Sommer ohne Sonne: „Es wird schon noch“

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Auch bei Nieselregen drehen Willi Skerra und Beate Alexander ihre Runden im Werdohler Freibad. ▪

WERDOHL ▪ Ein Thema ist zur Zeit in aller Munde: Der Sommer. Oder besser, der Sommer, den wir gerne hätten, aber eben nicht haben. „Einfach abhaken und nicht darüber reden“, gab sich eine Werdohlerin beim Wochenendeinkauf zugeknöpft. Nach der ersten Ferienwoche mit Regen in allen Variationen fragte der Süderländer dennoch: Wie kommen die Werdohler dadurch?

Abgehakt werden konnte am Freitag zumindest eine Aktion: Aus „Sonnenbrand am Lennestrand“ wurde nichts, die Veranstaltung im Rahmen des Kinderferienspaßes fiel ins Wasser. „Eigentlich wollten wir den Biwakplatz am Kettling in einen Strand verwandeln und Sand aufkippen lassen“, erzählt Betreuerin Anna-Katharina Reith. Statt Sand gibt es dort aber derzeit nur Matsch, das Wasser der Lenne ist außerdem so hoch, dass eine Party am „Strand“ zu gefährlich geworden wäre. Die 45 Kinder vergnügten sich gestern aber auch beim Indoor-Programm. In den Räumen des JBZ wurde gebastelt, getöpfert und gekickert.

Die Hoffnung auf ein paar schöne Tage hat auch Sabine Schmidt noch nicht aufgegeben. „Es wird noch,“ glaubt sie fest. Derzeit wischt sie draußen im Biergarten der Gaststätte Zum Spiegel allerdings höchstens das Regenwasser von den Tischen, statt hier Gäste zu bedienen. „Aber sobald es mal aufhört zu regnen, sitzen unsere Gäste gerne draußen“, erzählt sie. Vor ein paar Tropfen von oben schützt auch die Markise. Und ein paar schöne Tage habe es durchaus schon gegeben. „Dann bleiben die Leute auch bis nachts draußen sitzen“, hofft Sabine Schmidt noch auf den August und den September.

Auf einen heißen August und damit auch auf bessere Besucherzahlen im Werdohler Freibad setzt auch Stadtwerke-Geschäftsführer Joseph Beier. Die Zahl der Besucher liegt derzeit nämlich leicht unter dem Durchschnitt, „obwohl der Mai gut angefangen hatte“, wie Beier berichtet. 8 373 Badegäste wurden im Mai gezählt. „Das ist das zweitbeste Ergebnis der letzten sieben Jahre.“ Im Juni kamen dagegen nur 5 963 Besucher – das ist das schlechteste Ergebnis der letzten sieben Jahre. Die Schwankungen sind witterungsbedingt ohnehin jedes Mal groß. In einem heißen Sommer kommen 53 000 Besucher, in einem regenreichen geht die Zahl dagegen runter auf 33 000.

Manche Hartgesottene kann allerdings auch die Nässe von oben nicht abhalten. Willi Skerra und Beate Alexander sind regelmäßige Freibadbesucher – auch bei Regen. „Ist man einmal im Wasser, geht es“, empfiehlt Willi Skerra Schwimmen, um fit zu bleiben. Lediglich beim Weg unter die warme Dusche – das ist Pflicht – könnte es kühl werden, berichtete Skerra gestern, als er bei 13 Grad Außentemperatur seine Runden im 24 Grad warmen Wasser drehte.

Auch an den Tischen des Eiscafés in der Werdohler Innenstadt herrscht meistens gähnende Leere. Gefragt sind eher heiße Getränke als kühle Eisbecher, weiß Sara Kustusiak zu berichten. Im Eiscafé Valentino, in dem sie als Aushilfe arbeitet, wurde das Angebot schon angepasst: „Vor allem Waffeln mit heißen Kirschen sind beliebt.“ Sobald sich die Sonne zeigt – und sei es auch noch so kurz – nutzen die Kunden aber die Gelegenheit, nehmen draußen Platz und bestellen ein Eis, bevor der nächste Schauer runter geht. Auch bei den Kollegen vom „Bella Italia“ einige Meter weiter ist wenig los. Tische und Stühle werden erst gar nicht draußen aufgestellt. Dafür soll es auch hier bald mehr Kuchen im Angebot geben. Inhaber Rui Santos hofft zwar noch auf schönere Tage. Aber „man kann halt nichts gegen das Wetter tun.“

Wenn die Sonne schon nicht vom Himmel lacht, suchen sich einige Werdohler kurzerhand künstlichen Ersatz: Im Sonnenstudio „Well & Sun“ ist der Andrang in den vergangenen Tagen besonders groß. Inhaberin Stefanie Budde freut sich zwar über die vielen Kunden. Aber auch ihr wäre schöneres Wetter lieber. „Die meisten kommen nicht wegen der Bräune, sondern weil es einfach gut tut.“ Diejenigen, die unter Hautproblemen leiden, können auch nicht auf Linderung durch warme Sonnenstrahlen hoffen. „Draußen ist ja nichts“, meint die Geschäftsfrau resigniert. Ihre siebenjährige Tochter wurde im vergangenen Jahr eingeschult und erlebt gerade ihre ersten Sommerferien – und die fallen anscheinend buchstäblich ins Wasser. Budde bringt auf den Punkt, warum die meisten unter dem Wetter leiden: „Sonne ist gut für die Seele.“ ▪ von Simone Benninghaus und Andrea Mackenbruck

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