Sieg beim Design-Wettbewerb

Ausbilder und Firmeninhaber Thilo Pfeifer gratuliert Marius Becker zum ersten Platz. - Foto: Jentzsch

WERDOHL - Rund 100 Stunden Arbeit stecken in dem schlicht wirkenden Couchtisch, den Marius Becker im Rahmen seiner Ausbildung als Gesellenstück realisierte. Die hölzerne Tischfläche wirkt massiv, ein Betonfundament verleiht der Konstruktion Stabilität.

Wirklich massiv ist die Holzkonstruktion aber nicht, lediglich die Optik soll diesen Schein erzeugen. An beiden Enden der Platte verstecken sich grifflose Schubkästen, die auf Berührung herausgleiten. Zudem hat der Lehrling an diesen Stellen Kopfholz verarbeitet, um den Eindruck zu erwecken, die filigrane Konstruktion sei lediglich eine dicke Eichenbohle.

Vom Entwurf über die Planung und Zeichnungserstellung bis zur Herstellung hat der 23-jährige Herscheider den Tisch in seinem Ausbildungsbetrieb, der Tischlerei Hoffrecht, als Gesellenstück realisiert. Im Rahmen der Freisprechung vor einer Woche wurden auch die Noten für die handwerkliche Leistung bekanntgegeben. Mit 89 Prozent und der Note gut bewertete die Jury den Tisch, „nur zwei Prozent an der Note sehr gut vorbei“, fügt der frischgebackene Tischlergeselle hinzu. Parallel zur handwerklichen Bewertung findet noch eine Würdigung der Leistung im Bereich Design statt. Die gute Form nennt sich dieser Wettbewerb des Tischlerinnungsverbundes, bei dem Marius Becker den ersten Platz belegte.

„Trotz seiner Schlichtheit hat der Tisch absolut überzeugt“, sagt Ausbilder und Firmeninhaber Thilo Pfeifer, betont gleichzeitig, wie stolz er auf seinen Zögling ist und übergibt ihm ein besonderes Geschenk: einen Arbeitsvertrag als Geselle.

Eiche hat sich wieder in den Status Trendholz vorgearbeitet, erklären Pfeifer und Becker übereinstimmend. Marius Becker hat auf der Suche nach dem richtigen Stück Holz die Lieferanten besucht. Zwei ganze Bohlen seien für den Tisch verarbeitet worden, erklärt er. Selbst den stahlarmierten Betonsockel hat er selbst gegossen. Als besondere Herausforderung hat sich die Verarbeitung des Kopfholzes herausgestellt. Sieben Versuche waren nötig, bis das Ergebnis überzeugte. Der Tisch soll zur Wohnungseinrichtung passen. Deshalb entschied er sich für einen natürlichen Look mit einer geölten Oberfläche.

Mit dem Sieg beim Design-Wettbewerb „Die gute Form“ auf Innungsebene (Märkischer Kreis und Iserlohn) ist das Kapitel für den Tischlergesellen noch nicht abgeschlossen. Im Herbst findet die nächste Runde auf Landesebene statt. Dann wird er sein Gesellenstück in Düsseldorf präsentieren und mit etwas Glück ein Ticket für die Finalrunde auf Bundesebene ergattern. „Tischler ist mein Traumberuf“, sagt der 23-Jährige, der wohl auch ohne weitere Siege glücklich in seinem Job werden wird.

Von Markus Jentzsch

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