Der "Barbier" lässt das Kirchenschiff erzittert

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Dmitri Grigoriev ist seit zwei Jahren Kreiskantor. Jetzt hatten die Werdohler Gelegenheit, ihn im Rahmen eines Konzertes näher kennen zu lernen.

Werdohl - Mit der Besucher-Resonanz konnten die Verantwortlichen zufrieden sein. Das Konzert „Arien und Tänze für Orgel“ am frühen Sonntagabend in der Christuskirche war mit mehr als 100 Zuhörern gut besucht. Marion Jeßegus begrüßte die interessierten Gäste zur Sommerabendmusik und stellte erfreut fest: „Die Sonne scheint, unser Titel passt also.“

Von Susanne Jentzsch

Und tatsächlich stimmte auch das bunt-leuchtende Licht der Kirchenfenster auf das ein, was das Publikum erwarten sollte: ein abwechslungsreiches Programm mit vielen Tempo- und Stimmungswechseln.

„Seit zwei Jahren ist er als Kreiskantor im Amt. Jetzt ist es an der Zeit, ihn auch mal als Organisten kennen zu lernen“, stellte Marion Jeßegus den Ausführenden des Abends, Dmitri Grigoriev, vor. „Arien und Tänze – was hat das mit der Orgel zu tun? Eigentlich nur sehr wenig. Aber, zu singen und sich dazu zu bewegen ist eine der urältesten Bedürfnisse des Menschen“, erläuterte der Kreiskantor das vor ihm liegende, musikalische Programm. Gerade die Anfangszeit der Musikkultur – etwa um 1180/1200 – sei von Tänzen geprägt gewesen.

Dmitri Grigoriev gab den Zuhörern eingangs des Konzerts einen kurzen Überblick bezüglich der Auswahl der Stücke, die einen Bogen vom Mittelalter bis in die Neuzeit spannten. Neben Komponisten wie Perotin le Grand (1180 bis 1236), der laut Grigoriev zwar kein großer Komponist der Musikgeschichte, aber durchaus ein bekannter Komponist Frankreichs gewesen sei, Giles Farnaby (1562 bis 1640) und Orlando Gibbons (1583 bis 1625), die beide am englischen Königshof tätig gewesen, durfte natürlich einer nicht fehlen: Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750).

„Kein Konzert ohne Bach“, räumte der Kreiskantor seine Begeisterung für den Komponisten ein und wies damit auf die „Zeit der Wiener Klassik“ hin, die im Folgenden den Programmablauf mit Haydn und Mozart bestimmte. Spieluhren, die „Musikautomaten der damaligen Zeit“, so Grigoriev, seien zu dieser Zeit immer populärer geworden. Hierfür hätten sowohl Haydn, Mozart wie auch Beethoven zahlreiche Stücke komponiert. „Damit wurde Geld verdient, denn ein Auftrag, eine große Messe zu schreiben, der kam eher selten. Die Spieluhren waren sozusagen die Pop-Musik der damaligen Zeit.“ Feine Spieluhr-Musik im Verlauf des Abends dann aus den mächtigen Orgel-Pfeifen zu hören – ein musikalisches Hörerlebnis, das vielen Besuchern ein Lächeln übers Gesicht huschen ließ.

Lautstarken Applaus hatten sich Dmitri Grigoriev und Marion Jeßegus im vorletzten Stück des Orgelkonzertes wahrlich verdient, als die beiden Organisten gemeinsam an der Königin der Instrumente Platz nahmen, um mit Gioacchino Rossini (1792 bis 1868) „Il Barbiere di Siviglia“ das Kirchenschiff „erzittern“ zu lassen. Ein fulminanter Abschluss – als abschließende Besonderheit erwartete das Publikum ein Improvisationsstück von Dmitri Grigoriev.

Während des Konzertes hatten die Besucher die Möglichkeit, Themen auf Wunschzetteln zu notieren, die der Kreiskantor zum Abschluss dieses musikalischen Abends dann auch spontan umsetzte.

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