Großes Interesse an besonderer AG

So macht Lernen Spaß: Cookie ist der Schulhund an der Werdohler Gesamtschule

Jetzt gibt es ein Leckerchen: Zur Begrüßung dürfen die Fünft- und Sechstklässler, die an der Schulhund-AG teilnehmen, den ausgebildeten Vierbeiner verwöhnen.
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Jetzt gibt es ein Leckerchen: Zur Begrüßung dürfen die Fünft- und Sechstklässler, die an der Schulhund-AG teilnehmen, den ausgebildeten Vierbeiner verwöhnen.

Zwischen den Fünft- und Sechstklässlern der Albert-Einstein-Gesamtschule, die an der Arbeitsgemeinschaft von Nicola Schmidt teilnehmen, sitzt jeden Mittwoch ein Mittzwanziger. Allerdings ist Cookie – übersetzt heißt das Keks oder Plätzchen – kein gewöhnlicher Schüler, obwohl auch er noch einiges lernen soll.

Der Labrador Retriever der Plettenberger Pädagogin ist der Schulhund der Werdohler Gesamtschule – und der Star im Unterricht.

Der zweieinhalbjährige Cookie – umgerechnet in Menschenjahre wäre er etwa Mitte 20 – begleitet Nicola Schmidt seit dem Ende der Sommerferien regelmäßig in die Schule. „Eine Bekannte hat ihren Hund zum Schulhund ausbilden lassen und mir von ihren Erfahrungen berichtet“, erzählt die Lehrerin, wie die Idee entstand, ihren Vierbeiner mit in die Schule zu nehmen. Damals war Cookie – mit vollem Namen heißt er übrigens Chesters’ Mill Cookie – etwa ein halbes Jahr alt. „Ich habe dann überlegt, die Sache ganz ohne Druck anzugehen. Nach dem Motto: ,Wenn es klappt ist es gut, wenn nicht, ist es auch kein Problem’.“ Schon kurz nachdem die Ausbildung des Labrador Retrievers begonnen hatte, zeichnete sich ab: Der Vierbeiner hat das Zeug und die Nerven dazu, ein echter Schulhund zu werden.

Ausbildungsverpflichtung besteht nicht

Dabei bestehe keine Ausbildungsverpflichtung, berichtet Nicola Schmidt. „Mir persönlich war die Ausbildung des Hundes aber ganz wichtig.“ Sie entschied sich für den Anbieter Colecanido, der Seminare zur Weiterbildung im Bereich der hundegestützten Pädagogik in der Schule in Schwerte und Artlenburg (Niedersachsen) anbietet. Im Alter von einem Jahr begann die Ausbildung von Cookie, und damit auch die von Nicola Schmidt. „Eigentlich sollten wir Ende dieses Jahres die Schulhundeprüfung ablegen. Coronabedingt ist sie aber verschoben worden“, sagt die Lehrerin.

Nicola Schmidt und ihr Co-Pädagoge Cookie.

Doch nicht nur die Ausbildung des Vierbeiners war eine Voraussetzung für seinen Einsatz in der Gesamtschule: „Wir haben das Thema im Kollegium besprochen. Es gab keine Einwände.“ Folglich konnte sich Nicola Schmidt an die Arbeit machen und ein „Pädagogisches Konzept zum Einsatz eines Schulhundes an der Albert-Einstein-Gesamtschule“ erstellen. Darin sind nicht nur die Ziele der hundegestützten Pädagogik festgeschrieben, auch die Voraussetzungen für den Einsatz des Schulhundes sind klar definiert. Regeln, die beim Umgang mit Cookie beachtet werden müssen, fehlen in diesem Konzept ebenfalls nicht.

Im Einsatz mit Stoffdouble Muffin

Momentan begleitet der Labrador – er ist im Doppelpack mit seinem Stoffdouble Muffin im Einsatz – sein Frauchen lediglich zu den AG-Stunden, sowie ganz vereinzelt in Unterrichtsstunden. Langfristig soll die Arbeitszeit des Vierbeiners aber gesteigert werden. „Wenn alles gut läuft, soll er irgendwann maximal an zwei Tagen pro Woche mit in die Schule kommen“, sagt Nicola Schmidt. Bisher gefällt es dem Labrador Retriever augenscheinlich gut auf dem Riesei. „Obwohl ich schon spüre, dass er anfangs immer aufgeregt ist“, stellt die Lehrerin fest.

Schulhund Cookie vermittelt Ruhe und Gelassenheit. Die Schülerinnen und Schüler haben den Vierbeiner innerhalb weniger Schulstunden in ihr Herz geschlossen.

An diesem Mittwoch lässt sich Cookie das aber nicht anmerken. Souverän marschiert er neben seiner Halterin durchs Schulfoyer und Treppenhaus, vorbei an zahlreichen Schülern. Im AG-Raum wird er schon sehnsüchtig von den Schülern erwartet. Trotzdem setzt er sich artig auf seinen Platz und wartet auf die Leckerchen-Begrüßung. Bevor es soweit ist, erzählt Nicola Schmidt den Kindern, was Cookie in den vergangenen Tagen erlebt hat – und sie fragt ab, wie sich die Schüler fühlen: Drei Hundefotos liegen in der Stuhlkreismitte, jedes zeigt Cookie in einer anderen Stimmung – von fröhlich bis traurig. Jedes Kind nimmt sich die kleine Holzklammer, die mit dem eigenen Namen beschriftet ist, und klemmt sie an eines der Stoffbänder, die jeweils auf der Rückseite eines Fotos befestigt sind.

Mit Cookie steigt die Stimmung

Niemand überlegt lange – alle Kinder sind jetzt gut gelaunt, befestigen die Klammer unter dem Foto, das den Schulhund in ausgelassener Stimmung am Meer zeigt. Nicola Schmidt kennt dieses Phänomen: „Wenn Cookie im Unterricht dabei ist, hebt das die Stimmung ungemein.“ Dann ist es endlich soweit: Die Begrüßungs-Runde beginnt. Jeder Schüler darf sich ein Leckerchen nehmen, Cookie wandert durch den Stuhlkreis und darf naschen. Ein Schüler reicht dem Labrador den Futterbrocken mit der Hand und wartet darauf, dass der Hund es ganz vorsichtig aufnimmt. Der Nächste wirft das Leckerchen in die Luft – Cookie schnappt es sich mit einer geschickten Drehung. Als alle Schülerhände leer sind, ruft Nicola Schmidt den Vierbeiner zu sich. Ohne Zögern legt sich der Schulhund zu seinem Stoffdouble und knabbert an der Kaustange, die Nicola Schmidt ihm gereicht hat.

Schulhunde sorgen für ein besseres Klassenklima

„Als Co-Pädagoge unterstützt der Hund den Lehrer/Erzieher bei dessen Erziehungs- und Bildungsauftrag“, diese Feststellung aus dem Pädagogischen Konzept zum Einsatz eines Schulhundes an der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) macht deutlich, dass es längst nicht nur darum geht, dass die Schüler etwas über das Verhalten und die Lebensweise eines Hundes lernen. Die Anwesenheit eines Schulhundes im Unterricht soll das Sozialverhalten und das Selbstwertgefühl der Schüler fördern, soll sich positiv auf das Klassenklima, die Lernleistung, die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie allgemein auf die Einstellung zur Schule auswirken.

Im AEG-Konzept heißt es unter anderem: „Der Hund schafft durch seine Anwesenheit eine ruhige, ausgeglichene aber dennoch aktivierende Atmosphäre. Der Kontakt zum Hund ist besonders für die Kinder aufbauend, denen es noch schwer fällt mit anderen Kindern und/oder Erwachsenen (insbesondere mit Lehrpersonen) in Kontakt zu treten. Ein Hund spürt sehr schnell, wenn das Kind Zuwendung braucht und handelt entsprechend.“ Ein Schulhund soll sozusagen eine psychologische, pädagogische und sozialintegrative Funktion übernehmen.

Auf der Internetseite des Deutschen Schulportals heißt es: „Schulhunde werden immer beliebter. Die besondere Wirkung, die Hunde im Einsatz an der Schule zeigen, ist unumstritten. Zahlreiche Studien nennen einen positiven Einfluss auf das Lernverhalten, Verantwortungsbewusstsein und die Motivation von Schülerinnen und Schülern im Kontakt mit den Tieren.“

Für die AG-Teilnehmer steht dann Theorie auf dem Programm. Sie lernen an diesem Tag eine ganze Menge über die Körpersprache eines Hundes. „In anderen AG-Stunden haben die Kinder mit Cookie im Freien einen kleinen Parcours absolviert und ihm Tricks beigebracht. Ein anderes mal haben wir Schnüffelgespenster, also Hundespielzeug, gebastelt“, berichtet die Pädagogin von einigen der zahlreichen Möglichkeiten innerhalb der Schulhund-AG.

Großes Interesse an Schulhund-AG

„Viele Schüler hätten noch Interesse an der AG gehabt, aber zu viele dürfen es nicht sein“, erklärt Nicola Schmidt. Die Kinder, die regelmäßig dabei sein können, sind begeistert. Sie schwärmen von „dem süßen Cookie“, bei einigen lebt daheim ein Hund mit im Haushalt und sie sind froh „in der Schule so viel lernen zu können, was man zuhause sofort gebrauchen kann“. Andere wollten „schon immer einen Hund haben“, und möchten wissen, was für diese Vierbeiner gut ist. Und ein Junge sagt: „Cookie ist einfach immer richtig nett zu mir. Der macht einfach irgendwie gute Laune.“

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