Zinsen ade: Sparkasse setzt auf Kredite und Wertpapiere

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Sparkassen-Vorstand Mike Kernig und Marktbereichsleiter Jürgen Brill (rechts) mit den zahllosen Vorschriften, die mit ihrer ausufernden Regulatorik den Ertrag der Sparkasse belasten.

Werdohl - Die anhaltende Niedrigstzinsphase und überbordende Regulatrik von außen erschweren das Geschäft der Sparkasse ganz erheblich. Bilanzsumme und Gewinn blieben deshalb erstmals leicht hinter den Werten des Vorjahres zurück. In früheren Jahren hatte es hier immer Wachstum gegeben.

„Um unsere Sparkasse für unsere Kunden und unsere Region weiterhin leistungsfähig und stabil zu halten, mussten wir nach zehn Jahren leider die Gebühren erhöhen,“ sagte Sparkassen-Vorstand Mike Kernig am Donnerstag beim Bilanzgespräch in der Werdohler Hauptstelle.

Dass die Sparkasse viel mehr als eine gewinnorientierte Bank ist und das Gemeinwesen in jeder Stadt von der Sparkasse durch hohe Spenden, Ausschüttungen und Gewerbesteuerzahlungen profitiert, betonte auch Marktbereichsleiter Jürgen Brill. „Um unser Geschäftsmodell für die Stadt und die Region weiterfahren zu können, war die Gebührenanhebung nötig“, so Kernig.

Werdohl bekam im vergangenen Jahr immerhin 246 000 Euro Ausschüttungsanteile und 532 722 Euro Gewerbesteuer. Die Sparkasse ist in Werdohl der viertgrößte Gewerbesteuerzahler. 778 722 Euro fließen vom Gewinn der Sparkasse an die Stadt Werdohl, dazu kommen noch die zahlreichen Spenden an Vereine, Verbände und Einrichtungen.

Mit Zinsen kann heute keine Bank mehr viel Geld verdienen. Wer Geld anlegen will, sollte nach Meinung von Marktbereichsleiter Brill in Wertpapiere investieren. Je nach Risikobereitschaft und Verfügbarkeit lasse sich auf jeden Fall mehr als die Inflationsrate von 2,2 Prozent erwirtschaften. Drei Prozent gilt mittlerweile als eine Top-Rendite. Von daher gelte für die Sparkasse: „Der neue Zins heißt Dividende.“

Die Sparkasse habe ihren Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft mehr als verdreifacht. Das Wertpapiergeschäft ist das stärkste im Provisionsgeschäft, das noch aus dem Verkauf von Versicherungen und der Kontoführung besteht. Im Kreditgeschäft gab es ein Wachstum von 7,45 Prozent im Bestand. Die Vergabe von Krediten laufe hervorragend, Zusagen seien gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent gestiegen.

„Die Regulatorik belastet uns immer mehr. Wir müssen Personal bezahlen, das immer neue Vorschriften bearbeitet“, klagte Mike Kernig. Man müsse Kosten aufwenden für Prozesse, die es früher nie gegeben habe. Die so genannte Bankenabgabe habe die Sparkasse im Jahr 2014 genau 90 Euro gekostet, im vergangenen Jahr waren es 270 000 Euro. Davon hätte die Sparkasse und ihre Kunden aber keinen Nutzen, so Kernig. Auch der Zwang zur Eigenkapitalbildung belaste die Gewinne. Und noch einmal: „Trotz zehn Millionen Euro Gewinn müssen wir unsere Kontoführungsgebühren erhöhen.“

Die Sparkasse investiere viel in neue Technik, ab kommenden Montag werde das neue Online-Portal freigeschaltet. Ein absoluter Renner bei jungen Leuten sei die Möglichkeit, ohne Pin und Tan Beträge bis zu 30 Euro von Smartphone zu Smartphone zu versenden. Die Sparkassen-App „Kwitt“ mache dies möglich. Auch der Betrieb von Geldautomaten sei teuer. Brill: „Wir müssen unsere Automaten sogar der billigen Online-Konkurrenz zur Verfügung stellen inklusive des Risikos, dass uns Kriminelle die Dinger aus der Wand sprengen.“

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