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So viele Schüler sind in Werdohl mit dem Coronavirus infiziert

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Von: Volker Griese

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Mit sogenannten Lolli-Tests werden Grundschüler auf eine Corona-Infektion getestet. Das zweistufige Verfahren ist aber in der Kritik, weil überlastete Labore die Ergebnisse nicht schnell genug liefern können.
Mit sogenannten Lolli-Tests werden Grundschüler auf eine Corona-Infektion getestet. Das zweistufige Verfahren ist aber in der Kritik, weil überlastete Labore die Ergebnisse nicht schnell genug liefern können. © Peter Kneffel

Landesweit steigen in diesen Tagen die Corona-Zahlen – auch und gerade bei Kindern und Jugendlichen. Davon sind auch die Schulen betroffen – in Werdohl in besonderem Maß. Die Schulen in der Stadt an Lenne und Verse nennen einen Anteil an infizierten Schülern, der bis zu vier Mal höher ist als der Landesdurchschnitt.

Werdohl ‒ Das NRW-Schulministerium meldete in dieser Woche, dass sich knapp ein Prozent (0,99 Prozent) der Schülerinnen und Schüler im Land mit dem Coronavirus infiziert haben und sich 1,38 Prozent in Quarantäne befänden. In Werdohl sind die Zahlen höher: An den drei Grundschulen sind 2 Prozent der insgesamt 689 Kinder infiziert, 2,6 Prozent befinden sich in Quarantäne.

Am stärksten verbreitet ist das Virus an der katholischen St.-Michael-Grundschule: In der Einrichtung in der Stadtmitte sind 3,7 Prozent der Kinder an Covid-19 erkrankt, 3,2 Prozent mussten sich in Quarantäne begeben. Dort ist auch eine Lehrperson positiv auf das Virus getestet worden.

An der Gemeinschaftsgrundschule mit ihren beiden Standorten Königsburg und Kleinhammer sind jeweils 1,5 Prozent der insgesamt 330 Schülerinnen und Schüler infiziert oder in Quarantäne. Die evangelische Martin-Luther-Grundschule in Ütterlingsen meldete am Freitag eine Infektionsrate von 1,2 Prozent unter den Schülerinnen und Schülern. Dort ist mit 4,1 Prozent der Anteil der Kinder, für die eine Quarantäne angeordnet werden musste, höher als an den anderen Werdohler Grundschulstandorten.

Die Leitungen der Grundschulen finden zwar kritische Worte für das Testverfahren, folgen aber mehrheitlich Schulministerin Yvonne Gebauer, die unbedingt am Präsenzunterricht festhalten will. „Die Kinder brauchen die Regelmäßigkeit von Schule und die Struktur des Unterrichts“, begründet das zum Beispiel Britta Schwarze, Leiterin der Martin-Luther-Grundschule. Auch Nina Manns, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule, möchte mit dem Präsenzunterricht „auf keinen Fall“ aussetzen. „Solange wir es mit einer so geringen positiven Fallzahl zu tun haben und sich auch kein undurchsichtiges Weiterverbreiten zeigt, hat der Präsenzunterricht oberste Priorität“, sagt sie.

Kritik üben die Leiterinnen der Grundschulen an der von der Landesregierung vorgeschriebenen Teststrategie. An den Grundschulen werden derzeit zwei Mal wöchentlich alle Kinder im PCR-Pooltest-Verfahren getestet: In der ersten Schulstunde geben alle Schüler einer jeden Klasse ihre Teststäbchen mit einer Speichelprobe in ein Sammelröhrchen (Pool). Ein weiteres Stäbchen eines jeden Kindes wird separat ins Labor geschickt. Im Labor werden dann zunächst die Abstriche des gesamten Pools untersucht. Nur bei einem positiven Pool-Ergebnis werden dann noch alle Einzelabstriche aus der jeweiligen Klasse untersucht.

Die Pool-Ergebnisse sollen eigentlich bis zum Abend des Testtages und die Einzelergebnisse bis zum nächsten Morgen vorliegen. Weil die Labore überlastet sind, klappt das aber oftmals nicht. „Die Einzeltestergebnisse kommen frühestens am nächsten Abend. So fällt auch weiterhin nach einem positiven Pool-Test der Unterricht am Folgetag aus“, schildert Nina Manns, wie es in der Praxis ausieht. Maria Apprecht von der St.-Michael-Grundschule berichtet von verunsicherten Kindern, hohen Belastungen für die Eltern und besorgten Lehrern infolge von langen Wartezeiten auf Einzeltestergebnisse.

Keine Probleme mit den Testungen gibt es an den weiterführenden Schulen, wo allerdings auch nur Einzeltests durchgeführt werden. Oliver Held, Leiter der Realschule, bezeichnete dieses System als „effektiv und notwendig“, es funktioniere „organisatorisch reibungslos“. An der Realschule hat das Testen zuletzt zehn Infektionen bei Schülern aufgedeckt, das entspricht einem Anteil von 3,9 Prozent. Doppelt so viele Schülerinnen und Schüler befanden sich am Freitag in Quarantäne.

An der Albert-Einstein-Gesamtschule waren am Freitag 2,1 Prozent der gut 700 Schülerinnen und Schüler und eine Person aus dem Lehrerkollegium infiziert. Ebenso groß war der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die sich in Quarantäne befanden. Schulleiter Sven Stocks sprach davon, dass das wöchentlich dreimalige Testen aller Schüler einen hohen Aufwand bedeute, aber „gerechtfertigt und notwendig“ sei. Richtig sei auch das Festhalten am Präsenzunterricht.

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