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Speditionen reagieren auf A45-Sperrung: Standortwechsel und tägliche Verluste

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Von: Maximilian Birke

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Die Haaf STS Logistik mit Sitz in Bärenstein verliert wegen der Sperrung auf der A45 jeden Tag Geld. Auf dem Foto die beiden Geschäftsführer Thomas Becker (rechts) und Michael Schmidt.
Die Haaf STS Logistik mit Sitz in Bärenstein verliert wegen der Sperrung auf der A45 jeden Tag Geld. Auf dem Foto die beiden Geschäftsführer Thomas Becker (rechts) und Michael Schmidt. © Volker Heyn

 „Normalerweise müssten da schon die Bagger stehen und für den ersten Pfeiler den Boden ausgehoben haben“, sagt Michael Schmidt, Geschäftsführer der Spedition Haaf STS. Für das Unternehmen ist die Sperrung der Talbrücke Rahmede auf der A 45 eine „absolute Katastrophe“. Umwege und Wartezeiten kosten Haaf STS eine Menge Geld. „Jeden Tag ungefähr 1500 Euro“, nennt Schmidt das Ergebnis einer ersten groben Kalkulation.

Werdohl - Der Geschäftsführer ist verärgert, dass es an der A 45 so weit gekommen ist. „Ich frage mich ja doch, wofür wir eigentlich Maut zahlen. Alle zwei Wochen wird das Geld eingezogen und die brauchen zehn Jahre, um eine Brücke zu bauen.“ Michael Schmidt setzt nun alle Hoffnung in die B 236, die von Werdohl nach Altena führt. Anfang kommenden Jahres soll die Bundesstraße, die seit der Hochwasserkatastrophe im Juli voll gesperrt ist, wieder halbseitig geöffnet werden. Die Verkehrssituation könnte sich dadurch zumindest ein Stück weit entschärfen, weil Lkw dann wieder durch Altena und Nachrodt fahren können, um in Hohenlimburg in Richtung Norden auf die A 45 zu gelangen.

Haaf STS ist in Bärenstein ansässig. „Ein Standortwechsel macht für uns überhaupt keinen Sinn. Zwei Drittel unserer Kunden befinden sich auf dieser Seite der Brücke“, erklärt Schmidt. Wie es nun wirklich weiter geht, werde die Zukunft zeigen müssen. Der Geschäftsführer jedenfalls wünscht sich Tempo beim Neubau der Brücke, glaubt gleichzeitig aber kaum daran, dass es schnell gehen wird. „Nicht in diesem Land, wo alle päpstlicher sind als der Papst.“ Stattdessen werde man andere Lösungen finden müssen. Auch Anpassungen bei den Betriebsabläufen sind denkbar. So könnte beispielsweise antizyklisch gefahren werden. Die Lkw wären dann nachts auf den Straßen unterwegs. Das muss allerdings mit den Kunden abgestimmt werden. „Außerdem werden die Anwohner dulle“, sagt Schmidt. „Aber auch die können ja gerade so laut schreien wie sie wollen.“

 „Man wird ein Verkehrswegekonzept entwickeln. Aber trotzdem ist die Region von der Autobahn abgeschnitten, die Top-Wirtschaftsregion in NRW.“

Marc Andreas Krombach, Geschäftsführer NBTK Ulbrich

Marc Andreas Krombach, Geschäftsführer der Spedition NBTK Ulbrich, zeigt sich ähnlich entsetzt über die neue Situation. „Im Moment sehe ich so ein bisschen, dass wir uns selbst hinrichten“, findet er klare Worte. „Man wird ein Verkehrswegekonzept entwickeln. Aber trotzdem ist die Region von der Autobahn abgeschnitten, die Top-Wirtschaftsregion in NRW.“ Wie es weitergehen soll, wisse der Geschäftsführer noch nicht, blickt mit großer Sorge in die Zukunft. „Wir reden von fünf bis zehn Jahren. Ich weiß nicht, wie viele Unternehmen das hier schaffen.“ Auch er habe Existenzängste, möchte aber die Zuversicht nicht verlieren. „Wir sind jetzt gefragt, unseren Mitarbeitern eine Perspektive aufzuzeigen.“ Krombach sagt offen: „Als Spedition muss man jetzt ganz klar in Erwägung ziehen, den Standort zu wechseln. Wir können uns das nicht zehn Jahre lang ansehen.“ So eine Entscheidung werde man allerdings nicht leichtfertig und auch nicht innerhalb des nächsten halben Jahres treffen.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte NBTK Ulbrich noch darüber nachgedacht, sich im Gewerbepark Rosmart anzusiedeln. „Da oben hätten wir uns ein Fünf-Millionen-Euro-Grab geschaufelt“, sagt Krombach mit Blick auf die Verkehrsanbindung. Das Industriegebiet ist mit Lkw ausschließlich über die Brunscheider Straße zu erreichen – und die führt direkt an der Autobahnauffahrt vorbei. Stau ist garantiert. Auch so merke man bei NBTK, wie abhängig man von der A 45 ist. „Es ist die Königin der Autobahnen und die Lebensader für diese Region.“

Mit anderen Fällen wie der Rheinbrücke der A 1 bei Leverkusen, die ebenfalls wegen Brückenschäden seit mehreren Jahren für Lkw voll gesperrt ist, könne man diesen Fall nicht vergleichen. Denn anders als in Leverkusen gibt es keine Alternativroute zur A 45. Krombach möchte den Kopf trotzdem noch nicht in den Sand stecken, denn das helfe niemandem. „Hoffen wir mal, dass die Königin irgendwann wieder glänzt.“

Es sind aber nicht nur Speditionen, die die Sperrung der A 45 schwer trifft. Gerade erst hat das Statistische Landesamt ausgewertet, wie viele Pendler in der Region unterwegs und dadurch auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen sind. In den Lenne- und Hönnetal-Kommunen Werdohl, Neuenrade, Balve, Plettenberg, Herscheid, Altena und Nachrodt liegt die Quote der Auspendler im Mittel bei 62,7 Prozent. Etwas darunter, aber immer noch hoch liegt die Quote der Einpendler mit durchschnittlich 53,6 Prozent.

In sechs der sieben Kommunen ist Lüdenscheid unter den Top-3-Zielen der Auspendler: Insgesamt 6339 Personen machen sich der Statistik zufolge von dort aus täglich auf den Weg in die Kreisstadt, um ihrem Beruf nachzugehen. In Zeiten von Corona und Homeoffice werden es in der Praxis wohl etwas weniger sein. Dennoch betreffen die Sperrung der A 45 und die vielen Staus auch zahllose Pendler. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Pendler aus Lenne- und Hönnetal nur einen Bruchteil der Pendler darstellen, die insgesamt täglich nach Lüdenscheid fahren: Das sind nämlich 23 858, von denen der Großteil aus Hagen kommt.

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