Grundschulen müssen umplanen

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Wie kann Grundschule in Zeiten von Corona funktionieren? Die CDU informierte sich in dieser Woche bereits bei Birgit Heckmann, Leiterin der Balver Grundschule.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Alle Grundschüler sollen ab dem 11. Mai wieder nach einem rollierenden System in ihre Schulen zurückkehren. So lautet der Vorschlag des Landes NRW, der für die Schulen noch einmal viel Arbeit bedeuten würde.  

Gerade hatten Nina Manns, die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Werdohl, sowie ihre Kolleginnen Maria Apprecht (Katholische Grundschule St. Michael Werdohl) und Britta Schwarze (Städtische Evangelische Martin-Luther-Grundschule Werdohl) den Stundenplan für die Viertklässler, die ab dem 7. Mai wieder in die Schule gehen dürfen, fertiggestellt – und schon ist alles wohl wieder hinfällig.

Denn am Donnerstag in der Mittagszeit erreichte die Schulleiter die inzwischen 17. Ministeriums-Mail zum „Umgang mit dem Corona-Virus an Schulen“.

Neue Mail des Ministeriums

Darin ist als Vorschlag zu lesen: Ab dem 11. Mai soll ein Jahrgang pro Werktag in den Grundschulen unterrichtet werden. Endgültig entschieden werden soll über diese Option allerdings erst am 6. Mai, wenn Bund und Land ihr nächstes Corona-Meeting durchführen. „Wir starten den Unterricht, wie geplant, am Donnerstag mit den Viertklässlern, die aber dann nur noch am folgenden Freitag unterrichtet werden“, berichtet Manns. Sie ergänzt: „Also müssen wir deren Eltern jetzt mitteilen, dass doch wieder alles umgeschmissen wird.“ Denn am Montag, 11. Mai, dürfte das rollierende System starten. „Wir werden vermutlich mit den Erstklässlern beginnen“, erklärt die Schulleiterin. Dienstags wären dann die Zweitklässler an der Reihe, mittwochs die Drittklässler und erst donnerstags würden wieder die Viertklässler unterrichtet. 

Der Unterricht soll laut Ministerium nach einem festen Plan bis zu den Sommerferien stattfinden. „Das halten wir Werdohler Schulleiterinnen alle für ganz wichtig, damit die Eltern Planungssicherheit haben“, unterstreicht Nina Manns.

Für die Rektorinnen und die Kollegien der Werdohler Grundschulen bedeute dies allerdings erneut einen enormen Planungsaufwand: Klassen müssen in kleine Lerngruppen aufgeteilt in verschiedenen Räumen unterrichtet werden. Die Notbetreuung – in der Kinder aller Grundschul-Jahrgänge aufgefangen werden – soll parallel dazu weiterlaufen. Pausenzeiten müssen entsprechend genau geplant werden – und: „Auch, wenn die Kinder zur Toilette gehen, müssen wir darauf achten, dass sich die Gruppen nicht mischen. Die Toiletten müssen genau beschriftet werden.“ 

Enormer Planungsaufwand

Alle Kollegien hätten in den vergangenen Wochen bewiesen, „dass sie hochflexibel sind“, sagt Manns. Sie spricht von einem enormen Zusammenhalt in der gesamten Lehrerschaft („Wir fahren hier in Werdohl an jeder Grundschule die gleiche Linie“) und einer guten Zusammenarbeit mit dem Schulträger, der jetzt ebenfalls gefordert ist. 

„Wir müssen in erster Linie sicherstellen, dass die Schülerbeförderung klappt. Das ist elementar“, sagt Reinhardt Haarmann, Leiter der Abteilung Schule, Kultur, Sport und Service. Zudem werde selbstverständlich in Abstimmung mit den Schulleitungen sichergestellt, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden können.

Auch Birgit Heckmann, die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule St. Johannes Balve, sieht in dem rollierenden System mit tageweisem Unterricht eine „Planungsherausforderung“. In der nächsten Woche werde der Plan erstellt, dem die Eltern entnehmen können, an welchem Tag und wie lange ihr Kind unterrichtet wird. 

"Fair für Schüler und Lehrer"

Auch der Hygieneplan, die Sitzordnungen, die Toilettennutzung und die Pausenzeiten müssten an die neuen Bedingungen angepasst werden. Vor dem Schulstart werde es ein weiteres Treffen geben, wo all dies noch einmal abgestimmt werden solle. „Wir werden für alles eine Lösung finden“, ist die Schulleiterin zuversichtlich. 

Sie freue sich, demnächst jedes Kind mindestens ein Mal in der Woche sehen zu können: „Dieses rollierende System ist ein faires für Schüler und Lehrer. Ein erster Schritt, allerdings noch weit weg von der Normalität.“ 

Ira Valsamidou als Leiterin des Ressorts Schule beim Schulträger Stadt Neuenrade konnte berichten, dass die Stadt für die avisierte Öffnung der Burgschule und des Schulstandortes Altenaffeln „ihre Hausaufgaben gemacht hat“. Der Schulträger hat die Pflicht, sich um die Gebäude und Lernmittel zu kümmern und ist damit auch für die Einhaltung der Hygienestandards zuständig. Das bedeutet bei Grundschülern noch einmal eine besondere Herausforderung: Zunächst gab es für die Schule am Dienstag und Mittwoch „eine umfassende Grundreinigung“, zudem wurden die Armaturen in den Waschräumen gewechselt, nun können sich die Kinder die Hände waschen, ohne die Armaturen zu berühren, entsprechende Seifenspender wurden ebenfalls angebracht. 

Nicht einfach wird es mit den Desinfektionsmitteln. Damit könnten die Kinder noch nicht umgehen, deshalb müsse eine Aufsicht dabei sein.

Genug Platz für Sicherheitsabstand

Ausdrücklich lobte Valsamidou die Hausmeister: „Die haben eine super Arbeit geleistet.“ Auch mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft wurde Rücksprache wegen des Transports der Schüler gehalten. Zu einer eventuellen Maskenpflicht sagte sie, dass die nachrangig sei. Priorität hätten die Abstände, da sei wohl genug Platz. 

Schulleiter Awerd Riemenschneider kommentierte die Schulöffnung unter diesen Vorgaben mit einem gewissen Stirnrunzeln. Man sei – nachdem vom Land zunächst ausdrücklich die Öffnung der Grundschulen für Viertklässler vorgesehen war – etwas irritiert, dass nun alle Jahrgänge ab 11. Mai die Schule besuchen sollen. Riemenschneider vermutet juristische Gründe für diesen Wechsel. 

Auf gewisse Szenarien hatte sich die Schule vorbereitet, denn nach dem, was bisher kommuniziert worden sei, hätte eine schrittweise Beschulung der Grundschüler bis zu den Sommerferien erfolgen sollen. „Nun stehen wir eben vor einer neuen Aufgabe. Dabei hatten wir ein System – nach meiner Auffassung sogar ein besseres –, mit dem wir zunächst die Beschulung der Viertklässler und später der anderen Jahrgänge bis zu den Sommerferien gewährleistet hätten.“ Selbstverständlich werde man sich nun auf die neue Vorgaben einstellen. 

Anfang der kommenden Woche werde man die Details zum neuen Vorschlag erarbeitet haben. Auf jeden Fall hoffe er, dass „die Eltern dann Gewissheit hätten bis zu den Sommerferien“.

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