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So wappnet sich die Werdohler Feuerwehr für einen möglichen Blackout

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Von: Maximilian Birke

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Löschzugführer Christian Wagner zeigt die Haustechnik, die einen Stromausfall oder eine Schwankung im Stromnetz erkennt und binnen Sekunden automatisch die Notstromversorgung aktiviert.
Löschzugführer Christian Wagner zeigt die Haustechnik, die einen Stromausfall oder eine Schwankung im Stromnetz erkennt und binnen Sekunden automatisch die Notstromversorgung aktiviert. © Birke, Maximilian

Gut gewappnet für einen möglichen Blackout im Winter ist der Löschzug Eveking der Werdohler Feuerwehr. Das liegt an besonderer Technik, mit der auch das Gerätehaus Stadtmitte und das Rathaus an der Goethestraße noch ausgestattet werden.

Werdohl ‒ Wie Christian Wagner, Zugführer des Löschzugs Eveking, berichtet, kann das Gerätehaus im Fall eines länger andauernden Stromausfalls für mehrere Tage völlig autark mit Strom und Wärme versorgt werden. Grund dafür ist ein großes Notstromaggregat, das eine Nennleistung von gut 40 Kilovoltampere hat. Dieses Aggregat wurde am Gerätehaus platziert und mit der Gebäudetechnik verbunden.

Die Funktionsweise, die Wagner jetzt demonstrierte, ist durchaus beeindruckend: Durch sensible Elektrotechnik wird im Gerätehaus Eveking die Spannung im Stromnetz überwacht. Wenn die Geräte eine Schwankung oder gar einen Ausfall der Stromversorgung erkennen, reagiert das System. Schon nach etwa drei Sekunden springt vollautomatisch das große Dieselaggregat an, das außerhalb des Gebäudes steht, und beginnt mit der Stromproduktion, nach sieben weiteren Sekunden wird mit einem lauten Klacken die Stromversorgung für das Gerätehaus umgeschaltet und die Spannung vom Generator abgenommen. Mühelos gab der Generator bei der Demonstration 6500 Watt an das Gebäude ab.

Höchstens zehn Sekunden Stromausfall

Für die insgesamt zehn Sekunden, die von Beginn des Ausfalls bis zur Notstromversorgung vergangenen sind, kann eine Unterspannungsversorgung (USV) einspringen. Die ist vergleichbar mit einer Art Akkusystem und sorgt dafür, dass beispielsweise der Computer, auf dem eingehende Einsatzalarme angezeigt werden, nicht abstürzt und neu gestartet werden muss. „Unsere Anlage reagiert auf jegliche Stromnetz-Schwankungen, nicht nur auf Katastrophenfälle“, erklärt Christian Wagner, der sichtlich stolz auf die Technik ist. Es sei zwar eher unwahrscheinlich, dass es im Winter tatsächlich einen Blackout geben könnte, dennoch ist es gut, darauf vorbereitet zu sein.

Heizung benötigt keinen Brennstoff

An den Generator angeschlossen ist unter anderem die Heizung des Gerätehauses, die mit Wärmepumpen arbeitet. Diese Art Heizung zeichnet sich dadurch aus, dass sie keinen Brennstoff benötigt, wohl aber Strom, um ihren Dienst verrichten zu können. Dank der Notstromversorgung bliebe es also im Falle eines Blackouts warm im Gerätehaus. Doch damit ist der Dieselgenerator längst nicht ausgereizt: Im Innern arbeitet ein unverwüstlicher Sechszylinder-Dieselmotor, vergleichbar mit dem eines Sattelschleppers, weiß Wagner. Weitere Stromabnehmer stellen daher keine große Herausforderung dar und so befinden sich an der Vorderseite des Aggregates mehrere Starkstrom-Steckdosen, die je nach Bedarf nutzbar sind.

1000 Liter Diesel fasst der Tank, mit dem die Stromversorgung für mindestens eine Woche sichergestellt werden kann. Die feuerverzinkte Stahlbox kann auch als mobile Tankstelle eingesetzt werden.
1000 Liter Diesel fasst der Tank, mit dem die Stromversorgung für mindestens eine Woche sichergestellt werden kann. Die feuerverzinkte Stahlbox kann auch als mobile Tankstelle eingesetzt werden. © Birke, Maximilian

„Im Katastrophenfall könnten zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz oder die Malteser die Vorrichtung nutzen, um Essen und warme Getränke zuzubereiten“, skizziert Christian Wagner. Mit dem eingebauten 40-Liter-Dieseltank kann das Aggregat für etwa acht bis zwölf Stunden Strom liefern. „Im Gerätehaus haben wir aber noch einen großen Tank, der bei Bedarf leicht angeschlossen werden kann“, erläutert der Löschzugführer weiter.

Mindestens eine Woche autark

„Mit diesem Tank können wir uns für mindestens eine Woche autark versorgen – selbst, wenn der Generator unter Volllast läuft. Bleibt er darunter, reicht der Kraftstoff auch länger.“ Der externe Dieseltank ist durch seine sichere Bauweise und die Kapazität übrigens auch als mobile Tankstelle einsetzbar und kann zum Beispiel auf dem neuen Gerätewagen Logistik (GW-L) transportiert werden, den die Feuerwehr in diesem Jahr in Dienst gestellt hat und der im Gerätehaus Stadtmitte steht.

Die Anschaffung des Generators wurde bereits vor rund drei Jahren vom Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) beschlossen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass für die Bevölkerung im Fall eines Blackouts Licht- und Wärmepunkte geschaffen werden können, die im Notfall als Anlaufstellen dienen. Seit etwa anderthalb Jahren steht der Generator in Eveking und wurde vor kurzen durch den neuen 1000-Liter Diesel-Tank ergänzt.

So viel kostet die Ausstattung

Natürlich ist eine solche Ausstattung nicht günstig. Wie Kämmerin Vanessa Kunze-Haarmann berichtet, liegen die Kosten allein für die zwei Generatoren, die für das Gerätehaus Stadtmitte und das Rathaus noch im Zulauf sind, bei etwa 67.000 Euro. Der Generator in Eveking dürfte also ebenfalls mit mehr als 30.000 Euro zu Buche geschlagen haben. Hinzu kommen noch der Einbau und der Anschluss an die Haustechnik. Eine viel größere Herausforderung sei es aber, die Geräte überhaupt zu bekommen. „Für Stadtmitte und das Rathaus haben wir jetzt zugesagte Liefertermine für die Kalenderwoche 43“, berichtet Kunze-Haarmann. Ob es mit Blick auf die Lieferengpässe dabei bleibt, wird sich zeigen. Im Gerätehaus Stadtmitte sei bei der Anschaffung bedacht worden, dass das Gerät beizeiten mit umziehen muss, betont Feuerwehr-Chef Kai Tebrün. Schließlich wird das bestehende Gerätehaus in den nächsten Jahren aufgegeben und ein Neubau am Grasacker erfolgen (wir berichteten). „Auch in Kleinhammer haben wir die Notstromversorgung sichergestellt“, hebt Tebrün hervor. „Dort haben wir in diesem Jahr einen mobilen Generator in Dienst gestellt, der ebenfalls reichlich Strom produzieren kann.“

Dieser wurde aus Spenden finanziert, ergänzt Kunze-Haarmann. Ob die Kosten für die drei übrigen Geräte bei der Stadt bleiben oder das Land noch einen Zuschuss leistet, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Werdohler Kämmerin jedenfalls stellt fest: „Eigentlich ist der Katastrophenschutz Aufgabe des Landes und nicht der Kommunen. Aber wir haben jetzt eine Verantwortung gegenüber den Bürgern, der wir nachkommen.“

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