Siebenschläfer als kleine Untermieter

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Die Siebenschläfer sind wieder zu Gast bei den Honerts im Hönnetal. ▪

BALVE ▪ Wenn es wieder am Abend laut keucht aus dem Jalousienkasten im Haus von Eberhard und Ute Honert mitten im Hönnetal, dann weiß das Ehepaar: Den Gästen geht es gut. Siebenschläfer sind es, die seit dem Anbau der Terrasse vor zehn Jahren regelmäßig bei den Honerts zur Untermiete einziehen. „Von Mitte Juni bis Oktober sind sie hier“, hat Ute Honert nachgehalten. Sieben waren es in diesem Jahr.

Anfangs hatte sie die Tiere mit einem Kescher aus Küche und Wohnzimmer eingefangen, und wieder draußen ausgesetzt. „Auch vor der Katze habe ich sie schon gerettet“, erzählte sie beim Warten auf die ungewöhnlichen Haustiere. Es tut sich was hinter der Holzvertäfelung und dem Mauerwerk: kleine Pfötchen trippeln hin und her. Und auch weil die alltägliche Schale mit frischem Obst wieder an derselben Stelle steht, müsste es nur noch eine Sache von Sekunden sein, wenn sie sich blicken lassen. „Sie sind Kameras und Handys gewohnt“, verkürzt Ute Honert die Wartezeit mit Erlebnissen, die auch schon gefilmt worden waren.

Von ganz oben schaut ein kleiner Nager nach unten: rosa Stupsnase, buschiger Schwanz, grau, weißer Bauch, kleiner als ein Eichhörnchen – so viel Zeit lässt er zur eingehenden Betrachtung. Dann verschwindet er wieder um das zu machen, was Siebenschläfer so machen; Obst fressen scheint diesmal nicht dazu zu gehören. Die Honerts haben sich über Siebenschläfer informiert und wissen auch aus eigener Erfahrung: „Diese Tiere richten keinen Schaden an.“ Ein elektrisches Kabel ist für sie nur ein Kletterseil, wie eins unter Beweis stellt, das nun tatsächlich zur Obstschale huscht.

Die Hinterpfoten weit auseinander hat es sich hinter die Schale gestellt, mit den Vorderpfoten eine Bananenscheibe gegriffen und lässt sich beim Verzehr derselben auch vom Klicken der Kamera nicht stören. „Jetzt sind sie ganz vertieft“, wissen die Honerts. Aber mehr als ein Siebenschläfer kommt an diesem Abend nicht aus seinem Versteck. „Die fressen alles, was süß ist“, erzählen Honerts. Um an Äpfel, Birnen, Bananen oder Trauben zu kommen, würden sich die Tierchen auch direkt bei Tisch bedienen. Krach machen sie vor allem nachts. Eberhard Honert: „Dann geht es rund – wir brauchen dann kein Fernsehen mehr.“

Auch ihre Gäste lassen sich dies nicht entgehen. Regelmäßig werden die Siebenschläfer-Hinterlassenschaften aufgekehrt, dabei wissend, dass ab Oktober auch diesmal wieder Ruhe einkehren wird. Dann suchen die Tiere ihre Winterquartiere in Erd- und Baumhöhlen oder Nistkästen auf.

Sicher ist aber auch für die Honerts, dass ab Ende Mai wieder die Neuen bei ihnen einziehen: „Wir gehen davon aus, dass wir schon einige Generationen hier beherbergt haben.“ Vielleicht hat sich auch bei Siebenschläfers die Gastfreundschaft der Honerts herumgesprochen, hatte doch 1889 ihr Vorfahr Wilhelm Hake dieses Haus erbaut und wenig später das „Chauseegeld“ für die Benutzung der Hönnetalstraße erhoben. Eberhard Honert hat es noch schwarz auf weiß, dass ein „Kraftwagen zum Fortschaffen mit Gummireifen und mehr als 4 Sitzplätzen“ in der Tarifordnung mit 20 Pfennigen zu berechnen war.

„Beckum, Volkringhausen und Eisborn waren verpflichtet, die Straße in Ordnung zu halten“, so Honert. 1891 wurde die Kneipe eröffnet, die 1908 auch von den Bahnbauern besucht wurde: „Nach dem Schienenbau sorgte der Ausflugsverkehr für Leben.“ 30 Sitzplätze gab es im Gastraum, später kamen in zwei Räumen 40 und 120 dazu. Im Jahr 1974 wurde das Lokal dann geschlossen, aber noch heute hängt im Thekenraum alles an seinem Platz, Stühle und Tische stehen bereit: „Hier treffen wir uns nur noch für Familienfeiern.“ - Julius Kolossa

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