Poetry-Slam mit Marian Heuser in der Werdohler Realschule

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Viel Spaß hatten die 14 Jugendlichen bei dem Workshop in der Realschule. Zwei Tage lang haben sie sich mit allen Facetten des Poetry Slams auseinander gesetzt.

Werdohl - Scharf formulierte, lustige oder nachdenklich stimmend Texte, vorgetragen von selbstbewussten jungen Künstlern – beim Poetry-Slam ist fast alles möglich. Das haben 14 Schüler der Realschule in dieser Woche in einem Workshop gelernt.

Unter der Leitung des erfahrenen Poetry-Slammers Marian Heuser lernten die Realschüler alle Facetten dieser relativ jungen Kunstform kennen: Angefangen mit den sprachlichen Voraussetzungen über das Schreiben bis hin zum Vortrag.

Evelyns Text zum Beispiel handelt von ihrer ganz eigenen Sicht auf die Gegenwart. „Verrückte Welt“ lautet der Titel des Werks. Wissenschaft und Rassismus spielen eine Rolle, der Text ist tiefgründig. „Schön, dass ihr euch so sehr geöffnet habt“, wird Marian Heuser am Ende des Workshops sagen.

Ganz anders der Vortrag von Kübra: Hier geht es um eine Freundschaft aus der Kindheit. Die Freundin oder der Freund zieht in eine andere Stadt. Anders als bei ihrer Mitschülerin reimt sich hier nichts. „Reime sind keine Pflicht“, erklärt Marian Heuser.

Beim Poetry-Slam sei vieles möglich. Das gilt auch für die Themen: die eigenen Gedanken über das Zwischenmenschliche haben genauso Platz wie Politik, erklärt der 32-Jährige. Er muss es wissen, denn seit neun Jahren tritt er bei Poetry-Slams auf, engagiert sich mittlerweile selbst als Veranstalter. An die 50 solcher Workshops hat er schon geleitet. Einige der Teilnehmer konnte er bei einem Poetry-Slam wiedertreffen.

Auch den Werdohler Realschülern traut er das zu. „Aber sofort gegen Profis anzutreten ist schwierig.“ Jeder Slam ist auch ein Wettbewerb zwischen den Künstlern. Das erfordert viel Übung und eine gehörige Portion Mut. Trotz des Wettbewerbs – das ist die letzte und vielleicht eine der wichtigsten Lektionen – gibt es doch eine Gemeinschaft unter den Slammern. „Wir dissen nicht die Mutter des anderen“, betont Marian Heuser.

Beim gegenseitigen Feedback blieben die Schüler deshalb auch fair. Zum Schluss gab er – unter dem Applaus der Realschüler – selbst eine Kostprobe davon, wie vielfältig Poetry-Slam sein kann: Einer seiner Texte macht sich über den EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) lustig, der auch für seine eher bescheidenen Englisch-Kenntnisse bekannt ist. Ein anderer Text unter dem Titel „Salzwasser“ verarbeitet eine Trennung. Scharfzüngig, teils aggressiv gibt sich Heuser beim Vortrag. Wer verletzt sei, der könne den Poetry-Slam als Ventil nutzen, sagt er. „Verletzte Dichter sind die besseren Dichter.“

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