Traditionsbäckerei Solscheid schließt

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Die Bäckerei Solscheid wird Ende des Monats schließen. Gesundheitliche Aspekte haben Bäckermeister Udo Solscheid zu diesem Schritt veranlasst. Allerdings hat er die Suche nach einem Nachfolger noch nicht aufgegeben.

Werdohl - „Es tut mir wirklich leid, aber momentan gibt es keine andere Lösung“, sagt Bäckermeister Udo Solscheid. Der 59-Jährige wird seine traditionsreiche Bäckerei an der Freiheitstraße bereits Ende des Monats schließen.

Nicht einmal ein Jahr nach dem letzten Verkaufstag in den Filialen der alt eingesessenen Bäckerei Mähler in Kleinhammer, neben dem Netto in Pungelscheid und an der Dorfstraße in Plettenberg wird sich jetzt auch Udo Solscheid von seinen Kunden verabschieden. Allerdings nicht aus wirtschaftlichen Gründen, erklärt der Werdohler im Gespräch mit der Redaktion: „Gesundheitliche Aspekte haben mich zu dieser Entscheidung veranlasst.“

Udo Solscheid wird die Traditionsbäckerei nach 44 Arbeitsjahren Ende des Monats schließen. Bäckerin Bettina Kurschus hat 26 Jahre in der Backstube gearbeitet.

Eigentlich habe er die Bäckerei auch nicht schließen wollen, unterstreicht Udo Solscheid. „Ich habe schon längere Zeit nach einem Nachfolger gesucht“, berichtet er. Vor circa sechs Monaten sei er dann überzeugt gewesen, den Richtigen gefunden zu haben. „Der hat dann aber doch noch abgesagt“, stellt der Bäckermeister fest.

Schon jetzt sind die Öffnungszeiten der Bäckerei an der Freiheitstraße eingeschränkt.

Udo Solscheid hat 44 Jahre in der Bäckerei gearbeitet, die er von seinem Vater übernommen hatte. Sein Großvater hatte das Unternehmen vor 90 Jahren gegründet. „Ich bin im Alter von 15 Jahren eingestiegen“, erzählt der Werdohler. Die Arbeit in der Backstube habe ihm immer viel Spaß gemacht, sagt er. Doch dass sie alles andere als ein Zuckerschlecken ist, wird deutlich, wenn der Bäckermeister von seinem Arbeitsalltag erzählt: Von sonntags bis donnerstags stand er Woche für Woche von 2 Uhr nachts bis gegen 14 Uhr in der Backstube. In der Nacht auf Samstag ging es oftmals schon um 1 Uhr in der Backstube los, Schluss war dann dort meist gegen 11 Uhr, „wenn die letzten Brötchen raus waren“. An den wohlverdienten Feierabend habe er dann aber noch längst nicht denken können. „Die Backstube muss immer geputzt werden, das dauert circa zwei Stunden.“ Anschließend war oft Büroarbeit angesagt, denn um die Buchhaltung und die Löhne für seine Mitarbeiter hat sich der Werdohler in all den Jahren stets selbst gekümmert.

„Irgendwann reicht es. Besonders wenn die Gesundheit Probleme macht“, sagt der 59-Jährige. Denn auch zum Auskurieren von Krankheiten hat sich der Bäckermeister keine Zeit genommen. „In den 44 Arbeitsjahren habe ich 18 Tage krank gefeiert“, erzählt er.

Ganz ähnlich hat es auch Bäckerin Bettina Kurschus (50) gehandhabt, die seit 26 Jahren in der Bäckerei Solscheid arbeitet. „Sie war in dieser Zeit zwei Wochen krank, wenn es hoch kommt“, erklärt ihr Chef – und stellt seiner Mitarbeiterin ein erstklassiges Zeugnis aus: „Solche Mitarbeiter findet man heute nicht mehr.“ Das gelte auch für Bäcker Kai Funke, der einmal wöchentlich in der Backstube an der Freiheitstraße stand, damit Bettina Kurschus ihren freien Tag nehmen konnte.

Obwohl Udo Solscheid die Bäckerei in knapp zwei Wochen schließen wird, hat er die Hoffnung, dass die Werdohler an der Freiheitstraße demnächst wieder frische Brötchen kaufen können, noch nicht aufgegeben: „Ich werde auf jeden Fall noch weiter nach einem Nachfolger suchen“, verspricht seinen Kunden.

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