Prämiensparen

Lukrative Altverträge

+
Lohnt sich: Beim Prämiensparen der Sparkasse gibt es hohe Zinsen. Die Sparkasse Nürnberg hatte bestehende Verträge einfach gekündigt – und damit viele Kunden verunsichert. In Werdohl ist das nicht geplant.

Werdohl - „Bei uns bleibt alles so, wie es ist.“ Mit diesen Worten beschwichtigt Tomislav Majic, Marketingchef der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, verunsicherte Kunden des Geldinstitutes. Sein Volksbank-Kollege Thomas Sommer äußert sich ähnlich: „Wir bieten das Produkt nicht mehr an. Bestehende Verträge lassen wir auslaufen, an Kündigungen wird nicht gedacht.“

Es geht um das, was bei den Sparkassen Prämiensparen und bei der Volksbank Bonussparen heißt. Kunden, die vor Beginn der Niedrigzinsphase entsprechende Verträge abgeschlossen haben und seitdem darauf einzahlen, dürfen sich über hohe Prämien freuen. Ein Geschäftsmodell, das sich für Banken nicht mehr rechnet. Die Sparkasse Nürnberg hat deshalb über 20 000 Verträge gekündigt und damit bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Prämiensparen bietet die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis, zu der auch die Filiale in Werdohl gehört, bis heute an. Wer Monat für Monat einen vorher vereinbarten Betrag auf ein Sparbuch legt und dieses Geld nicht antastet, der bekommt neben den marktüblichen Mini-Zinsen (derzeit 0,05 Prozent) nach einiger Zeit Prämien. Nach drei Jahren gibt es drei Prozent der Jahressparleistung, nach zehn Jahren sogar zehn Prozent. Wer also monatlich 100 Euro auf die hohe Kante legt, kann sich nach zehn Jahren auf eine jährliche Prämie von immerhin 120 Euro freuen.

Alte Verträge sehen wesentlich höhere Prämien vor: Bis zu 50 Prozent gewährt die Sparkasse ihren „Altkunden“ nach 15 Jahren. Heißt: Der Kunde, der 100 Euro im Monat spart, erhält neben den Zinsen einen Bonus von satten 600 Euro – für den Sparer äußerst lukrativ und für die Sparkasse ein Zuschussgeschäft. Deshalb haben neben der Sparkasse Nürnberg auch andere Geldinstitute die Notbremse gezogen und Verträge gekündigt.

Ob das überhaupt geht, ist weiterhin umstritten und hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Beispiel Volksbank: Dort seien die Verträge zeitlich befristet, erklärt Pressesprecher Thomas Sommer. Deswegen lasse man sie einfach auslaufen. Zurzeit hätten „deutlich unter fünf Prozent“ der 162 000 südwestfälischen Volksbank-Kunden solche Verträge – Tendenz sinkend.

Die Sparkassenverträge kennen eine solche Befristung nicht. Allerdings urteilte der Bundesgerichtshof zuletzt, dass Kündigungen beim Erreichen der höchsten Prämienstufe möglich sein können. Das ist bei der Vereinigten Sparkasse nach 15 Jahren der Fall.

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, warnte gegenüber der Lippischen Landeszeitung die Sparkassen vor einem solchen Schritt: Er sei mit einem Glaubwürdigkeitsverlust verbunden. Verbraucher könnten schließlich auch nicht Kreditverträge einfach kündigen, weil sie die Zinsen als zu hoch empfänden. Müller empfiehlt, Kündigungen schriftlich zu widersprechen und die Verbraucherzentralen oder Anwälte hinzuziehen.

Verständnis für die Banken hat Daniel Bauer, Chef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Würden sämtliche nicht profitablen Verträge beibehalten, habe das unter Umständen schwere Folgen bis hin zu Insolvenzen, sagte er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare