Interessante Ideen und Sprengstoff

So könnte die Lennepromenade der Zukunft aussehen

Der Nachbau eines Schiffsrumpfes als Aussichtsplattform über die Soppe-Mündung ist eine Idee aus dem Konzept für die Neugestaltung der Lennepromenade.
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Der Nachbau eines Schiffsrumpfes als Aussichtsplattform über die Soppe-Mündung ist eine Idee aus dem Konzept für die Neugestaltung der Lennepromenade.

Die Stadt Werdohl hat ein Konzept für eine Neugestaltung des sogenannten Lennebogens zwischen der Ütterlingser Lennebrücke und der Stadtbrücke in Auftrag gegeben. Der jetzt vorlegte Entwurf enthält einige interessante Ideen, aber durchaus auch Sprengstoff. Die Politik wird darüber frühestens am 23. Februar beraten. Für diesen Tag ist eine Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Stadtentwicklung terminiert.

Werdohl ‒ „Naturerlebnis Lennebogen“ ist das Konzept eines Planungsbüros aus Bad Sassendorf überschrieben. „Aufbauend auf die bereits durchgeführten gestalterischen Maßnahmen, soll insbesondere das Naturerlebnis und der bewusste Umgang mit der Natur thematisiert werden und ein zusammenhängender Erlebnisbereich entstehen. Die einzelnen Elemente sollen zu einem Hot Spot für Freizeit und Naherholung am Lenneufer vereint werden“, formuliert das Planungsbüro das Ziel seiner Arbeit. Dabei sollten Bezüge zu den vier Elementen Wasser, Licht/Luft, Feuer und Erde hergestellt werden.

In Auftrag gegeben hat die Ausarbeitung des Konzeptes die Stadt Werdohl, um den Weg entlang der Lenne weiter aufzuwerten. Überplanen soll das Büro vor allem den Bereich zwischen der Stadtbrücke und der Ütterlingser Lennebrücke. Allerdings machen die Sassendorfer auch Verbesserungsvorschläge für das Stück zwischen Stadtbrücke und Rathaus. Wir zeigen auf, welche Gestaltungsvorschläge für die verschiedenen Bereiche der Lennepromenade vorliegen:

Die Grünanlagen an der Goethestraße

Vor einigen Jahren wurde dieser Bereich bereits mit Möblierung, neuen Wegedecken und Anpflanzungen aufgewertet. Mit geringen Investitionen könne das vorhandene Potenzial aber noch besser genutzt werden, meint das Planungsbüro und schlägt vor, Sträucher zu beseitigen und den Stilmix verschiedener pflegeaufwändiger Pflanzkübel durch Neuanpflanzung heimischer und insektenfreundlicher Stauden und Gehölze zu ersetzen. Die Böschung an der Goethestraße könne in eine artenreiche Blumenwiese verwandelt werden. Für Kinder könne das Gelände attraktiver gestaltet werden, indem leichte Hügel und Senken eingebaut würden. Ruhebänke und vor allem die Kunstwerke des Skulpturenparks sollten nach Auffassung des Planungsbüros neu arrangiert werden.

Die Lindenallee an der Goethestraße

Hoffnung macht das Planungsbüro auch allen, die um die Existenz der Lindenallee an der Goethestraße bangen. Bekanntlich hat die Stadt bereits eine Abholzung in Erwägung gezogen. Das halten die Planer aber nicht unbedingt für erforderlich. Ihr Vorschlag: Die sehr schnittverträglichen Bäume könnten in einer Höhe von fünf bis sieben Metern gekappt werden. Nach einer solchen Kopfschneitelung sei die anschließende Pflege der Bäume wesentlich einfacher. Eine Erfolgsgarantie für eine solche Baumbehandlung gibt es aber offensichtlich nicht. Der Rückschnitt werde zu einer Aushöhlung führen, da die Schnittstelle bei so großen Durchmessern meistens nicht mehr vollständig überwallt werde, sind die Planer nicht sicher, wie die Linden reagieren. Sie schlagen deshalb vor, die Methode zunächst nur an einigen besonders gefährdeten Bäumen auszuprobieren.

Der Parkplatz an der Goethestraße

Der mit rund 100 Stellplätzen größte innerstädtische Parkplatz nehme „von den städtebaulichen und natürlichen Gegebenheiten her den aus Sicht der Naherholung attraktivsten Bereich der gesamten innerstädtischen Lenneaue ein“, meint das Planungsbüro und schlägt vor, den Parkplatz aufzugeben und als großzügige Grünfläche mit attraktiver Außengastronomie und Erlebnisqualität für alle Altersklassen neu zu gestalten. Ähnliche Überlegungen gab es vor einigen Jahren schon einmal im Zusammenhang mit den aus dem „Stadtumbau West“ geförderten Maßnahmen und 2012 noch einmal in einem freiraumplanerischen Wettbewerb im Rahmen der Regionale. Letztlich wurden sie nicht umgesetzt. Zumindest Bürgermeister Andreas Späinghaus glaubt, dass der Parkplatz auch diesmal nicht geopfert wird. „Aber man könnte ihn sicherlich attraktiver gestalten“, räumt er ein.

Im Bereich der Stadtbrücke könnten der Rad- und Fußweg auf die andere Seite des Brückenpfeilers verlegt und eine Hecke gepflanzt werden.

Stadtbrücke und Bahnunterführung

Nördlich des Parkplatzes an der Goethestraße führt die Lennepromenade unter der Stadtbrücke hindurch – ein gefährliches Nadelöhr, wie das Planungsbüro findet. Es schlägt deshalb vor den Rad- und Gehweg auf einer Länge von etwa 80 Metern in Richtung Lenne zu verlegen. Er würde dann also auf der anderen Seite an dem dortigen Brückenpfeiler vorbeiführen. Auf dem freiwerdenden Streifen, der dann nicht mehr als Weg genutzt wird, könne eine Hecke gepflanzt werden, der den Bereich von der Derwentsider Straße abschirmt.

Die 150 Meter entfernte Unterführung der Bahnstrecke sei dunkel, niedrig und staubig und verleihe der Passage einen tunnelartigen Charakter, findet das Planungsbüro weiter. Verbessern könne man dies, indem man das ohnehin stillgelegte nördliche Gleis entfernt, wodurch ein etwa 100 Quadratmeter großes Lichtfenster entstehe. „So wäre die Passage freundlicher und als Angstraum entschärft“, heißt es in dem Konzept.

Soppe-Insel, Kletterfelsen und Altenaer Straße

An der Soppe-Insel schlägt das Planungsbüro vor, Zugänge zur Lenne zu schaffen, indem die angeschütteten Wasserbausteine entfernt werden. Auch die Ufer zur Soppe sollen abgeflacht werden. Der ohnehin windschiefe Stabgitterzaun könne durch eine Hecke ersetzt werden, die Bepflanzung durch standortgerechte Uferstauden ergänzt werden.

Die Mündung der Soppe in die Lenne bezeichnet das Planungsbüro als eine der attraktivsten Stellen des Lenneufers. Allerdings werde sie derzeit durch ein großes Einlaufbauwerk aus Beton dominiert. Man könne diesen Bereich durch eine Art Schiffsattrappe aufwerten, schlagen die Planer vor: eine große, weit in den dortigen Lennebogen hineinreichende Plattform, oben mit einem Geländer als Reeling und unten mit einer Verkleidung als Schiffsbug mit der Aufschrift „MS Lenneken“ gestaltet. Bei Dunkelheit könnte das Ganze dann auch noch blau beleuchtet werden.

Die Altenaer Straße soll laut Konzept mit einer neuen Allee, mit attraktiven Bänken und Blühstreifen aufgewertet werden.

Für die Altenaer Straße schlägt das Planungsbüro natürlich die Neuanpflanzung einer Allee vor, deren Grünstreifen zu blütenreichen Wiesen entwickelt werden könnten. Der alte Jägerzaun könne durch eine Hecke ersetzt und durch die Anpflanzung von Feigen, Maulbeeren und Rebstöcken ein mediterraner Naschgarten geschaffen werden. „An diesem attraktiven Bereich der Lenne-Route sollen die vorhandenen Elemente zur Freizeitnutzung aufgewertet werden“, schlägt das Planungsbüro weiter vor. Dazu gehörten die Instandsetzung des Klettersteigs, eine Umrandung für die Boule-Bahn oder das Aufstellen neuer Möbel und ein offener Holzpavillon als Wetterschutz. Auch eine öffentliche Toilette steht im Konzept.

Kurz vor dem Ütterlingser Tunnel sieht das Planungsbüro einen möglichen neuen Standort für die alte Deutz-Lokomotive, die die Erben des verstorbenen Werdohler Ehrenbürgers Dr. Hans Vossloh 2014 der Stadt geschenkt haben und die derzeit an der B 229 in Versevörde steht. Dieser „Platz vom Feuerross“, an dem das Element Feuer in Verbindung mit der Eisenbahn thematisiert werde, könne ein weiterer Attraktionspunkt der neuen Lennepromenade werden, glauben die Planer.

Auf der anderen Seite des Tunnels könnten an der Altenaer Straße zwichen dem Stauff-Gebäude und der B 236 Wohnmobil-Stellplätze geschaffen werden. Außerdem schlägt das Planungsbüro noch einen neuen Fußweg zwischen dem Westpark und dem Bahnhofsviertel vor. Dazu könnten stillgelegte Bahngleise genutzt werden, heißt es in dem Konzept. Damit wäre ein Rundweg geschaffen, in den das Bahnhofsviertel mit Stadtmuseum, Handel, Gastronomie und geplanter Tourist-Information eingebunden wäre.

Lenne-Balkon an der Versestraße

An der sogenannten kleinen Versestraße könnte nach Vorstellungen der Planer noch ein Lenne-Balkon geschaffen werden. Eine ähnliche Idee hat auch die WBG-Fraktion schon einmal geäußert, als es um eine Alternative zur Lenne-Gastronomie ging. Nach Vorstellungen der Planer aus Bad Sassendorf könnte die Mini-Grünanlage zu einer Aussichtskanzel mit Blick auf das Lenneufer erweitert werden.

Über die Kosten all dieser Maßnahmen ist noch nichts bekannt.

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