Im Gespräch mit Werdohler Kandidatin Silvia Voßloh

Silvia Voßloh stellte der Redaktion dieses Foto zur Verfügung.

Werdohl - Die Probleme in Angriff nehmen, wie sie kommen: So möchte Silvia Voßloh ihre Arbeit als Bürgermeisterin gestalten, sollte sie gewählt werden. „Ich habe keine Visionen“, sagt die CDU-Kandidatin. „Das würde mir widersprechen: Ich bin immer sehr realistisch.“

Silvia Voßloh wuchs auf der Königsburg auf, besuchte dort die Grundschule und anschließend die Werdohler Realschule. Nach zwei weiteren Jahren auf der höheren Handelsschule absolvierte sie eine Lehre zur Industriekauffrau bei den Stadtwerken Lüdenscheid. Dort arbeitete die heute 48-Jährige in der Rechnungsabteilung und im Sekretariat, bevor sie im Jahr 1990 mit ihrem damaligen Mann nach Bayern zog.

Vier Jahre später kam sie mit ihren beiden Kindern allein nach Werdohl zurück. 1995 begann sie, in einem Vermessungsbüro zu arbeiten, bei dem sie inzwischen seit 19 Jahren beschäftigt ist. Mit ihrem heutigen Mann Dirk gründete sie 1996 eine Patchwork-Familie.

Neben ehrenamtlichen Tätigkeiten beim TuS Jahn und der Paulusgemeinde in Pungelscheid begann sie im Jahr 2009, sich als Quereinsteigerin auch politisch zu engagieren. Als Heiner Burkhardt nach der damaligen Kommunalwahl sein Mandat nicht antrat, rückte sie über die Liste nach und zog in den Stadtrat ein. „Es ist schön, den Bürgern zu erklären, warum etwas gemacht wird“, das schätzt sie an der politischen Arbeit.

Dass sie im vergangenen Jahr den Parteivorsitz übernommen habe, habe ihr mehr Einfluss gebracht. Jetzt könne sie „Dinge besser anstoßen und ansprechen“, sagt die 48-Jährige. „Gerade als Frau und Mutter von zwei Kindern kann ich etwas anderes einbringen“, ist Voßloh überzeugt. Akzente habe sie zum Beispiel in der Kinder- und Jugendarbeit gesetzt.

Als Bürgermeister Siegfried Griebsch Ende November bekanntgab, dass er nicht wieder antreten würde, „da wurde unter anderem ich gefragt, ob ich Bürgermeisterkandidatin werden möchte.“ Über die Frage habe sie sich sehr gefreut, aber sie habe ihr auch schlaflose Nächte bereitet.

„Ich habe mir dazu lange, lange Gedanken gemacht“, sagt sie. „Aber es hat sich immer mehr herauskristallisiert: Ich habe zwar Respekt vor der Aufgabe, aber ich möchte das machen.“

Sie traue sich zu, Werdohl auf einen zukunftsweisenden Weg und zum Haushaltsausgleich zu bringen. Schließlich bringe sie neben ihrem politischen Einblick auch Erfahrungen aus Familie und Ehrenamt mit. „Und man sagt mir immer einen gesunden Menschenverstand nach“, sagt Silvia Voßloh mit einem Augenzwinkern. Sie wolle für mehr als eine Legislaturperiode zur Verfügung stehen.

„Schauen, wo Bedarf ist“

Sollte sie Bürgermeisterin werden, aber 2020 nicht für eine weitere Amtszeit wiedergewählt werden, „dann werde ich nicht zuhause sitzen bleiben“, sagt Silvia Voßloh. „Ich werde mich sicherlich weiterhin politisch engagieren.“ Sie wolle einfach schauen, was sich dann ergebe und ob neben der politischen auch ehrenamtliche Arbeit anstehe. „Vielleicht muss ich ja dann auch auf Enkelkinder aufpassen“, sagt sie. Was sie nach dem hoffentlich gelungenen Haushaltsausgleich im Jahr 2018 in Angriff nehmen möchte, könne sie jetzt noch nicht sagen. „Ich weiß ja noch nicht, wo wir 2018 stehen werden“, sagt sie. Ob in Schulen, Kitas oder Seniorenzentren: „Wir müssen schauen, wo Bedarf ist.“

Auch in Sachen Stadtumbau wolle sie erst einmal abwarten und sehen, wie sich die Projekte Brüninghaus-Platz, Lennespange und Westpark dann entwickelt haben. Eine weitere Frage wirft sie selbst auf: „Wie sieht es mit dem demographischen Wandel aus? Schaffen wir es, die Neubaugebiete mit jungen Leuten zu füllen?“ In diesem Fall müsste womöglich das Angebot der Kindertagesstätten ausgeweitet und die Öffnungszeiten geändert werden.

„Oder wir müssen noch mehr tun für pflegebedürftige ältere Menschen, die nicht in Seniorenzentren, sondern zuhause gepflegt werden möchten“, nennt die 48-jährige Kandidatin eine weitere Aufgabe der Familienpolitik. Das müssten ja dann die Kinder oder Schwiegertöchter auch arrangieren, wenn sie arbeiten und die Pflege zusätzlich übernehmen. „Wir müssen dann entsprechend handeln, um die Lebensqualität aller zu sichern“, fasst die CDU-Kandidatin zusammen. Konkrete Vorhaben zu nennen, „widerstrebt mir, weil ich nicht weiß, was die Zukunft bringen wird.“

Was, wenn sie fünf Millionen Euro bekäme und sie für Werdohl ausgeben könnte? „Einfach so?“, fragt Silvia Voßloh und lacht. „Das ist schon eine unvorstellbare Summe.“ Es falle ihr schwer, solch utopischen Fragen zu beantworten, „weil ich weiß, dass das nicht sein wird.“ Wenn sie die fünf Millionen hätte, würde sie das Geld nicht schnell verteilen, sondern erst einmal mit anderen zusammen schauen, „wo kann man Lücken stopfen oder am meisten damit erreichen.“ Gute Gründe, als junger Mensch in Werdohl zu bleiben oder sogar in die Stadt zu ziehen, gebe es auch jetzt schon genug, ist sie überzeugt. Neben genügend Wohnraum in den Neubaugebieten und einer Rundumversorgung mit Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen spreche auch die ärztliche Versorgung für die Stadt. „Wir haben den Kinderarzt und das Krankenhaus vor Ort“, zählt die 48-Jährige auf. Außerdem böten die Vereine vielfältige Freizeitmöglichkeiten von Fußball und Handball bis hin zum Tanzunterricht.

Auch das „freundliche Miteinander“ mit den türkischen Mitbürgern schätze sie. Sehr freundlich hätten ihr zum Beispiel einmal zwei türkische Männer beigebracht, gefüllte Weinblätter zuzubereiten. Auch das gehöre eben zu Werdohl: „Deshalb kann man hier leben und lieben und es einfach genießen.“

Damit die Werdohler sich auch weiterhin für ihre Stadt engagieren, wünscht sich Voßloh für Umbauprojekte ein besonderes Konzept: Ein bestimmter Prozentsatz aller Ausschreibungen solle reserviert werden, um die Ideen der Bürger umzusetzen. Denn bei der Planung für den Westpark habe es sie geärgert, „dass von den Anregungen der Bürger nichts übriggeblieben ist“, sagt die CDU-Kandidatin. Schließlich habe es ja eine Bürgerbefragung gegeben, um die Ideen der Werdohler für den Westpark zusammenzutragen.

„Wir haben wenig Geld und wollen, dass sich die Bürger engagieren“, unterstreicht die 48-Jährige ihre Position. „Dann muss man sich auch mal erkenntlich zeigen.“ Manchmal seien es ja auch ganz einfache Dinge, die aber eine ganz tolle Wirkung hätten und mit denen sich die Werdohler sich identifizieren könnten. In der Grundsatzdiskussion darüber, ob die Stadt alle möglichen Fördergelder annehmen solle, bezieht Voßloh klar Stellung: „Nein – und ich kann Ihnen da gleich ein Beispiel nennen.“ So sei über eine Kunstinstallation am Aussichtspunkt Remmelshagen diskutiert worden.

„Folgekosten gering halten“

„Das ist ein Fördertopf, dem ich nicht hinterherrennen würde.“ Und zwar nicht nur, weil die angedachten Sonnenfänger nur eine begrenzte Haltbarkeit gehabt hätten: „Wenn ich an der Lenne spazieren gehe, schaue ich ja eher zum Fluss als rauf.“ Grundsätzlich müssten die Verantwortlichen immer die Folgekosten im Auge behalten. Sowohl der Brüninghaus-Platz als auch der Westpark könnten sicher so gestaltet werden, dass die Kosten später gering ausfallen.

Hinsichtlich der Nachtabschaltung zeigt sich die CDU-Kandidatin „erfreut“ darüber, was sie bereits in die Wege geleitet habe. Silvia Voßloh hatte zunächst versprochen, dass die Laternen wieder die ganze Nacht über brennen würden, sollte sie gewählt werden. Auf einen Vorschlag der Stadtverwaltung hin wurde die Nachtabschaltung dann von vier auf zwei Stunden reduziert.

„Wenn der Bürger signalisiert, dass ihm zwei Stunden Nachtabschaltung keine Probleme bereiten, dann werde ich dieses Thema nicht noch einmal anfassen“, sagt Voßloh. Bisher sei sie von den Bürgern nicht noch einmal darauf angesprochen worden. Und wenn die Werdohler zufrieden seien, könne die Stadt auf diesem Wege ja weiter Geld sparen.

Von Constanze Raidt

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