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So verbessern Geflüchtete freiwillig ihre Deutschkenntnisse

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Von: Volker Griese

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Mit Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine, aber auch aus Bulgarien, Rumänien und Griechenland hat Lehrerin Marie Luise Trippe in den Ferien Deutsch gelernt.
Mit Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine, aber auch aus Bulgarien, Rumänien und Griechenland hat Lehrerin Marie Luise Trippe in den Ferien Deutsch gelernt. © Volker Griese

Sprachkenntnisse gelten als der Schlüssel zur Integration: Wer die Landessprache beherrscht, ist deutlich besser in der Lage seinen Alltag zu meistern. An der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) hat in dieser Woche ein Intensivkursus stattgefunden, in dem geflüchtete Kinder und Jugendliche ihre Deutschkenntnisse verbessern konnten.

Werdohl ‒ Etwa 20 Mädchen und Jungen unterschiedlichen Alters haben freiwillig an diesem Kursus teilgenommen. Die meisten waren mit ihren Familien vor dem Krieg in der Ukraine nach Werdohl geflüchtet, aber auch Kinder aus Rumänien, Bulgarien und Griechenland waren darunter. Der Großteil besucht normalerweise die AEG, manche sind aber auch noch Grundschüler. Zwar lernen sie auch im Schulunterricht Deutsch, teilweise in speziellen Kursen „Deutsch als Zielsprache“. In diesem Ferienkursus ging es aber darum, bereits erworbene Deutschkenntnisse zu verbessern und zu vertiefen. Dazu trafen sich die Schülerinnen und Schüler täglich von 8 bis 15 Uhr in der Schulbücherei.

„Wir versuchen, den Kindern eine einfache Sprache mit kurzen Sätzen beizubringen“, erklärte AEG-Lehrerin Marie Luise Trippe, worauf es in diesem Intensivkursus ankam. Deshalb umfassten die Lerninhalte auch vor allem Situationen aus dem Lebensalltag. Die Teilnehmer widmeten sich beispielsweise dem Themenfeld Schule und lernten dabei, wie auf Deutsche die Dinge heißen, die in eine Schultasche gehören. An einem anderen Tag ging es um die Jahreszeiten und das Wetter: Wie heißen im Deutschen die Monate und die Wochentage? Wie bezeichnet man verschiedene Wettersituationen? Ein dritter Tag war einem Besuch in der Stadtbücherei vorbehalten, wobei die Aufgabe der Kursteilnehmer unter anderem darin bestand, sich ein Buch auszuleihen, um es zuhause zu lesen.

Gelerntes schnell anwenden

„Wir versuchen, Gelerntes möglichst schnell in der Praxis anzuwenden“, erläuterte Trippe das Prinzip des Kurses, in dem die deutsche Sprache in einer Mischung aus Hören und Sprechen, Lesen und Schreiben vermittelt wurde.

Das galt auch für den Besuch des Wochenmarktes am Donnerstag. Dort kauften die Kinder und Jugendlichen die Zutaten für das Mittagessen ein, das sie anschließend gemeinsam zubereiteten: Es gab Lasagne und und einen Obstsalat. Sogar auf den Journalistenbesuch hatten sich die Schülerinnen und Schüler vorbereitet, um Fragen beantworten zu können.

Auch spielerisch vermittelte Trippe ihren Schützlingen Kenntnisse der deutschen Sprache, beispielsweise mit einem interaktiven Quiz, in dem die Verwendung der richtigen Artikel zu Hauptwörtern und andere grammatische Kenntnisse der Schüler abgefragt wurden.

Manche lernen sehr schnell

In dem Intensivkursus stellte sich wenig überraschend heraus, dass die Deutschkenntnisse der Kinder und Jugendlichen sehr unterschiedlich ausgeprägt waren. Während einige noch Probleme mit dem Sprechen und Verstehen hatten, kamen andere mit der deutschen Sprache schon sehr gut zurecht. „Wir haben zwei bulgarische Kinder dabei, die schon sehr gut deutsch sprechen“, berichtete Marie Luise Trippe. „Dabei sind sie erst seit drei Monaten in Deutschland.“

Solche Erfolge seien auch ein Verdienst der Lehrkräfte Mihriban Agirdici, die mit ihren Türkischkenntnissen auch viele bulgarische Kinder erreiche, und Tetyana Burris, die als Ukrainerin natürlich ihren jungen Landsleuten den Zugang zur deutschen Sprache erleichtere. „Die hervorragende Arbeit dieser beiden Kolleginnen, die die Schülerinnen und Schüler, die neu in Deutschland sind, in einzelnen Stunden unterrichten, wurde deutlich sichtbar“, bilanzierte Trippe.

Für die Kursteilnehmer beginnt nun am Montag, 17. Oktober, wieder der ganz normale Schulalltag. Vielleicht können einige von ihnen dann mit besseren Deutschkenntnissen schon ein wenig besser dem Unterricht folgen.

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