Sozialdemokraten gründen Sportforum

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Das sozialdemokratische Podium (v. l.) stand Rede und Antwort. ▪

WERDOHL ▪ Durch die Einführung der Ganztagsschulen hätten die Young Roosters massiv Mitglieder verloren, klagte der Vertreter des Iserlohner Eishockey-Clubs. Die Folge sei, dass die Mitgliedsbeiträge stark angehoben hätten werden müssen.

Ein anderer Redner beim ersten Sportforum der Werdohler SPD im Restaurant Vier Jahreszeiten am Mittwochabend befürchtete deshalb: „Wir werden dazu kommen, dass der Sport im Nachwuchsbereich nach dem Modell amerikanischer Colleges an den Schulen stattfindet und von dort auch der Leistungssport seine Talente rekrutiert.“

„Was wäre denn daran so schlimm?“, konterte Wolfgang Roth. Der sportpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion skizzierte eine Zukunft, „in der die Sportvereine ihre Nachwuchsabteilungen auf der Ebene des Schulsports organisieren“. Der Roosters-Vertreter plädierte dagegen für Freistellungen von der Schule für aktive Sportler an den Nachmittagen.

Damit waren die fünf Sozialdemokraten auf dem Podium und die gut 30 Anwesenden im Saal dort angelangt, wo sie hinwollten: bei einem Austausch über die Stadtgrenzen hinweg. Erklärter Wille aller Teilnehmer am Mittwoch war, das Forum als Veranstaltungsreihe weiter laufen zu lassen. Ein zweiter Termin steht indes noch nicht fest.

Rund zwei Stunden zuvor hatte Matthias Wershoven, sportpolitischer Sprecher der Werdohler Sozialdemokraten, den Abend eröffnet. Zu Beginn sprach sich Detlef Stägert vom Werdohler Handballverein vehement dafür aus, keine Nutzungsgebühren für Sportstätten zu erheben. Er verwies darauf, dass die CDU aus Neuenrade öffentlich behauptet habe, dass dies von der SPD-geführten Landesregierung in Düsseldorf gefordert würde. Dem widersprach Roth deutlich: „Diese Gebühren sind einzig Aufgabe der Kommunen.“ Und Wershoven unterstrich, dass er – als Ratsmitglied und aktiver Badminton-Spieler – persönlich dagegen kämpfen werde.

Sportvereine, so erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, seien „für die Gesellschaft wichtig“. In Deutschland gebe es rund 90 000 derartige Vereine „mit 27 Millionen Mitgliedschaften“. Freitag ergänzte: „Das Ehrenamt ist die größte Bewegung in Deutschland. Und der Sport ist der größte Einzelposten dieser Bewegung.“

Zwischen dem Vereinssport und dem Schulsport sei, bedauerten Roth und Freitag einmütig, aber ein Keil getrieben. „Denn sie liegen nicht in einer Hand“, erläuterte Roth. „Der Schulsport steht in der Verantwortung des Schulministeriums und ist nicht angesiedelt beim Sportministerium.“ Dies prangerte auch Freitag deutlich an, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag ist.

In dieser Funktion betrieb sie dann auch das Gedankenspiel, Sport als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern. In Nordrhein-Westfalen sei dies bereits in der Landesgesetzgebung geschehen. Doch auch ohne diese Grundgesetzänderung, so Roth, der vor seiner politischen Karriere Sport studierte, aktiv Handball spielte und beim Landessportbund beschäftigt war, könne die Politik viel für den Sport tun. Aus seiner Sicht seien zweierlei wichtig: „Schwerpunkte sind die Bewegung bei Kindern, aber auch die verstärkte Förderung des Leistungssports.“

Auf dem Podium saß auch Jan Schröder. Der 27-jährige Polizeibeamte sitzt als sachkundiger Bürger im Sportausschuss der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde. Die Moderation des Abends übernahm Dimitrios Axourgos. Er ist Mitglied im Sportausschuss der Stadt Iserlohn. Außerdem hat der Lehrer auch Erfahrung als Fußball-Schiedsrichter.

Damit saßen vorne zwei Pädagogen, denn auch Wershoven ist angehender Grundschullehrer. Die beiden werden wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, dass ein Vertreter eines Iserlohner Schwimmvereins forderte, bei Neuanstellungen sollten künftig Lehrer, die in Sportvereinen aktiv sind, bevorzugt werden. Somit solle mehr Sportkompetenz in die Lehranstalten kommen. Landespolitiker Roth sieht andernfalls in Hinblick auf die Ganztagsschulen eine deutliche Gefahr: „Der organisierte Sport darf nicht zum Erfüllungsgehilfen der Schulpolitik werden.“

Michael Koll

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