Masterplan 2040

So wollen Schüler die Zukunft ihrer Stadt mitgestalten

Einen Workshop zum Thema Stadtentwicklung leitete Werdohls Wirtschaftsförderer Andreas Haubrichs (rechts) in der Gesamtschule. Schüler und auch Bürgermeister Späinghaus waren vor Ort, Stadtplaner Rüdiger Wagner war per Videokonferenz aus Köln zugeschaltet.
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Einen Workshop zum Thema Stadtentwicklung leitete Werdohls Wirtschaftsförderer Andreas Haubrichs (rechts) in der Gesamtschule. Schüler und auch Bürgermeister Späinghaus waren vor Ort, Stadtplaner Rüdiger Wagner war per Videokonferenz aus Köln zugeschaltet.

Nicht erst seit der Schließung des WK Warenhauses steht die Stadt Werdohl vor der immensen Herausforderung, der Innenstadt neues Leben einzuhauchen. Das ist Bestandteil des Stadtentwicklungskonzeptes „Masterplan 2040“, an dem jetzt auch ein Erdkunde-Leistungskurs der Gesamtschule mitarbeitet. Die jungen Ideen der Schüler sind sehr gefragt.

Werdohl ‒ Statistisch gesehen gehört Werdohl zu den jüngsten Kommunen in Südwestfalen: Beinahe jeder fünfte Einwohner ist jünger als 19 Jahre, älter als 60 Jahre sind rund 27 Prozent. Damit liegt die Stadt an Lenne und Verse auf dem 78. Platz unter den 396 Kommunen in NRW. Deshalb ist es wichtig, dass bei der Erstellung des Stadtentwicklungskonzeptes mit dem Titel „Masterplan 2040“ auch die junge Generation zu Wort kommt. Der Erdkunde-Leistungskurs des 12. Schuljahrs der Albert-Einstein-Gesamtschule hat sich in dieser Woche mit dem Thema auseinandergesetzt.

Andreas Haubrichs, der als städtischer Wirtschaftsförderer an der Entwicklung des Masterplans für Werdohl beteiligt ist, leitete den Workshop im Festsaal Riesei. Es gehe darum, jetzt zu erfahren, wie sich die Schüler das Leben in Werdohl in 20 Jahren vorstellen, sagte Haubrichs, der in Bochum selbst Geografie mit dem Schwerpunkt Stadt- und Regionalentwicklungsmanagement studiert hat.

Schüler brennen aufs Mitwirken

Dass nun ausgerechnet ein Erdkunde-Leistungskurs der Gesamtschule sich mit dem Strukturwandel und Stadtentwicklung befasst, bezeichnete Haubrichs als Glücksfall, ebenso wie es Erdkundelehrer Falk Metzler begrüßte, dass seine Schüler das theoretische Wissen aus dem Unterricht durch den Workshop in der Praxis einsetzen können. „Die Schüler brennen darauf, etwas über ihre Stadt zu erfahren und an der Neugestaltung mitzuwirken“, versicherte Metzler, dass der nachwachsenden Generation durchaus an der Mitgestaltung ihrer eigenen Zukunft gelegen sei.

Der Workshop, den als Gast auch Bürgermeister Andreas Späinghaus verfolgte, war ein Mix aus Präsenz- und Digitalveranstaltung: Den Schülern, ihrem Lehrer und Andreas Haubrichs, die sich im Festsaal getroffen hatten, waren mit Rüdiger Wagner und Vanessa Müller zwei mit der Entwicklung des Konzeptes beauftragten Stadtplaner aus Köln in einer Videokonferenz zugeschaltet. So konnten sich Schüler und Profis austauschen.

Stärken und Schwächen Werdohls finden

Zunächst aber galt es für die Abiturienten des Jahres 2022, Stärken und Schwächen Werdohls herauszufinden und Ideen für die Zukunft zu entwickeln. In mehreren Gruppen tauschten sich die Schüler darüber aus. Auch Nella (17), Tristan (18) und Noel (17) steckten die Köpfe zusammen und machte sich Gedanken über wichtige Orte in Werdohl und wie sie weiterentwickelt oder sogar ganz neu genutzt werden könnten. Ganz oben auf der Liste der drei jungen Werdohler: das zur Jahresmitte geschlossene WK Warenhaus und der vorgelagerte Brüninghaus-Platz.

Mit dem Stadtentwicklungskonzept für Werdohl beschäftigten sich auch Nella (17), Tristan (18) und Noel (17, von links). Den drei jungen Werdohlern liegt die Zukunft ihrer Stadt am Herzen.

Aus dem ehemaligen Kaufhaus könne doch eine Halle für Laserspiele werden, fanden sie, aber auch eine Nutzung durch eine Fast-Food-Kette könnten sie sich vorstellen. Ebenfalls für denkbar hielten sie, dass aus dem geschlossenen Kaufhaus doch wieder ein Konsumtempel werden könnte: Ein Einkaufscenter in Werdohls Stadtmitte sei jedenfalls wünschenswert.

Auch andere Gruppen hatten sich gedanklich mit der Zukunft der WK-Immobilie befasst, ihre Ideen waren ganz ähnlich. Das führte Stadtplaner Wagner zu der nicht ganz überraschenden Erkenntnis, dass die Folgenutzung des WK Warenhauses bei der Entwicklung des Masterplans für Werdohl eine zentrale Rolle spielen müsse.

Das fehlt auf dem Brüninghaus-Platz

Was den Brüninghaus-Platz vor dem WK angeht, fehlt vielen AEG-Schülern offensichtlich die natürliche Komponente. „Mehr Grün“ forderten sie, damit die Aufenthaltsqualität steige. Auch könne der Platz häufiger für Veranstaltungen genutzt werden, was den Erlebniswert der Innenstadt erhöhe. Attraktiver könnten nach Auffassung der Schüler auch andere Orte in Werdohl gestaltet werden: der Biwakplatz am Kettling ebenso wie der Spielplatz an der Goethestraße. Auch für die Lennepromenade entwickelten sie Ideen, die von einem Minigolf-Platz bis zum Kanu- und Kajakfahren auf der Lenne reichten.

Auffallend war, dass es den Schülern leichter fiel, Schwächen Werdohls aufzulisten als sich die Stärken der Stadt in Erinnerung zu rufen. „Das liegt daran, dass die Nachteile einfach öfter Gesprächsthema sind“, suchte Noel nach einer Erklärung dafür. Dabei lebe er eigentlich gerne in Werdohl, versicherte der 17-Jährige. In die Großstadt ziehe es ihn nicht. Da lag er auf einer Wellenlänge mit dem 18-jährigen Tristan, den es „nur ab und zu“ in eine größere Stadt ziehe. Die 17-jährige Nella gab dagegen an, sehr gerne in größere Städte zu fahren, „nach Dortmund oder wenigstens mal nach Lüdenscheid.“ Ihre Begründung: „In Werdohl gibt es ja praktisch keine Bekleidungsgeschäfte.“

Wichtiger Aspekt für das Konzept

Neben dem Erlebnisfaktor und den Konsummöglichkeiten beleuchteten die Schüler aber auch andere Aspekte Werdohls. Einige fanden, dass die Mietwohnungen dringend modernisiert werden müssten, andere machten sich Gedanken über das Zusammenleben der Generationen. Auch das Miteinander der vielen verschiedenen Religionen und Nationen an Lenne und Verse arbeiteten die Geografieschüler der AEG heraus. Stadtplaner Wagner fand es „gut, dass sich die Schüler nicht nur über sich selbst als Zielgruppe Gedanken gemacht haben“. Und er entdeckte in dem Hinweis der jungen Leute auf die multikulturelle Gesellschaft Werdohls einen Ansatzpunkt für die weitere Arbeit an dem Masterplan: „Das müssen wir sicherlich stärker im Stadtentwicklungskonzept verankern“, sagte er.

Vorlegen will das Kölner Planungsbüro den Masterplan, nach dem Werdohl fit gemacht werden soll für die nächsten 20 Jahre, im Frühjahr. Umgesetzt werden solle das Konzept dann Schritt für Schritt „wahrscheinlich ab Mitte 2021“, skizzierte Andreas Haubrichs den Zeitplan. „Sicherlich wird man nicht alles sofort umsetzen können, da geht es in dem einen oder anderen Fall ja sicherlich um die Finanzierung“, gab er zu bedenken. Mit der erfolgreichen Bewerbung um Fördermittel aus dem „Sofortprogramm Innenstadt NRW“ – Werdohl erhält daraus knapp 570.000 Euro – sei aber schon ein erster Schritt getan, um die eine oder andere Maßnahme finanzieren zu können, sagte Haubrichs.

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