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So ändern Menschen in der Krise ihr Einkaufsverhalten

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Von: Carla Witt

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Zunehmend teurer werden die Produkte, die Kundinnen und Kunden in Werdohl beim Wocheneinkauf besorgen.
Zunehmend teurer werden die Produkte, die Kundinnen und Kunden in Werdohl beim Wocheneinkauf besorgen. © Fabian Sommer/dpa

Steigende Preise und teilweise schlechte Warenverfügbarkeit ‒ Einkaufen macht Verbrauchern gerade wenig Freude. Auch in Werdohl stöhnen die Menschen über die Bedingungen, zu denen sie ihre Einkaufswagen füllen müssen. Aber auch Händler haben mit der Situation zu kämpfen.

Werdohl ‒  „Natürlich sind die Preise inzwischen ein Gesprächsthema, auch hier bei uns im Geschäft“, sagt Heiko Tank, Inhaber des Edeka-Centers an der Inselstraße. Allerdings wüssten seine Kunden sehr genau, dass die teils erheblichen Preissteigerungen nicht auf das Konto derjenigen gehen, die die Lebensmittel vor Ort anbieten. „Vorwürfe hören wir nicht, Klagen schon.“

Auch hätten viele Werdohler ihr Einkaufsverhalten schon verändert, hat Tank festgestellt: „Wenn zum Beispiel Butter im Angebot ist, merkt man deutlich, dass sich die Menschen Vorräte anlegen.“ Bei haltbaren Lebensmitteln sei das noch deutlicher spürbar. Wobei sich die Lage zumindest mit Blick auf die Verfügbarkeit einiger Waren entspannt habe: „Bei Öl und Mehl hat es sich beruhigt“, beschreibt Heiko Tank, dass momentan niemand befürchten müsse, vor einem leeren Regal zu stehen.

Allerdings: „Viele Artikel, die wir bestellen, kommen mit deutlicher Verspätung oder überhaupt nicht“, beschreibt der Inhaber des Supermarktes die Situation. „Diese Woche gibt es zum Beispiel keine Ravioli in der Dose.“ Cola in Glasflasche sei gerade auch Mangelware – und wer sich Dekoration für eine Geburtstagsfeier wünscht, der hat momentan Pech: „Der Container aus China kommt nicht“, sagt Heiko Tank, und bilanziert: „Es sind schon verrückte Zeiten.“

Diese Meinung vertreten auch viele Werdohler, die im Lidl-Markt am Fritz-Thomee-Platz einkaufen. Allerdings wollte man in der Pressestelle des Unternehmens keine Auskunft zum Thema geben: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu den Themen Preisentwicklung und Kundenverhalten grundsätzlich keine Angaben machen“, lautete die Antwort auf eine entsprechende Anfrage.

ILLUSTRATION - Auf dem Kassenbon eines Discounters sind Preise für verschiedene Lebensmittel zu lesen
Auf vielen Kassenbons summieren sich derzeit die Einzelposten zu immer höheren Beträgen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Anders die Pressestelle von Aldi-Nord, aus der es heißt: „Generell spüren wir, dass der Einkauf beim Discounter für viele Kunden in dieser herausfordernden Zeit relevanter wird denn je.“ Um trotz beeinträchtigter Lieferketten und der Inflation einen attraktiven Preis bieten zu können, setze das Unternehmen darauf, Prozesse so zu optimieren, dass Kosten eingespart werden. „Unser Versprechen ist, dass wir unsere Kunden verlässlich mit hochwertigen Produkten zum günstigst möglichen Preis versorgen.“ Eigenmarken rücken dabei derzeit mehr in den Fokus, denn „sie ermöglichen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, weil unnötige Kosten beispielsweise in Markenführung und Verpackung konsequent vermieden werden“, teilt die Pressestelle mit. So erhalte der Kunde in vielen Fällen mehr für sein Geld als bei bekannten Markenprodukten.

Aus einer Anfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 800 Unternehmen geht allerdings hervor, dass 44 Prozent der Befragten für das Gesamtjahr 2022 mit sinkenden Umsätzen rechnen. Steigende Inflation, immer höhere Energiekosten und eine schlechte Verbraucherstimmung sorgten für herausfordernde Rahmenbedingungen im Einzelhandel, heißt es: „Angesichts der großen Unsicherheiten bei Energieversorgung und Inflation sieht der HDE auch die Politik gefordert, mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren.“

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth unterstreicht: „Der russische Krieg in der Ukraine und Corona-Lockdowns in Asien stören die Lieferketten, die Inflation steigt und die Energiekosten erreichen ungeahnte Höhen. Die Lage ist alles andere als einfach, die Zukunftsaussichten in vielerlei Hinsicht schwierig zu beurteilen.“ Die steigende Inflation schmälere die Kaufkraft der Kundinnen und Kunden massiv.

Das sehen viele Werdohler ganz genau so. „Wenn das so weiter geht, können wir uns bald den Wocheneinkauf nicht mehr leisten“, berichtete eine junge Mutter. Ebenso wie viele andere Verbraucher, die die Redaktion befragt hat, möchte sie aber namentlich nicht genannt werden. „Wer gibt schon gerne zu, dass das Geld zuhause langsam knapp wird?“, begründete eine Rentnerin genau diese Entscheidung.

Eine andere Ruheständlerin hat dieses Problem nicht: „Wir sind ja schon älter und essen nicht mehr so viel, da fällt es nicht so auf, wenn die Lebensmittel teuer werden.“ Dass das Einkommen eine große Rolle spielt, unterstreicht ein anderer Werdohler: „Ich arbeite seit 35 Jahren bei einer Firma und verdiene entsprechend. Deshalb geht es mir noch gut. Aber was ist mit den Menschen, die nur den Mindestlohn verdienen, und womöglich noch Kinder ernähren müssen? Für sie kann es doch so nicht weiter gehen“, sieht er besonders Familien mit geringem Einkommen in Notsituationen rutschen – und auch die Politik in der Verantwortung: „Diesen Menschen muss man doch helfen“, lautet seine Forderung.

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