Energetische Sanierung

So wappnet sich Wohnungsgesellschaft für die Energiewende

Die „Belgier-Häuser“ in Ütterlingsen werden gerade saniert. Markus Zanger (links) und Ingo Wöste erläuterten, was genau gemacht wird.
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Die „Belgier-Häuser“ in Ütterlingsen werden gerade saniert. Markus Zanger (links) und Ingo Wöste erläuterten, was genau gemacht wird.

Rund 1,7 Millionen Euro investiert die Wohnungsgesellschaft Werdohl (Woge) in diesem Jahr in ihre Immobilien in Werdohl. Das Geld fließt in die energetische Sanierung der Häuser Ütterlingser Straße 32, 34, 38 und 40, Breslauer Straße 35 und 37 sowie Albert-Schweitzer-Straße 26 und 28. In einem Objekt setzt die Woge bei der Heizung auf Hightech.

Werdohl ‒ An der Albert-Schweitzer-Straße haben die Gerüstbauer ihre Konstruktionen am Donnerstag wieder abgebaut, denn dort sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Die beiden Häuser haben neue Dächer und Fenster erhalten, die Fassade und die Kellerdecken sind gedämmt worden und die 30 Jahren Gasheizungen sind durch neue Modelle mit Brennwerttechnik ersetzt worden. Darüber hinaus sind die Treppenhäuser gestrichen und die Bäder renoviert worden. Rund eine halbe Million Euro hat sich die Woge das kosten lassen.

„Belgier-Häuser“ werden eingepackt

Noch fleißig gearbeitet wird dagegen in Ütterlingsen. Dort werden die sogenannten „Belgier-Häuser“ energetisch saniert. Die in den Nachkriegsjahren erbauten Mehrfamilienhäuser an der Ütterlingser Straße, in denen einst Angehörige der belgischen Streitkräfte gewohnt haben, hat die Woge Mitte der 1990er-Jahre gekauft. Die beiden Häuser mit je sechs Wohneinheiten erhalten nun neue Fenster, wobei noch fehlende Rollläden nachgerüstet werden. Darüber hinaus werden die Dächer komplett erneuert, es gibt neue Balkongeländer und neue Haustüranlagen mit modernen Gegensprechanlagen. Außerdem werden die Häuser in eine 14 Zentimeter dicke Wärmedämmung eingepackt, auf die schließlich ein mineralischer Kratzputz aufgetragen wird. Die Kellerdecken sind bereits in den Wintermonaten gedämmt worden. Wenn dann schließlich am Eckhaus mit der Hausnummer 32 auch die Zuwegung erneuert worden ist, wird die Woge rund 600.000 Euro investiert haben.

Die Woge-Häuser an der Albert-Schweitzer-Straße sind bereits fertig saniert, am Donnerstag wurde das Gerüst abgebaut.

Nur etwas mehr als einen Steinwurf entfernt sind gerade die Heizungsbauer an der Arbeit. Sie bauen in das Hochhaus mit der postalischen Anschrift Ütterlingser Straße 38 und 40 beziehungsweise Breslauer Straße 35 und 37 eine Gasbrennwertheizung und eine Gaswärmepumpe ein. Beide zusammen ersetzen die vorletzte Ölheizung im Immobilienbestand der Woge, die damit ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten will. „Als teilkommunale Wohnungsgesellschaft haben wir eine Verantwortung für das Klima, wir müssen da vorangehen“, sagt Geschäftsführer Ingo Wöste.

In sechs Jahren auf neuestem Stand

Deshalb, aber auch, weil die Kosten für fossile Brennstoffe perspektivisch steigen werden, setze die Woge auch so viel Geld für die energetische Sanierung ihres Immobilienbestandes ein, nicht nur in Ütterlingsen. Wöste ist überzeugt, dass dies der richtige Weg ist und glaubt, dass die Woge ihre rund 200 Häuser in fünf bis sechs Jahren auf dem neusten Stand habe.

Premiere im Woge-Hochhaus

Jetzt aber geht es erst einmal darum, das 1967 fertig gestellte Hochhaus mit 53 Mietwohnungen und neun Gewerbeeinheiten zukunftsfest zu machen. Dabei setzt die Woge auf eine besondere Heiztechnik. Das Neuenrader Heizungsbauunternehmen Volker Listringhaus baut erstmals in ein Woge-Haus eine Gaswärmepumpe ein. Wobei: Dass das Aggregat eingebaut wird, ist eigentlich nicht ganz richtig, denn es steht auf einem kleinen Podest im Hinterhof. „Das ist Hightech“, beschreibt Diplom-Ingenieur Listringhaus das Gerät, das die Wohnungen und Gewerberäume des Hochhauses demnächst mit Wärme versorgen soll.

Wie die Gaswärmepumpe funktioniert, erfuhr Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste (links) von Diplom-Ingenieur Volker Listringhaus.

Das Prinzip der Wärmepumpe ist nicht ganz neu, die Besonderheit an diesem Modell ist aber, dass es mit Erdgas angetrieben wird. Damit hat die Gaswärmepumpe einen Vorteil gegenüber herkömmlichen, mit Strom angetriebenen Modellen. „Die Kilowattstunde Gas kostet sechs bis sieben Cent“, rechnet Volker Listringhaus vor. Für Strom zahlen Verbraucher mittlerweile das Fünffache.

Die Wärmepumpe kann die Immobilie an den meisten Tagen eines Jahres mit ausreichend Wärme versorgen. Nur bei ganz tiefen Temperaturen stößt sie an ihre Grenzen, dafür installiert die Firma Listringhaus im Keller deshalb noch eine Gasbrennwertheizung. Die Investitionskosten für den Austausch der Ölheizung gegen die Heizung mit Gaswärmepumpe sind mit 235.000 Euro nicht gerade gering. Allerdings erhält die Woge einen 40-prozentigen Zuschuss des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das den Austausch von Ölheizungen gegen energieeffizientere Anlagen fördert. Die Woge muss in ihrer Bilanz also nur 141.000 Euro aktivieren, wodurch sich die nach der Modernisierung fällige Mietpreiserhöhung in Grenzen hält. Die Miete werde um 15 Cent pro Quadratmeter steigen, kündigte Wöste an.

Vorbereitung auf die Energiewende

Der Einbau der neuen Heizung ist aber nicht einzige Modernisierungsmaßnahme im Hochhaus. Für rund 400.000 Euro werden auch die elektrischen Anlagen erneuert. Aus Sicht von Ingo Wöste geht daran kein Weg vorbei. „Strom wird zum zentralen Punkt der Energiewende“, ist er überzeugt, dass der Bedarf an elektrischer Energie in Zukunft rasant zunehmen wird. Wöste nennt zum Beispiel das wachsende Bedürfnis nach Ladestationen für elektrisch angetriebene Autos. Die Installation von mehreren Ladestationen an einem Mehrfamilienhaus könne schnell die Kapazitätsgrenzen der Stromleitungen aufzeigen.

Wöste denkt aber noch weiter, wenn er über die Bedeutung von Strom redet. So ist er davon überzeugt, dass diese Energie in Zukunft vor allem dezentral produziert wird. Deshalb müssten die Woge-Immobilien auf die Installation von Photovoltaikanlagen vorbereitet werden. „Wir fangen jetzt an, unsere Häuser zukunftsfähig zu machen“, sagt Wöste mit Blick auf diese Technologie der Stromerzeugung durch Sonnenkraft.

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