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So unterschiedlich haben die Werdohler gewählt

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Von: Volker Griese

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Schluss der Stimmabgabe im Einwohnermeldeamt des Rathauses. Wahlvorstand Manfred Buchta zerknüllt um 18 Uhr die Hinweiszettel, jetzt geht es an die Stimmauszählung. 131 Erst- und 129 Zweitstimmen sind dort abgegeben worden.
Schluss der Stimmabgabe im Einwohnermeldeamt des Rathauses. Wahlvorstand Manfred Buchta zerknüllt um 18 Uhr die Hinweiszettel, jetzt geht es an die Stimmauszählung. 131 Erst- und 129 Zweitstimmen sind dort abgegeben worden. © Volker Heyn

Die Wahl ist gelaufen, CDU-Kandidat Thorsten Schick hat diesmal auch in Werdohl die Stimmenmehrheit erhalten. In den 16 Wahlbezirken der Stadt war das Abstimmungsverhalten aber durchaus differenziert. Was außerdem auffällt: Mit 56,1 Prozent stellten die Nichtwähler die größte Gruppe.

Werdohl ‒ Das Maß an Zustimmung für den CDU-Kandidaten Thorsten Schick war in Werdohl sehr unterschiedlich. Im Wahlbezirk 5 (Stadtmuseum) holte der Iserlohner 14,3 Prozent mehr als bei der letzten Wahl vor fünf Jahren, im Wahlbezirk 16 (Grundschule Königsburg) konnte er sich sogar um 14,5 Prozent steigern. In anderen Wahlbezirken verlor er aber auch zum Teil deutlich: beispielsweise 6,1 Prozent im Wahlbezirk 2 (Haus Werdohl) und 7,2 Prozent im Wahlbezirk 14 (Familienzentrum Pungelscheid). Unterm Strich konnte Schick sein Wahlergebnis in Werdohl gegenüber 2017 um 1,5 Prozent verbessern.

SPD-Kandidatin Anja Ihme holte in Werdohl insgesamt 7,8 Prozent weniger Stimmen als ihr Vorgänger. Michael Scheffler hatte 2017 an Lenne und Verse 40,8 Prozent geholt und damit Thorsten Schick (36,1 Prozent) klar auf Platz zwei verwiesen. Besonders deutlich war der Stimmenverlust für Anja Ihme im einst SPD-dominierten Wahlbezirk 16 (Grundschule Königsburg), wo sie 25,9 Prozent weniger Stimmen erhielt als Scheffler 2017. Auch im Wahlbezirk 15 (Schulzentrum Riesei) war der Stimmenverlust mit 14,9 Prozent groß, ebenso im Wahlbezirk 5 (Stadtmuseum), wo die Iserlohnerin 14,3 Prozent einbüßte. Überhaupt konnte sie nur in zwei Wahlbezirken zulegen: Im Wahllokal Baubetriebshof entfielen 3,2 Prozent der Erststimmen mehr auf die SPD als vor fünf Jahren, im Trauzimmer des Rathauses waren es sogar 7,1 Prozent mehr.

Die FDP hatte mit Alexander Lilienbeck erstmals seit 2010 wieder einen Kandidaten aus Werdohl aufgeboten. Der 32-Jährige schnitt in seiner Heimatstadt aber schlechter ab als der Iserlohner Detlef Köpke vor fünf Jahren. Nur 6,9 Prozent der Stimmen entfielen auf Lilienbeck, Köpke hatte 2017 im Sog des landesweiten FDP-Aufwindes 7,5 Prozent geholt. Sein bestes Ergebnis erzielte Lilienbeck im Wahlbezirk 5 (Stadtmuseum), wo er 10,8 Prozent der Stimmen holte. Im Freizeittreff Pungelscheid gaben ihm nur 3,3 Prozent der Wähler ihre Stimmen – Lilienbecks schlechtestes Ergebnis in Werdohl.

Überraschend stark schnitten in Werdohl die Grünen ab. Bisher war diese Partei an Lenne und Verse in der Wahrnehmung der Wähler eher am Rand unterwegs gewesen. Beispielsweise hatte 2017 ihr Kandidat Oliver Held, der heutige Leiter der Werdohler Realschule, gerade einmal 2,8 Prozent der Erststimmen holen können. Umso überraschender ist, dass die Grünen nun mit dem Iserlohner John Haberle beachtliche 8,1 Prozent erzielten. In fünf Wahlbezirken war das Ergebnis für ihn sogar zweistellig. So holte Haberle im Wahlbezirk 6 (Rathaus-Trauzimmer) satte 13 Prozent. Vor fünf Jahren hatte der damalige Grünen-Kandidat Held in diesem Wahlbezirk gerade einmal sechs Stimmen (3,4 Prozent) erhalten.

Minimal steigern konnte ihr Erststimmenergebnis die AfD. Nach 7,9 Prozent vor fünf Jahren holte die Rechtsaußenpartei diesmal 8 Prozent. In neun der 16 Wahlbezirke fiel das Erststimmenergebnis für die AfD diesmal zweistellig aus. Sein bestes Ergebnis in Werdohl holte AfD-Kandidat Klaus Laatsch in Ütterlingsen: Im Wahlbezirk 8 gaben ihm 18,3 Prozent der Wähler ihre Stimme. Auch in Pungelscheid, wo im Wahlbezirk 14 (Familienzentrum Pungelscheid) 17 Prozent für Laatsch stimmten, fand der Iserlohner viel Zustimmung. Im Wahlbezirk 4 (Grundschule Stadtmitte) gaben ihm dagegen nur 3 Prozent der Wähler ihre Stimme.

Bleibt noch ein Blick auf die Wahlbeteiligung: Die war mit 55,5 Prozent in ganz Nordrhein-Westfalen schon nicht besonders hoch, im Wahlkreis 121, zu dem Werdohl gehört, mit 48,4 Prozent sogar ausgesprochen schlecht. Werdohl war dabei die Kommune mit dem schlechtesten Wert: Gerade einmal 43,9 Prozent der Wahlberechtigten machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Das führte zu Langeweile in den Wahllokalen, für die Wahlvorstände zog sich der Sonntag in die Länge. Besonders gering war die Wahlbeteiligung im Wahlbezirk 5 (Stadtmuseum), wo nur 13,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgaben. Dass der Wahlbezirk 11 (Grundschule Kleinhammer) mit 25,3 Prozent die höchste Wahlbeteiligung in Werdohl vorzuweisen hatte, spricht nicht für ein großes Vertrauen der Menschen in die Politik.

Die Situation einigermaßen gerettet und die Wahlbeteiligung insgesamt auf 43,9 Prozent angehoben haben die Briefwähler. Warum von den 3108 Werdohlern, die im Rathaus Briefwahlunterlagen angefordert haben, aber am Ende nur rund 2800 ihr Wahlrecht auch tatsächlich ausgeübt haben, ist ein Mysterium, das es vielleicht auch noch zu ergründen gilt.

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