Städte sollen Standorte und Partner suchen

So schnell gibt’s keine Schnelltests

Kenan Karakas zeigt eine Packung mit FFP2-Masken. Der Inhaber der Neuen Apotheke in Werdohl ist mit der Arbeit von Gesundheitsminister Spahn sehr unzufrieden, dessen Erklärungen seien unglaubwürdig. Karakas kann zum Beispiel entgegen der Aussage Spahns keine Schnelltests verkaufen, der Lieferant hat erst für Ende März zugesagt.
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Kenan Karakas zeigt eine Packung mit FFP2-Masken. Der Inhaber der Neuen Apotheke in Werdohl ist mit der Arbeit von Gesundheitsminister Spahn sehr unzufrieden, dessen Erklärungen seien unglaubwürdig. Karakas kann zum Beispiel entgegen der Aussage Spahns keine Schnelltests verkaufen, der Lieferant hat erst für Ende März zugesagt.

Wer an Lenne und Hönne in dieser Woche einen von der Regierung garantierten kostenlosen Schnelltest in Anspruch nehmen möchte, wird im besten Fall auf die bestehenden Teststraßen in Lüdenscheid und Iserlohn verwiesen.

Kostenlose Schnelltests, die unter Aufsicht von Fachpersonal in der eigenen Kommune genommen werden, gibt es noch lange nicht.

„Das war wieder einmal ein Schnellschuss der Bundesregierung, den wir abarbeiten müssen“, sagt Gerhard Schumacher aus Neuenrade. Als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters Antonius Wiesemann hatte er vergangenen Freitag an der Konferenz mit Landrat Voge teilgenommen.

Viele Gespräche müssen geführt werden

Demnach sind die Städte und Gemeinden des Kreises angewiesen, Gespräche mit Betreibern möglicher Testzentren zu führen. In Betracht kommen natürlich Arztpraxen und Apotheken, in Werdohl vielleicht das Krankenhaus, auch Räume von Hilfsorganisationen wie dem DRK oder Beratungsstellen sind denkbar. Die Anforderungen sind klar: Es muss einen separaten Wartebereich und dazugehörige Parkplätze geben, die durchaus wichtige Raumtemperatur ist ebenso vorgegeben wie die Tatsache, dass es Toiletten für die Mitarbeitenden geben soll. Schumacher zählt noch weitere technische Voraussetzungen auf, die zu erfüllen sind. Natürlich müsse auch die Frage der Abrechnung beziehungsweise Bezahlung mit den Betreibern der zukünftigen Testzentren geregelt werden. Mit möglichen Betreibern ist in Neuenrade allerdings noch nicht gesprochen worden. Weitere Informationen erhofft man sich von der nächsten Bürgermeisterkonferenz am Freitag in Plettenberg.

Da es in Neuenrade nur eine Apotheke gibt, ist Alexandra Simons von der Gertrudenapotheke erste Ansprechpartnerin. Auch sie weiß nicht mehr als der Bürgermeister, signalisiert aber volle Bereitschaft zur Mitarbeit. In Neuenrade gebe es ja auch noch eine kommunale Arztpraxis und ein Institut für Arbeitsmedizin. Es gebe eine große Verunsicherung in der Bevölkerung, was vor allem die Schnelltests für den privaten Bereich angehe. Simons findet es deshalb gut, dass die Kommunen sich jetzt der Koordination von Testzentren annehmen sollen.

Apotheker Karakas mit Kritik

Kenan Karakas, Inhaber der Neuen Apotheke an der Werdohler Bahnhofstraße, steht den Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn sehr kritisch gegenüber. Spahn habe sich schon bei der Finanzierung der FFP2-Masken unglaubwürdig verhalten. Karakas zählt eine Menge Hürden auf, die seiner Meinung nach dazu führen, dass es wohl so schnell keine kommunalen Schnelltestzentren geben werde.

Neben den räumlichen und technischen Voraussetzungen sei vor allem die Frage nach dem Personal ungeklärt. Eine pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) könne die Tests nicht durchführen, sie müsse auf jeden Fall geschult werden. Apotheker und PTA’s würden auch nicht bevorzugt geimpft, sollten sich aber bereit erklären, möglicherweise mit Infizierten in unmittelbaren Kontakt zu kommen. Karakas: „Wir sind nicht geimpft und also ungeschützt, wenn wir testen.“ Dazu müsse sich erst jemand persönlich bereit erklären.

Schnelltests können auch zu einer Kostenfrage werden

Dann würden die Schnelltests auch zu einer Kostenfrage für den Wirtschaftsbetrieb Apotheke. Ob der Aufwand für die Durchführung der Tests finanziell ausreichend abgegolten werde, wisse derzeit niemand. Minister Spahn habe sich schließlich schon bei der Kostenbestimmung für FFP2-Masken schwer verrechnet. Von daher seien die Aussagen des Ministers in dieser Richtung nicht immer vertrauenswürdig. Karakas: „Ich frage mich oft: Hat der überhaupt Ahnung von dem Thema?“

Karakas rechnet vor, dass er auch die Kosten für Schutzkleidung und Arbeitszeit veranschlagen müsse. In der Zeit könnten die PTA’s nicht ihre normale Arbeit in der Apotheke leisten. Karakas: „Dieser Ressourceneinsatz muss aber finanziert werden.“ Eine Kraft könne nur vier Personen pro Stunde testen, dazu kommen im Falle eines positiven Tests eine PCR-Testung und die Dokumentation. Wie genau diese Dokumentation von negativen oder positiven Fällen aussehen soll, müsse auch geklärt werden.

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