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„Spaziergang“: Schweigende Menschen ziehen durch Werdohl

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Von: Volker Heyn

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Dieser Mann führte am Montagabend mit zwei Kindern und einer Frau den unangemeldeten Aufzug von knapp 150 Personen an. Er spielte auch deutschen Rap-Sprechgesang ab. Der Tross startete am Rathaus und zog durch die Bogenstraße (Foto) in die Stadt.
Dieser Mann führte am Montagabend mit zwei Kindern und einer Frau den unangemeldeten Aufzug von knapp 150 Personen an. Er spielte auch deutschen Rap-Sprechgesang ab. Der Tross startete am Rathaus und zog durch die Bogenstraße (Foto) in die Stadt. © Heyn, Volker

„Komm mit, spazieren gehen an der frischen Luft ist gesund“. Lachend und manchmal trotzig feixend zogen am Montagabend rund 150 Männer, Frauen und Kinder durch die Werdohler Innenstadt.

Warum sie das taten, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Es gab weder Spruchbänder noch Plakate, niemand sagte etwas. Von der Spitze des Umzuges war lediglich deutscher Sprechgesang zu hören, bei dem es irgendwie um „Freiheit“ ging und was man den Kindern später davon erzählen könne.

Wer nicht zu denen gehörte, die in Verstecken im Internet nach einer Teilnahmemöglichkeit an so einem Spaziergang als Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen gesucht hatte, konnte am Montag eine zunehmende Anzahl von Menschen und Fahrzeugen beobachten, die dem Rathaus-Parkplatz zustrebten. Die Szenerie beobachtete Polizei-Wachleiter Volker Bootz mit einer Handvoll Einsatzkräften. Auf Nachfrage sagte Bootz: „Wir haben nur aufgrund eigener Recherchen im Internet von diesem Spaziergang erfahren.“ Niemand habe eine Veranstaltung angemeldet, es gebe auch keine Person, die sich als Anführer der Polizei vorgestellt hätte. Bootz sagte, die Polizei werde lediglich sicherstellen, dass der Fahrzeugverkehr nicht behindert werde. Die Kontrolle von Abständen oder die Einhaltung der Maskenpflicht sei Sache des Ordnungsamtes.

Ordnungsamt im Einsatz

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel hatte einen Außendienstmitarbeiter in Uniform zu dem Umzug geschickt. Dieser sagte, er sei lediglich dazu angewiesen, den Zug zu beobachten und zu begleiten. Etwaige Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung solle er nicht verfolgen. Seiner Beobachtung nach seien die Teilnehmer in Teilen nicht aus Werdohl, er habe auch auswärtige Kennzeichen sehen können.

Der Außendienstmitarbeiter berichtete, dass dies bereits der zweite sogenannte Spaziergang in Werdohl sei. Ein Kollege habe den Umzug am Montag zuvor begleitet und habe beobachten können, dass alles friedlich verlaufen sei.

Masken wurden nicht getragen

So war es auch an diesem Montagabend. Die Initiatoren der Veranstaltung waren offensichtlich bestens über ihre Möglichkeiten informiert und gingen nach Eintreffen der meisten Teilnehmenden zügig los. Masken wurden nicht getragen, Abstände wurden einigermaßen eingehalten. Kleinere Grüppchen, die am Grasacker auf den Zug gewartet hatten, schlossen sich an. In schnellem Schritt lief die Gruppe hintereinander kreuz und quer durch die Innenstadt, bis sich alles geordnet auflöste.

Soweit das zu beobachten war, nahm in der ohnehin so gut wie unbelebten Innenstadt kaum jemand Notiz an dieser umherlaufenden Menschenmenge.

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