Zukunftpläne in Elverlingsen

Siedlungsgelände und Kraftwerk gehen an einen Investor

Mehr als die Hälfte der 21 Häuser in der ehemaligen Siedlung Elverlingsen ist bereits abgerissen, bis April wird das Gelände mit dem zermahlenen Baumaterial verfüllt sein. Abriss und Sprengung des stillgelegten Kohlekraftwerks sollen durch einen Käufer übernommen werden.
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Mehr als die Hälfte der 21 Häuser in der ehemaligen Siedlung Elverlingsen ist bereits abgerissen, bis April wird das Gelände mit dem zermahlenen Baumaterial verfüllt sein. Abriss und Sprengung des stillgelegten Kohlekraftwerks sollen durch einen Käufer übernommen werden.

Die schon weitgehend abgerissene Siedlung Elverlingsen zwischen Werdohl und Altena wird mitsamt des stillgelegten Kohlekraftwerks wahrscheinlich noch in diesem Sommer an einen Investor verkauft. Das Unternehmen soll vertraglich verpflichtet werden, die Anlagen abzureißen und die etwa 20 Hektar große Fläche als Industriegebiet zu entwickeln.

Werdohl – Enervie-Projektleiter Oliver Rabe schätzt, dass der Rückbau des Steinkohle-Komplexes etwa zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird. Damit werde eine finale Lösung für das Ende März 2018 stillgelegte Steinkohlekraftwerk gefunden.

Enervie will auf dem Gelände nur noch den Netzzugang und die Klärschlammverbrennung betreiben. Die gemeinsam mit dem Ruhrverband betriebene Wirbelschichtfeuerungsanlage soll sogar noch weiter ausgebaut werden.

Geisterdorf in Elverlingsen wird abgerissen: So ist der Stand der Arbeiten

Das Geisterdorf in Werdohl-Elverlingsen wird abgerissen.
Das Geisterdorf in Werdohl-Elverlingsen wird abgerissen.
Das Geisterdorf in Werdohl-Elverlingsen wird abgerissen.
Das Geisterdorf in Werdohl-Elverlingsen wird abgerissen.
Geisterdorf in Elverlingsen wird abgerissen: So ist der Stand der Arbeiten

Der Abriss der Siedlung sei längst überfällig gewesen, sagt Oliver Rabe. Der letzte Mieter war 2013 ausgezogen, die meisten der 64 Wohnungen in den 21 Häusern stehen seit zehn Jahren leer. Vandalismus und Feuchteschäden griffen die Substanz an, vor einem Jahr mussten die maroden Häuser durch eine Zaunanlage geschützt werden.

Abriss zum Festpreis

Der Abbruch der Siedlung wurde in einem Bieterverfahren an ein Unternehmen aus Ostwestfalen vergeben. Zum Festpreis reißt das alle Häuser, Hütten und Garagen ab. Die Arbeit ist zu einem großen Teil sehr aufwändig, weil nahezu sämtliche Materialien voneinander getrennt werden müssen. In wochenlanger Handarbeit sind die Gebäude entkernt worden, an vielen musste eine kostspielige Asbestsanierung durchgeführt werden. Immer noch sind Arbeiter damit beschäftigt, einzelne Eternit-Platten von den Dächern abzunehmen.

„Der Sprengmeister kommt erst ganz zum Schluss.“

Oliver Rabe, Projektleiter bei Enervie

Auch die Baggerführer brauchen das sprichwörtliche Fingerspitzengefühl: Mit den riesigen Greifern wird jedes Kabel, jeder Balken und jeder Fetzen Plastikfolie aus den Trümmern herausgeholt.

Mit dem riesigen Greifer sind die Baggerführer in der Lage, auch kleinste Stücke Plastikplane, Balken oder Metallreste aus dem Abbruchmaterial herauszunehmen

In der ersten Märzwoche wird auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz, wo sich bis in die 1980er-Jahre das geschichtsträchtige Gut Elverlingsen befunden hat, ein gewaltiger Brecher aufgebaut, der die Abbruchmaterialien getrennt voneinander zermahlt. Die Bruchsteinsockel und Ziegelwände werden als sauberes und hochwertiges Baumaterial in die Löcher der früheren Fundamente verfüllt. Minderwertiges Material wie Aschen aus Zwischendecken muss deponiert werden. Anfang April soll das Siedlungsgelände soweit modelliert sein, der Zaun kommt dann weg und Abbruchfirma hat ihren Auftrag erledigt.

Parallel dazu wird Enervie das Bieterverfahren für das Siedlungsgelände und die nicht mehr gebrauchten Kraftwerksanlagen starten. Rabe ist Stabsabteilungsleiter bei Enervie und hat auch schon das Großprojekt des Neubaus der Enervie-Zentrale in Hagen geleitet. Das Bieterverfahren ist vom öffentlichen Vergabeverfahren losgelöst, das hat Enervie juristisch prüfen lassen.

Es gibt schon Interessenten

Es gebe durchaus schon Interessenten für das Gelände, sagt Rabe. Die Bieter bekommen vier Wochen Zeit, sich auf dem Gelände und in den Anlagen umzuschauen und dann ein Gebot abzugeben. Wer den höchsten Preis biete, werde genommen. Enervie und der Investor werden einen Rahmenvertrag abschließen. Der wird vorsehen, dass das ehemalige Kraftwerk im Sinne von Enervie abgerissen und das Gelände als Gewerbegebiet entwickelt werden muss. Damit soll zum Beispiel verhindert werden, dass jemand nur kauft, um vom derzeit sehr guten Stahlpreis zu profitieren. Das fast 100 Meter hohe Maschinenhaus ist vollgestopft mit stählernen Öfen und Turbinen. Mark-E wird mittlerweile als ganz normaler Gewerbebetrieb betrachtet. Die Privilegierung als Kraftwerksbetreiber sei abgelaufen, deshalb gibt es laut Rabe auch keinerlei öffentliche Zuschüsse für den teuren Rückbau der Anlage.

Neues Industriegebiet ab 2024

Oliver Rabe rechnet damit, dass der Abriss des Kohlekraftwerks zwei bis drei Jahre dauern wird. Auch wird mit einer aufwändigen Entsorgung zu rechnen sein. Die Asbestsanierung habe Enervie allerdings schon weitgehend erledigt. Der Investor werde sicherlich den Kühlturm und die beiden großen Schornsteine sprengen müssen. Rabe zwinkert: „Der Sprengmeister kommt aber erst ganz zum Schluss.“

Geht alles glatt, wird spätestens ab 2024 ein frisches Industriegebiet Elverlingsen zur Verfügung stehen. Sicher werden die bisherigen Straßen anders verlaufen, das Gelände wird vermutlich terrassiert und in einzelnen Grundstücksparzellen an Betriebe verkauft.

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