kursus für Kinder in der Neuenrader Kiku finanzieren.“

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