SoVD feiert 100-jähriges Bestehen

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Bürgermeisterin Silvia Voßloh sprach von einem „fast unüberschaubaren Sozialrecht“.

Werdohl/Plettenberg - Am Samstagnachmittag wurde in der Plettenberger Schützenhalle ein großes Jubiläum gefeiert: Das 100-jährige Bestehen des Sozialverband Deutschlands (SoVD).

Rund 160 Mitglieder der elf Ortsverbände und des Kreisverbandes waren erschienen, um diesen Tag gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden Sieglinde Mycer aus Werdohl sowie einigen geladenen Ehrengästen zu begehen. 

Auf Initiative von Erich Kuttner wurde der Verband am 23. Mai 1917 unter dem Namen „Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“ gegründet. Damals ging es um die schwierige Versorgungssituation der Schwerverletzten und Hinterbliebenen des Ersten Weltkrieges. Heute geht die Zahl der Kriegsversehrten immer mehr zurück; zumindest in Deutschland, denn außerhalb Europas tobe „wieder oder immer noch der Wahnsinn Krieg“, so Sieglinde Mycer. 

Trotzdem habe der SoVD nichts an seiner Bedeutung eingebüßt; das Klientel sei nur ein anderes. Statt verletzter Soldaten und die Hinterbliebenen Gefallener nehmen heute Alte, Behinderte, schlicht: Bedürftige die Hilfe des SoVDs in Anspruch. „Der SoVD ist ein Sprachrohr für alle benachteiligten Menschen“, sagte der Landesvorstandsvorsitzende Franz Schrewe. Deutschland ist ein Sozialstaat. Hilfebedürftigen wird geholfen. 

Aber trotz des gut funktionierenden sozialen Systems sei es für den einzelnen Bürger schwer, seine Rechte durchzusetzen, waren sowohl Plettenbergs Bürgermeister Ulrich Schulte, wie auch Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag der Meinung. Silvia Voßloh, Bürgermeisterin von Werdohl, sprach vom „fast unüberschaubaren Sozialrecht“ und Schrewe gab zu Bedenken, dass „die sich gar nicht auskennen können, bei dem schnellen Wechsel der Verordnungen“. Das Erkennen, ob einem Leistungen zustehen, sei oftmals schon eine große Hürde, gefolgt von der zweiten, der korrekten Antragsstellung im bürokratieverliebten Deutschland. 

Seit nunmehr 100 Jahren setze hier der SoVD an, stehe dem Einzelnen beratend zu Seite, sorge für ein „einvernehmliches und friedliches Verhältnis zwischen Behörden und Betroffenen“, wie Landrat Thomas Gemke es ausdrückt, kämpfe aber auch wenn nötig bis zur letzten Instanz, um dem Bedürftigem zu seinem Recht zu verhelfen. Alle Redner stellten die besondere Bedeutung des SoVDs heraus: „Der Sozialverband ist eine ganze wichtige Institution“, so Gemke und „Man kann nicht oft genug ‘Danke’ sagen“, so Freitag. 

Das vielgehörte „Danke“ richtete sich neben den Vorsitzenden und hauptamtlichen Mitarbeitern auch an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Und da man von Glückwünschen allein nicht leben könne, wie Schulte es so schön ausdrückte, konnte sich Mycer im Namen des Kreisvorstandes über das ein oder andere „Flachgeschenk“ freuen. In Zeiten von „Perspektivlosigkeit und Altersarmut“ (Strewe), sei es traurig aber wahr, dass der Bedarf des SoVD auch die nächsten 100 Jahre bestehe, so Schulte. Die Mitgliederzahlen des SoVD nahmen in den letzten Jahren beständig zu. 

Dass sei erfreulich auf der einen, bedenklich auf der anderen Seite. Im Anschluss an den offiziellen Teil konnten sich die Gäste am Buffet bedienen, bevor sie einem Konzert des Werdohler Shanty-Chors lauschten und den Abend gemütlich ausklingen ließen.

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